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Interview in Air Force One Trump erklärt, warum er so viel twittert und 2020 wieder antreten will

US-Präsident Donald Trump vor der Air Force One
US-Präsident Donald Trump vor der Air Force One
© Jane Barlow / PA Wire / DPA
An Bord der Air Force One gibt Donald Trump einem britischen Fernsehreporter ein Interview. Darin äußert er sich über seine Twitter-Gewohnheiten und seine Pläne für die nächste Wahl.

US-Präsident Donald Trump hat klargemacht, dass er eine zweite Amtszeit anstrebt und sich im Wahlkampf gute Chancen ausrechnet. In der amerikanischen Bevölkerung gebe es ein hohes Interesse an seiner Kandidatur im Jahr 2020, begründete er dies in einem Interview. Nach Gesprächsauszügen, die in der Nacht zum Sonntag vom britischen Boulevardblatt "Mail on Sunday" veröffentlicht wurden, antwortete Trump auf die Frage, ob er noch einmal antreten werde: "Das ist meine volle Absicht. Es scheint, als wenn sich das alle wünschen." Auch Twitter finde er toll, sagte der US-Präsident.

Das Interview hatte der britische TV-Reporter Piers Morgan am Freitag geführt. Morgan, der sich selbst als Freund Trumps bezeichnet, traf den Staatschef zum Plausch in dessen Regierungsmaschine Air Force One. 

Trump hat seit seiner Vereidigung im Januar 2017 schon mehrfach deutlich gemacht, dass er es nicht bei einer Amtszeit belassen möchte. Im Februar ernannte er den Digitalstrategen Brad Parscale als Wahlkampf-Chef für das Rennen 2020. 

Warum Donald Trump so gerne twittert

Den Kurznachrichtendienst Twitter mag Trump nach eigener Aussage besonders, weil er schnell und unvermittelt Aussagen transportiere. Und: "Ich kann Falschnachrichten bekämpfen, weil ich so viele Anhänger habe", sagte der US-Präsident dem Reporter. "Wenn sie alles zusammenrechnen, auf Facebook, Instagram und Twitter, sind es so mehr als 150 Millionen Menschen - das ist eine riesige Menge Menschen auf drei verschiedenen Plattformen." Rechnet man die Follower von Trumps persönlichen Accounts auf diesen drei Plattformen zusammen, ergibt sich allerdings nur eine Zahl von gut 87 Millionen: 53,1 Millionen bei Twitter, 24,7 Millionen bei Facebook und 9,3 Millionen bei Instagram.

Auf Morgans Lob, Trump sei der "weltweit geschickteste Vertreter auf Twitter", antwortete der Präsident, manchmal sende er die Nachrichten selbst, manchmal bitte er einen Berater, dies zu tun. Dabei habe er hohe Ansprüche, angefangen "beim Komma", sagte Trump. Wenige Sekunden später sei seine Mitteilung eine Eilmeldung in den Medien. So könne man schnell eine starke Aussage machen.

Donald Trump, Präsident der USA, und seine Ehefrau Melania Trump verlassen das Winfield House

Während einer Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Theresa May am Freitag hatte Trump eine Frage des Senders CNN mit der Begründung abgelehnt: "CNN sind Falschnachrichten." Auch eine Frage des Senders NBC zu seinem bevorstehenden Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ließ Trump nicht zu - mit dem Argument, der Sender sei "möglicherweise schlimmer als CNN".

Trump plaudert über Gespräch mit der Queen

In dem Interview mit Morgan plauderte Trump entgegen der Protokollvorschriften über die Inhalte seines Gesprächs mit der Queen. Elizabeth habe sich bei dem Empfang auf Schloss Windsor am Freitag über die Schwierigkeiten des Brexit geäußert. "Sie sagte - und sie hat recht - dass dies ein sehr komplexes Problem ist, ich denke dass niemand geahnt hat, wie kompliziert das werden würde", sagte Trump. Alle hätten gedacht, dass der für März geplante EU-Austritt Großbritanniens "einfach" werde. 

Eigentlich verbietet es das Protokoll des britischen Königshauses, Inhalte aus Treffen mit der Queen öffentlich zu verkünden. Ironischerweise erwähnte Trump das im Interview selbst - allerdings erst nach seinem Aussagen zum Brexit. "Mir haben viele Menschen sehr eindringlich gesagt, dass man nicht über ein Gespräch mit der Queen spricht", sagte Trump. Daraufhin wechselte Morgan das Thema.

Trump stellt Beliebtheitswerte falsch dar

Bei den Passagen über seine Beliebtheit in den USA hat Trump zumindest übertrieben. Seine Beliebtheitswerte sind keineswegs so gut, wie es seine Interviewaussagen suggerieren. In jüngsten Umfragen erklärte die Mehrheit der Befragten, nicht mit Trumps Arbeit zufrieden zu sein. Dass sich "alle wünschen" würden, er trete wieder an, grenzt auch nach Morgans Empfinden "stark an Fake News", wie der Journalist in seinem nicht eben nüchtern gehaltenen Erfahrungsbericht von Bord der Präsidentenmaschine kommentiert. 

Die Frage, ob er einen Politiker aus den Reihen der US-Demokraten kenne, der es 2020 mit ihm aufnehmen und an seiner statt ins Weiße Haus einziehen könnte, verneinte Trump nach den Auszügen. "Da sehe ich niemanden. Ich kenne sie alle, und ich sehe niemanden", erklärte er demnach. 

Morgan scheint dieser Ansicht durchaus etwas abgewinnen zu können. Nach eigener Aussage empfindet er tiefe Sympathie für Trump, "auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was er sagt und tut". 

Interview in Air Force One: Trump erklärt, warum er so viel twittert und 2020 wieder antreten will
fin mit Agentur DPA AFP

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