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Grenze zu Mexiko: Trump twittert, sein Mauerbau habe begonnen. Hat er aber nicht.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen wollte Donald Trump an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen lassen. Dass Projekt sei gestartet, twitterte der US-Präsident jetzt, scheinbar belegt mit einigen Fotos - aber eben nur scheinbar.

An der US-Grenze zwischen Calexico (USA) und Mexicali (Mexiko) wird der alte Grenzzaun (l.) durch einen neuen ersetzt

"Dies ist nicht Trumps Mauer": An der US-Grenze zwischen Calexico (USA) und Mexicali (Mexiko) wird der alte Grenzzaun (l.) durch einen neuen ersetzt

DPA

Fake News ist eines der Lieblingsthemen von Donald Trump. Meistens beschimpft er mit dem Ausdruck die Medien, aber immer wieder übt er sich auch selbst im Verbreiten von Falschnachrichten. So wie jetzt wieder. Auf Twitter schrieb der US-Präsident am Mittwoch: "Großartiges Briefing an diesem Nachmittag über den Start unserer MAUER an der Südgrenze!" Dazu postete er Fotos von Arbeiten an einem mehrere Meter hohen Stahlzaun.

Das Problem: Die Bilder zeigen gar nicht den von Donald Trump schon im Wahlkampf 2016 vollmundig angekündigten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Zu sehen ist lediglich, wie in der Kleinstadt Calexiko Teile des alten Grenzzaunes durch neue ersetzt werden. Die Planungen dafür begannen bereits im Jahr 2009, wie die "Los Angeles Times" berichtet - also lange vor Trumps Mauer-Phantasien.

"Zuallererst: Dies ist nicht Trumps Mauer", zitiert die Zeitung den für die Region zuständigen Sprecher der Grenzschutzbehörde. "Dies ist nicht die Infrastruktur, die Trump einführen will." Der neue Zaun habe "absolut nichts" mit den Prototypen von Trumps Mauer zu tun, die von der Regierung nahe San Diego aufgestellt wurden.

Alte Grenzanlage wurde mehrfach durchbrochen

Der "Los Angeles Times" zufolge dienen die Arbeiten in Calexiko dazu, die jahrzehntealte Grenzanlage auf gut 3,5 Kilometern Länge durch einen neuen, etwa neun Meter hohen Zaun zu ersetzen. Schmuggler hätten die veraltete Version der Mauer in den vergangenen Jahren Hunderte Male beschädigt und durchbrochen, und damit teure Reparaturen nötig gemacht. Die Gegend sei wegen des Ausmaßes an illegalen Grenzaktivitäten als Hochrisikogebiet eingestuft worden. Mehrere Beamte seien dort im vergangenen Jahr angegriffen worden, auch deshalb werde die Infrastruktur erneuert, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Grenzschutzbehörde.

Trotz dieser klaren Aussage fragte die "Los Angeles Times" eigenen Angaben zufolge beim Heimatschutzministerium nach, ob das Ersetzen der Mauerteile und Trumps Mauerbau dasselbe seien. Eine Sprecherin habe darauf per E-Mail mit nur einem Wort geantwortet: "Ja."

Das erstaunt nicht nur, weil es den Aussagen der Grenzschutzbehörde vor Ort widerspricht, sondern auch, weil der US-Kongress vergangene Woche im Haushaltsgesetz lediglich 1,6 Milliarden Dollar für den Grenzschutz bewilligte. Und zwar für Erhaltung und Reparaturen sowie für Drohnen, Zäune und "Planungen". Die 25 Milliarden Dollar, die der Präsident für den Mauerbau gefordert hatte, genehmigten die Abgeordneten nicht.

Die 22-jährige Schauspielerin Caroline Sunshine ist seit Ende März Presseassistentin in Donald Trumps Team.