VG-Wort Pixel

Nach Sturm auf Kapitol Donald Trump bleibt Amtseinführung von Joe Biden fern – und droht via Twitter unterschwellig

Sehen Sie im Video: "Er war immer ein Outsider" – USA-Experte Jackson Janes erklärt die perfide Strategie von Donald Trump.
Mehr
Wer geglaubt hatte, Donald Trump habe mit der Verurteilung des Sturms auf das Kapitol doch noch eingelenkt, sieht sich getäuscht. In einem Tweet kündigte er an, seine Wähler würden "weit in die Zukunft" ein Stimme haben. Ohnehin sehen viele seiner Anhänger die Vorfälle nicht kritisch.

Der Eindruck, Donald Trump sei mit der Verurteilung des Sturms auf das Kapitol durch seine Anhänger und der Zusicherung einer geordneten Machtübergabe von seiner bisherigen aggressiven Linie abgerückt, hat sich bereits wieder zerschlagen. Seinen ersten Tweet nach Freigabe seines zwischenzeitlich gesperrten Twitter-Accounts nutzte der scheidende US-Präsident für eine unterschwellige Drohung. "Weit in die Zukunft" würden seine Wähler auch künftig eine laute Stimme haben, kündigte er an – und nährte damit erneut Befürchtungen, Trump werde mit einer Art Schattenpräsidentschaft dem kommenden Präsidenten Joe Biden das Regieren schwer machen. Außerdem ließ er wissen, dass er der Inauguration Bidens am 20. Januar fern bleiben werde.

In seinem Posting ging er weder mit jenen ins Gericht, die am Mittwoch mit dem Eindringen in das Washingtoner Kongressgebäude das demokratische System der USA an sich attackiert hatten. Noch ließ er anklingen, dass er seine Wahlniederlage anerkennen wolle, nachdem das Ergebnis des Urnengangs vom 3. November durch den Kongress bestätigt worden war. Stattdessen twitterte er: "Die 75 Millionen großen amerikanischen Patrioten, die für mich, AMERICA FIRST und MAKE AMERICA GREAT AGAIN gestimmt haben, werden eine LAUTE STIMME weit in die Zukunft haben. Sie werden nicht respektlos oder in irgendeiner Weise, Art oder Form unfair behandelt werden!!!"

Donald Trump spricht Anhängern aus der Seele

Trump wird damit seinen Anhängern aus der Seele sprechen. Denn obwohl das terroristische Vordringen ins Parlamentsgebäude in aller Welt mit Erstaunen wahrgenommen worden und vor allem von westlichen Regierungen verurteilt worden war, sehen viele seiner Anhänger die Ereignisse des vergangenen Mittwochs weit weniger kritisch. Im Gegenteil: In einer Umfrage des Instituts YouGov gaben 68 Prozent der republikanischen Unterstützer an, im widerrechtlichen Eindringen ins Kapitol, in dessen Folge fünf Menschen ums Leben kamen, keine Bedrohung der Demokratie zu sehen. Fast die Hälfte der Republikaner-Wähler gaben sogar, den Sturm aufs das Kongressgebäude gut zu heißen.

Den ohnehin existierenden Befürchtungen, dass Trumps Anhänger Joe Biden nicht als Präsidenten akzeptieren werden, gibt dies neue Nahrung. "Wir glauben, das war Betrug. Wenn so viele Menschen es nicht schaffen, die Person ins Amt zu bekommen, die wir wollen, wird unsere Stimme niemals etwas wert sein", ließ sich eine Trump-Anhängerin am Tag danach in Washington zitieren. Es wurde teils sogar geleugnet, dass es überhaupt Chaos gegeben habe. "Es gab überhaupt keine Gewalt, vielleicht kleinere Streits, wenn überhaupt. Nach allem, was wir wissen, waren wir zumindest nicht Schuld", so eine weitere Äußerung.

Endgültige Missachtung des Wählerwillens

Mit seiner Weigerung, an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilzunehmen, macht Trump nun seine Weigerung, das Votum der amerikanischen Wähler anzuerkennen, endgültig. Es ist zudem ein beispielloser Affront gegen seinen Nachfolger Joe Biden, der seinen Anhängern signalisiert, wozu diese allem Anschein nach nur allzu bereit sind: Diesen Präsidenten müsst Ihr nicht respektieren, dies ist nicht Euer Präsident. Wie hatte Trump sein Video, indem er die Attacken auf das Kapitol verurteilte, beendet? "An alle meine wunderbaren Unterstützer: Ich weiß, ihr seid enttäuscht, aber ich will, dass ihr wisst, dass unsere unglaubliche Reise erst begonnen hat."

Quellen: Twitter/Donald Trump, YouGov, Politico, ZDF


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker