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Genervter US-Präsident: Interview abgebrochen: CBS-Moderator bringt Trump auf die Palme

Die Behauptung, Barack Obama habe seinen Nachfolger Donald Trump abhören lassen, steht nach wie vor im Raum. Ein Beweis steht weiter aus. Mit Fragen danach hat ein CBS-Journalist Trump aus der Fassung gebracht.

Donald Trump trifft auf CBS-Moderator John Dickerson im Oval Office

Konfrontation im Oval Office: CBS-Moderator John Dickerson (r.) interviewt US-Präsident Donald Trump im Oval Office.

CBS-Moderator John Dickerson ließ einfach nicht locker. Immer wieder insistierte er, US-Präsident Donald Trump solle sich klar zu seinen nie belegten Vorwürfen äußern, sein Amtsvorgänger Barack Obama habe ihn während des Wahlkampfes abhören lassen - es wäre ein ungeheurer, nie gekannter Amtsmissbrauch. Die beiden Männer standen sich im Oval Office gegenüber. Der verbale Schlagabtausch schaukelte sich hoch, dann brach Trump das Interview unvermittelt ab. "Ich denke", zitiert der britische "Telegraph" eine Äußerung John Dickersons nach dem Interview, "es war sehr klar, dass ich von selber gehen musste oder ich würde gegangen. Ich wäre hinauskomplimentiert worden. Das Gespräch musste zu Ende sein."

Was war genau passiert? Am vergangenen Samstag hatte sich der Moderator des Senders CBS im Weißen Haus mit Trump getroffen, um für die Sendung "Face the Nation" ein längeres Interview aufzuzeichnen und eine Bilanz der 100 Tage Trumps als US-Präsident zu ziehen. Für Dickerson gehörten dazu auch Fragen zu den Abhörvorwürfen gegen Obama. Trump vertrat seinen Standpunkt, dass das Vergehen klar belegt sei und die Öffentlichkeit darüber sprechen müsste. Beweise wurden jedoch nie vorgelegt, Dickerson blieb daher hartnäckig: "Ich frage, weil sie keine Fake News wollen. Ich will es von Präsident Trump hören." Der US-Präsident entgegnete lediglich: "Sie müssen mich nicht fragen." Und auf die Gegenfrage nach dem Warum sagte Trump weiter: "Weil ich meine eigene Meinung habe. Sie können Ihre Meinung haben." Dickerson wiederum: "Aber ich möchte Ihre Meinung wissen. Sie sind der Präsident der Vereinigten Staaten." Zuviel für Trump: "Das reicht. Danke, danke sehr!" Der Präsident setzte sich an seinen Schreibtisch. Das Interview war zu Ende.


Donald Trump greift CBS-Moderator persönlich an

Trotz dieses unerfreulichen Endes hatte der Sender nicht die Befürchtung, dass Interview nicht wie geplant am Montagmorgen (US-Zeit) ausstrahlen zu dürfen. Tatsächlich gab es keinen Einspruch vom Weißen Haus. CBS nutzte die Gelegenheit, auch das abrupte Ende des Gesprächs zu zeigen.

Ebenso wie die Passage, in der Trump CBS und den Moderator direkt angriff. "Wissen Sie", sagte der US-Präsident, "es ist lustig wenn die Fake-Medien berichten, die wir die Mainstream-Medien nennen - das sind manchmal, das muss ich sagen, auch Sie." "Sie meinen mich persönlich?", fragte Dickerson zurück. "Na, Ihre Show", entgegnete Trump, "ich liebe ihre Show. Ich nenne sie 'Entstellung der Nation' ("Deface of the Nation", der korrekte Titel lautet "Face of the Nation", die Nation konfrontieren). Aber, wissen Sie, ihre Show berichtet manchmal nicht wirklich korrekt."

Trump ist dem "Dickersonian" nicht gewachsen

Dickerson ist in den USA für seine Art, Fragen zu stellen, bekannt. Scheinbar harmlos, dann aber hartnäckig und schneidend fragend hat er auch schon Präsident George W. Bush aus dem Konzept gebracht. "Dickersonian" nennen US-Journalisten diese ganz spezielle Art des CBS-Mannes zu fragen. Ein erhellendes Beispiel aus dem Trump-Interview ist, wie Dickerson das heikle Thema Abhörvorwurf einleitete. "Gab Obama Ihnen Tipps, die für Sie hilfreich waren?", fragte Dickerson. "Er war sehr nett zu mir, später hatten wir dann aber ein paar Schwierigkeiten. Sie wissen, was mit der Überwachung war ..." "Was für Schwierigkeiten?", unterbrach Dickerson und hatte den Präsidenten prompt am Haken. Wenig später die Frage: "Sie stehen zu Ihrer Behauptung, Obama hätte Sie abgehört?" Und Trump: "Ich stehe für gar nichts." Nicht gerade ein Statement, das einem Präsidenten gut zu Gesicht steht.

Die Pressestimmen zum Interview sehen den "Face the Nation"-Anchorman prompt als Sieger des Aufeinandertreffens. "Ein taffes Interview", urteilt der für "Slate" und "BuzzFeed" arbeitende Journalist Kevin Townshend, "aber wenn John Dickerson der Definition von Freundlichkeit nicht nahe kommt, dann schafft das keiner von uns."


"Dickerson bleibt beim Thema, höflich und unnachgiebig. Der Präsident klappt in weniger als 90 Sekunden zusammen", gibt sich Bestseller-Autor Barton Gellman beeindruckt.

Für die "New York Times" kratzen die Szenen des eher unprofessionellen Interview-Abbruchs gehörig am ohnehin wackeligen Image von Kompetenz und Disziplin im Weißen Haus. Dickerson bringe Trump dazu, aus seinem Verkaufsmodus in mürrischen Trotz zu wechseln.


Lesen Sie das vollständige Transkript des Interviews auf CBSnews.com (in Englisch).