HOME

Reaktionen auf Trumps Amtsübernahme: "Vergesst nicht, Eure Uhren heute Abend um 300 Jahre zurückzustellen"

Um 12 Uhr Washingtoner Zeit hat Donald Trump seinen Amtseid abgelegt. Anschließend hielt er seine erste Rede als US-Präsident. Nur wenig später reagierten Politiker und Prominente weltweit - mit Lob, Ermahnungen und scharfer Kritik.

Netz-Reaktionen zur Trump-Vereidigung: "Jetzt regiert die Hölle auf Erden"

Der Immobilienmilliardär Donald Trump ist neuer Präsident der USA. Der 70-Jährige legte auf den Stufen des Kapitols in Washington seinen Amtseid ab und gab die Parole "Amerika zuerst" aus. Die Reaktionen auf den Machtwechsel und Trumps Antrittsrede aus deutscher und internationaler Politik sowie von Prominenten reichen von Lob und Glückwünschen über Mahnungen bis hin zu scharfer Kritik:

Deutsche Politiker

  • Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen ist von Trumps Antrittsrede enttäuscht: "Dieses war eine Rede, die das Land weiter und tiefer spalten wird", zitiert die "Rheinischen Post" den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages. Es sei die "Ankündigung der Trump-Restauration" gewesen, eine Verurteilung der bisherigen Politik und des Establishments, das sich selbst bedient und das Volk betrogen habe. Die Rede beinhalte den Rückzug Amerikas von internationaler Verantwortung und Solidarität und die "offene Verkündung von Egoismus als Prinzip amerikanischer Außenpolitik".
  • Vizekanzler Sigmar Gabriel wandte sich unmittelbar nach der Amtseinführung von Donald Trump mahnend an die Amerikaner: "Liebe USA, stay the land of the free and the home of the brave", schrieb der SPD-Chef auf Twitter. Übersetzt heißt das: "Liebe USA, bleibt das Land der Freiheit und die Heimat der Mutigen." Zuvor hatte er in Berlin dazu aufgerufen, Trump selbstbewusst gegenüberzutreten. "Wir sollten selbstbewusst sein. Weder wir Deutschen noch wir Europäer haben Grund, ängstlich oder verzagt zu sein."
  • Die Grünen kritisierten die Trumps Ansprache als "Rede eines Populisten". "Grenzen dicht machen, Amerika zuerst und das Blut der Patrioten. Mir ist sehr kalt", twitterte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Trump hatte in seiner Rede unter anderem eine Politik der Abschottung angekündigt. Diese werde zu mehr Wohlstand und neuer Stärke der USA führen.
  • Die AfD bot sich Trump in einem Glückwunschtelegramm als "natürliche Verbündete" in Deutschland an. "Aufgrund Ihrer bisher getätigten Aussagen verfolgen wir als Deutsche und Europäer hoffnungsvoll Ihre außenpolitischen Positionen, weil sich diese wohltuend vom Kurs der vergangenen Jahrzehnte unterscheiden", schrieben die Parteichefs Frauke Petry und Jörg Meuthen an den neuen Präsidenten. Die AfD stehe "als einzige deutsche Partei in klarer Opposition zur falschen Politik" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), "die mit ihrer Regierung Deutschland und Europa nachhaltigen Schaden zufügt". Trump hatte Merkel und ihre Flüchtlingspolitik wiederholt scharf kritisiert.
  • Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht äußerte sich positiv zu den außenpolitischen Ankündigungen des US-Präsidenten: "Von Trump gibt es sehr unterschiedliche Signale, auch ein paar positive, zumindest außenpolitisch", sagte Wagenknecht der Tageszeitung "Neues Deutschland". Sie verwies auf Trumps Ankündigung, das Verhältnis zu Russland zu verbessern. "Das wäre ein wichtiger Schritt zu einer stabileren und friedlicheren Welt", so Wagenknecht.

