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Meinung

Kavanaugh-Affäre: Wie Donald Trump die Opferrollen umkehrt, ist unerträglich

Der Umgang von Donald Trump mit der Affäre um Brett Kavanaugh zeigt, wie wichtig die #MeToo-Bewegung war und ist. Es sind Männer wie der US-Präsident, die dafür sorgen, das Opfer sich nicht trauen, ihre Peiniger zu beschuldigen. 

US-Präsident Donald Trump las seine Entschuldigung an Brett Kavanaugh vom Teleprompter ab

US-Präsident Donald Trump las seine Entschuldigung an Brett Kavanaugh vom Teleprompter ab

AFP

Von Donald Trump ist man ja leider vieles gewohnt. Aber sein Verhalten in den vergangenen Tagen war selbst für die Verhältnisse dieses ungehobelten, respektlosen und egozentrischen Mannes unfassbar. Der Umgang mit der Affäre um Richter Brett Kavanaugh hat einmal mehr deutlich gezeigt, wie fatal diese Wahlnacht vor knapp zwei Jahren im November wirklich war. Da sitzt ein Mann im Oval Office, der Frauen, die von sexueller Gewalt berichten, die Stimme nehmen will, sie aus der Ferne als Lügnerinnen brandmarkt und sich über sie lustig macht. Und überhaupt: Die wahren Opfer hier sind sowieso die armen Männer, ist sich Trump sicher.

Im Weißen Haus entschuldigte sich Trump am Montag "im Namen unserer Nation" bei Richter Kavanaugh für den "schrecklichen Schmerz und das Leid", das dieser erfahren haben müsse. Drei Frauen hatten dem Mann Jahrzehnte zurückliegende sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Die Vorwürfe bezeichnete Trump indirekt als "Lügen und Täuschung". Vor wenigen Tagen hatte er sich auf einer Wahlkampfveranstaltung sogar über die Frau lustig gemacht, die vor dem Justizausschusses des Senats von dem angeblichen sexuellen Übergriff berichtet hatte. Die Dame hatte vorher ausgesagt, noch heute das Lachen ihrer Angreifer im Kopf zu haben. Trump äffte sie vor Publikum nach. Kavanaugh aber, so befand Trump nun, sei mit "historischer Gründlichkeit unschuldig befunden" worden. Was so nicht stimmt. Es stand Aussage gegen Aussage und die Republikaner haben sich entschieden, ihrem Kandidaten zu glauben. 

US-Präsident Donald Trump las seine Entschuldigung an Brett Kavanaugh vom Teleprompter ab

US-Präsident Donald Trump las seine Entschuldigung an Brett Kavanaugh vom Teleprompter ab

AFP

Die perfide Masche des Donald Trump

Der unterschiedliche Umgang mit den Beschuldigern und den Beschuldigten ist kein Zufall, es ist eine perfide Masche. Trump spricht mutmaßlichen Opfern das Opfersein ab und dreht den Spieß um. Die armen Männer! Überall lauern hinterlistige Frauen, die das Leben dieser Männer mit erfundenen Anschuldigungen zerstören wollen. "Wir leben in sehr beängstigenden Zeiten für junge Männer in Amerika", hatte Trump vergangene Woche tatsächlich gesagt. "Jemand beschuldigt dich und dein Leben ist vorbei." Fast zwei Dutzend Frauen haben Trump mittlerweile des sexuellen Übergriffs bezichtigt. Er ist Milliardär und US-Präsident, nach "Leben vorbei" sieht das nicht aus.

Niemand sollte Frauen, die sich trauen, öffentlich von ihren Erfahrungen zu berichten, so behandeln. Ob man ihnen glaubt oder nicht, müssen Ermittler und Gerichte entscheiden. Zuhören sollte man ihnen immer. Denn Männer wie Donald Trump sind es, die Opfern das Gefühl geben, es sei besser zu schweigen. Und er ist der Präsident der Vereinigten Staaten, er sollte Frauen nicht dieses Gefühl vermitteln. Was er sagt und tut, hat eine verheerende Signalwirkung. Trump lebt ein unmoralisches, ein schändliches Verhalten vor.

Das einzig Richtige, was Trump gestern im Weißen Haus von sich gab, war folgendes: "Eine Mann oder eine Frau muss immer solange unschuldig gelten, bis seine oder ihre Schuld bewiesen ist." Das stimmt immer, und ist auch wirklich eine Gefahr bei öffentlich werdenden Anschuldigungen. Die viel größere Gefahr aber geht von sexuellen Übergriffen aus. Von Männern, die Frauen nötigen. Auch wenn der US-Präsident das offenbar anders sieht. 

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