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Donald Trump wird neuer US-Präsident Amerika wechselt auf die dunkle Seite der Macht

Trump bei Rede
Donald Trump verspricht einen Wechsel, den das Land noch nie erlebt hat
© Timothy A. Clary
Das Unvorstellbare ist wahr geworden. Donald Trump ist US-Präsident. Die Amerikaner haben das System Washington abgestraft und den Wechsel gewählt, den sie schon vor acht Jahren wollten. Er könnte ihnen nicht gefallen.

Es ist schwer zu sagen, was an diesem 8. November am entsetzlichsten ist: Dass die Amerikaner einer ehemaligen First Lady, Senatorin und Außenministerin weniger trauen als einem TV-Reality-Star. Dass ein Politik-Schlachtross wie Hillary Clinton nicht in der Lage war, obwohl bestens organisiert und finanziert, sichere demokratische Hochburgen zu gewinnen. Dass die Amerikaner einem notorischen Lügner und Aufwiegler seine haltlosen, hanebüchenen und unrealistischen Versprechen abkaufen. Oder dass das ohnehin schon gigantische wie reizbare Ego des siegreichen Präsidentschaftskandidaten nun noch mehr aufgeblasen wird. Donald Trump wird bald den Abschusscode für Atomwaffen erhalten.

Mit acht Jahren Verspätung haben die Amerikaner also tatsächlich den Wechsel gewählt. "Change we can believe in" war 2008 einer der Slogans, mit denen Barack Obama die Massen und Herzen eroberte. Er änderte vieles, aber offenbar nicht genug. Jetzt, im Albtraumjahr 2016, bekommen sie ihren Wechsel. Radikaler als vielen vielleicht lieb sein wird. Mit Donald Trump führt ein Mann die westliche Welt an, der noch nie auch nur irgendein Amt ausgeübt hat. Der Politik höchstens aus Party-Smalltalk kennt. Und der bislang jeden Beweis schuldig geblieben ist, dass er auch nur annährend das Zeug dazu hat, den härtesten Job der Welt auszuüben. Donald Trump wird bei Amtsantritt der älteste US-Präsident aller Zeiten sein.

Trumps Anti-Etasblishment-Haltung brachte den Sieg

Donald Trump war der größtmögliche Widerspruch zu Hillary Clinton. Sie, die Angepasste, die Undurchschaubare, die wie kaum jemand für den Washingtoner Politikbetrieb stand. Er dagegen, der (finanziell) Unabhängige, der Aufmischer, der mit so ziemlich jeder (politischen) Konvention gebrochen hat. Und mit genau dieser Anti-(Establishment)-Haltung einen radikalen Wechsel ankündigte, den das Land noch nie gesehen hat. Noch nie dagewesen ist auch der Umstand, dass mit Trump am 16. Dezember ein gewählter US-Präsident wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen vor Gericht erscheinen muss.

Stellt sich die Frage: Wie radikal anders wird die Politik eines Donald Trump sein? Wird er schlimmste Befürchtungen bestätigen oder bringt ihn Washington doch noch auf Linie? Politik ist ein Tauschgeschäft, die Suche nach dem Ausgleich, das Ringen um den Kompromiss, ein ständiges Geschachere. Das macht die Angelegenheit so faszinierend wie glitschig zugleich. Klingt das nach Donald Trump? Er protzt fortwährend damit, der beste Deal-Maker zu sein, so gesehen bringt der Milliardär beste Voraussetzungen für das Amt mit. Zumal er als weitgehend ideologiebefreiter Macher für vernünftige Argumente zugänglich sein dürfte. Schon in der Vergangenheit hat Trump bewiesen, dass er mit allen Seiten des politischen Spektrums gut auskommen kann. Er ist eben auch Geschäftsmann. Sein Opportunismus hat ihn sehr reich gemacht.

Die Amerikaner wollten es so

Wahr ist allerdings auch: Die meisten US-Präsidenten der jüngeren Geschichte haben im Schnitt 70 Prozent ihrer Wahlversprechen umgesetzt.

Donald Trumps Wahlversprechen sehen so aus: Mauer an der Grenze zu Mexiko. Steuern drastisch runter. Militärausgaben erhöhen. Sofortige Abschiebung illegaler Einwanderer. Kündigung diverser internationaler Freihandelsabkommen. Streichung der Klimaziele. Rücknahme von Obamas Krankenversicherung. Weitgehendes Verbot von Abtreibung. Ausweitung von Folter. Teilaufkündigung der Nato-Partnerschaft. Selbst wenn der 45. Präsident nur die Hälfte seiner Versprechen wahrmachen sollte, wird er die USA auf die dunkle Seite der Macht führen. Die Amerikaner wollten das so, jetzt haben sie den Wechsel. Das ist vielleicht das Entsetzlichste an diesem historischen Tag.


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