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Personalschleuder US-Präsident: Karriere-Turbo Weißes Haus: Es gibt zwei Muster bei Trumps Neueinstellungen

Macht Donald Trump so weiter wie bisher, wird er bis zum Amtsende noch 70 neue Mitarbeiter brauchen. Doch die Einstellungskriterien sind übersichtlich, eigentlich reichen zwei Eigenschaften, um einen Job im Weißen Haus zu bekommen.

Caroline Sunshine und Ronny L. Jackson

Donald Trumps Neuanwerbungen Caroline Sunshine aus der Pressestelle und Ex-Leibarzt sowie neuer Veteraneneminister, Ronny L. Jackson 

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433 Tage oder 62 Wochen nach Donald Trumps Amtsantritt wird es Zeit für eine kleine Personalbilanz. Denn wenn etwas noch vergänglicher ist als die Twitterschwaden aus dem Oval Office, dann die Namen der Mitarbeiter, die damit gestraft sind, aus dem Dauergetöse irgendetwas zu formen, das sich Politik nennt. Da gab es zum Beispiel mal einen Tom Price, der war Gesundheitsminister, musste aber nach 232 Tagen seinen Hut nehmen, weil er eine Million an Steuergeldern für Charterflugzeuge ausgegeben hatte. Auch Veteranenminister David Shulkin hatte Unsummen für Reisen verprasst, weshalb er nun ebenfalls gehen muss.

Die 22-jährige Schauspielerin Caroline Sunshine ist seit Ende März Presseassistentin in Donald Trumps Team.


Nimmt man nur die Amtszeiten der 18 Top-Personalien, die in Trumps Präsidentschaft bislang das Weiße Haus verlassen haben, dann bleiben seine Mitarbeiter im Schnitt 307 Tage auf ihrem Posten - ganz gleich ob Außenminister, Pressesekretär, Sicherheitsberater oder stellvertretende Oberstaatsanwältin. Natürlich gibt es Ausnahmen. Der nun scheidende Shulkin hatte schon unter Barack Obama gedient, anders als der selbst für Donald-Trump-Verhältnisse peinliche Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci, der sich gerade einmal elf Tage hielt.

Chaos oder "pure Energie"?

Was von außen betrachte wie reines Chaos wirkt, ist aus Sicht von Donald Trump "pure Energie". "Es werden immer Leute kommen und gehen", twitterte der Präsident kürzlich, denn er sei "auf der Suche nach Perfektion". Was genau er sich darunter vorstellt, lässt sich anhand seiner Neuakquisen ganz anschaulich studieren. Während Trump zu Beginn seiner Amtszeit noch das Mitarbeitermodell "Millionär mit eigener Meinung" bevorzugte (Rex Tillerson, Stephen Bannon), neigt er in jüngster Zeit vermehrt zum Exemplar "willfähriger Erfüllungsgehilfe". Ronny L. Jackson ist so ein Beispiel, der neue Veteranenminister.

2006 wurde der jetzt 50-Jährige als Chefarzt für das Weiße Haus auserkoren. Damals saß dort noch George W. Bush, es folgte ihm Barack Obama. Zu Beginn des Jahres nahm er sich den aktuellen Chef im Oval Office, Donald Trump, zur Brust - der nämlich wollte beweisen, wie körperlich und geistig fit er ist. Zuvor hatte Autor Michael Wolff in seinem Buch "Feuer und Zorn" Zweifel an dessen Eignung gesät. Jackson untersuchte und befand: Trump habe "außergewöhnliche Gene" und sei für seine 71 Jahre überraschend energievoll. Eine Diagnose, die dem Präsidenten schon allein wegen ihrer Wortwahl wie Öl runter gegangen sein muss.

Donald Trump mag auch hübsche Frauen

Mehr als diese paar kurzen Sätze sind von Jackson allerdings nicht bekannt. Und auch sonst nichts, was ihn, den Navy-Arzt, der vor wenigen Tagen zum Admiral befördert wurde, für das Amt des Veteranenministers qualifiziert. Jackson sei ein hoch respektierter Admiral, schrieb Trump auf Twitter. Punkt. Bei seiner vorletzten und vorvorletzten Personalentscheidung, also vor wenigen Tagen, hatte der Präsident immerhin noch zu zwei ausgewiesenen Hardlinern gegriffen, die Trumps simple Schwarz-Weiß-Sicht vollständig teilen. Mäßigende Widerworte, wie sie Ex-Außenminister Tillerson übte, wird der US-Präsident von Neu-Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton kaum zu hören bekommen.

Neben dem Typ "nach dem Mund reden" gibt es noch ein anderes Set an Eigenschaften, das einen für das Weiße Haus qualifiziert: weiblich und attraktiv. Ex-Öffentlichkeitschefin Omarosa Manigault-Newman war so eine. Hope Hicks auch. Beide einte ihre völlige Unerfahrenheit in politischen Dingen, aber trotzdem oder vielleicht auch deswegen, hielt es beide erstaunlich lang an der Seite Trumps. Mit Caroline Mohr Sunshine (sie heißt tatsächlich so) beginnt nun ein weiteres TV-Gesicht im unmittelbaren Umfeld des Präsidenten. Die frühere Disney-Tänzerin ("Shake it up" hieß ihre Show) arbeitet zukünftig in der Pressestelle.

Zusammengefasst: Die Hürden für einen Job im Weißen Haus liegen nicht allzu hoch. Behält Donald Trump seinen bisherigen Schnitt beim Personaldurchtauschen bei, dann bräuchte er in den kommenden 147 Wochen bis zur Vereidigung des nächsten Präsidenten noch knapp 70 weitere, neue Mitarbeiter. Gut, im Wahlkampf hat er schließlich auch Jobs, Jobs, Jobs versprochen.

Donald Trump Berater Stephen Bannon


vit