Internationale Politiker

  • Frankreichs Präsident François Hollande erklärte beim Besuch eines Unternehmens in den Vogesen in Hinblick auf Trumps Antrittsrede: "Wir sind in einer globalen und offenen Wirtschaft. Und es ist nicht möglich und es ist auch nicht wünschenswert, sich von der Weltwirtschaft isolieren zu wollen."
  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hofft auf gute Zusammenarbeit mit dem neuen US-Präsidenten. Das Verteidigungsbündnis sei "die erfolgreichste Allianz der Geschichte" und die Vereinigten Staaten profitierten davon genauso wie Europa, erklärt Stoltenberg in einer in Brüssel veröffentlichten Mitteilung. "Ich freue mich darauf, eng mit Präsident Trump zusammenzuarbeiten, um unsere Allianz zu stärken", so Stoltenberg. Herausforderungen wie der Terrorismus müssten gemeinsam angegangen werden, "mit einer gerechteren Lastenteilung unter den Alliierten". Die USA mahnen andere Bündnismitglieder seit Langem, das Ziel zu erfüllen, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Trump hat die Daseinsberechtigung des Bündnisses in Frage gestellt.
  • Beifall für Präsident Trump aus Großbritannien: Der ehemalige Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei, Nigel Farage, lobte die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten als "sehr stark". Trump meine es ernst, twitterte Farage kurz nach der Amtseinführung. Trump sagte bei seiner Rede unter anderem, alles solle sich dem Motto "Amerika zuerst" beugen. Farage, der als einer der einflussreichsten Brexit-Befürworter gilt, hatte Trump im Wahlkampf unterstützt. Kurz nach dessen Wahl düpierte er die britische Regierung, indem er Trump in New York traf.
  • Papst Franziskus gratulierte Trump und richtete zugleich mahnende Worte an ihn: "In einer Zeit, in der unsere menschliche Familie heimgesucht wird von schweren humanitären Krisen, die weitsichtige und gemeinschaftliche politische Antworten brauchen, bete ich dafür, dass Ihre Entscheidungen von den reichen spirituellen und ethischen Werten geleitet sein werden, die die Geschichte des amerikanischen Volkes und die Verpflichtung Ihrer Nation zur Förderung der Menschenwürde und der Freiheit weltweit geprägt haben", heißt es in einer Mitteilung an den neuen US-Präsidenten. Franziskus hoffe, dass auch unter Trumps Führung die Bedürfnisse der Armen, Ausgeschlossenen und Bedürftigen berücksichtigt würden.
  • Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto will mit Trump respektvoll zusammenarbeiten. "Ich gratuliere Präsident Trump zu seinem Amtsantritt", twitterte er. "Mit gemeinsamer Verantwortung werden wir zusammenarbeiten, um unsere Beziehung zu stärken."  Peña Nieto kündigte an: "Wir werden in einen respektvollen Dialog mit der Regierung von Präsident Trump treten, zum Wohle Mexikos. Die Souveränität, das nationale Interesse und der Schutz der Mexikaner werden die Beziehungen zu der neuen US-Regierung bestimmen." Trump hatte Mexikaner im Wahlkampf als Vergewaltiger und Drogenhändler diffamiert. An der Grenze zu Mexiko will er eine Mauer errichten, um die illegale Einwanderung zu stoppen. Außerdem kündigte er an, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit Kanada und Mexiko neu zu verhandeln oder aufzukündigen.
  • Mit den Worten: "Heute treten wir in die Ära der Unsicherheit ein", kommentierte der frühere mexikanische Staatschef Vicente Fox, einer der schärfsten Kritiker von Trump, den Machtwechsel in Washington.
  • Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko gratulierte Trump zum neuen Amt. "Viel Erfolg beim noblen Ziel, die freie Welt anzuführen", twitterte der Staatschef in Kiew kurz nach Trumps Amtseinführung. Er hoffe auf eine "effektive Zusammenarbeit" mit der neuen US-Regierung. In der Ukraine wurden die russlandfreundlichen Äußerungen Trumps vor dessen Amtsantritt mit Sorge aufgenommen. Die prowestliche Führung in Kiew befürchtet, dass eine Annäherung zwischen Russland und den USA der Ukraine schaden könnte. In den vergangenen Jahren hatte Washington das krisengeschüttelte Land mit Hilfe in Milliardenhöhe gestützt.
  • Russlands Nachbar Estland freut sich auf die Zusammenarbeit mit Trump als "standhaften Nato-Verbündeten". Estland ist wegen der russischen Rolle in der Ukraine-Krise um seine Sicherheit besorgt. "Wir freuen uns darauf, unsere engen bilateralen Beziehungen in vielen Schlüsselbereichen weiterzuentwickeln, einschließlich Verteidigung und Cyber-Sicherheit", schrieb Präsidentin Kersti Kaljulaid zur Amtseinführung an Trump. Kaljulaid betonte, dass der Baltenstaat eines der fünf Nato-Mitglieder sei, die bei ihren Verteidigungsausgaben den Zielwert von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichten. "Wir ermutigen andere Verbündete nachdrücklich, das Gleiche zu tun", schrieb sie an Trump.

Prominente

  • R&B-Star Rihanna bezeichnete die Amtsübergabe an Donald Trump als "schlimmste Trennung jemals". Auf Instagram veröffentlichte die 28-Jährige ein Foto, das Obama als jungen Mann in offenem Hemd, T-Shirt und Jeans zeigt. Binnen einer halben Stunde bekam der Beitrag knapp 350.000 "Gefällt mir"-Angaben.
  • Auch Boris Becker trauert Obama hinterher. "Der Himmel weint in Washington...", schrieb Becker mit Blick auf den Regen während Trumps Vereidigung. Wenig später ergänzte er: "Familie Obama verlässt Washington mit dem Helikopter, wir alle hoffen, Familie Trump ist halb so gut..." Schon am Wahltag im November hatte Becker klargemacht, wen er unterstützt. "Hoffe nur, Amerika macht das Richtige heute... #HillaryClintonForPresident", schrieb er damals.
  • Die britische Sängerin Adele fasste sich kurz. Ein Foto eines lächelnden Obama, dazu ein Wink-Emoji - die Botschaft kam bei ihren Fans an. Erst recht, nachdem sie zwei Tage zuvor Michelle Obama online zum Geburtstag gratuliert hatte.
  • Der Rapper The Game bedankte sich bei Barack und Michelle Obama für "acht großartige" Jahre. Auf Instagram schrieb er: "Lebewohl an eine großartige First Family."
  • Die US-Boyband One Republic dankte Obama für seine Dienste. "Endlich können Sie ausschlafen - genießen Sie es!", schrieben sie auf Twitter.
  • Der US-Comedian Chris Rock sieht in der Vereidigung Trumps einen Rückschritt um drei Jahrhunderte. Er veröffentlichte auf Twitter ein Bild, auf dem steht: "Vergesst nicht, Eure Uhren heute Abend um 300 Jahre zurückzustellen."
  • R&B-Star Alicia Keys hielt ein Plädoyer für Amerikas Vielfalt: An Trump gerichtet schrieb die 35-Jährige auf Twitter: "Amerikaner haben alle Hautfarben, Glaubensrichtungen, Kulturen und Geschlechter. Wir haben Stimmen. Wir lehnen Angst ab. Wir glauben an den Traum." Im Wahlkampf hatte Keys ("Fallin'") die Demokratin Hillary Clinton unterstützt.
mad / DPA / AFP