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US-Wahl 2020 Donald Trump und die Steuererklärung: Kurze Geschichte eines endlosen Herumgewurschtels

Wie viel Steuern zahlt Donald Trump? Zahlt er überhaupt welche? Diese Frage beschäftigt die USA seit Jahren. Nun hat die "New York Times" einige Antworten gefunden. Sie kratzen erneut am Image des US-Präsidenten. Ein Rückblick.

Seit vielen Jahren weigert sich Donald Trump, seine Steuererklärung zu veröffentlichen – doch immer wieder gelangen ein paar Finanzdetails ans Tageslicht. Demnach war der US-Präsident zwar nie ein besonders guter Geschäftsmann, dafür aber ein guter Steuervermeider. Genau genommen begann damit seine ganze Immobilienkarriere. So 1979/80, bei seinem ersten Projekt, dem Umbau des damaligen "Commodore Hotel" zum "Grand Hyatt New York". Mit der Stadt schloss er den lukrativen Deal, 40 Jahre lang von Abgaben befreit zu werden. Gegenwert: rund 400 Millionen Dollar.

2016, viele Jahre und zahlreiche Konkurse später, stand Trump, mittlerweile vom Immobilien-Milliardär zum TV-Star geworden, Hillary Clinton in der ersten Präsidentschaftsdebatte gegenüber. Die Demokratin warf dem Republikaner vor, überhaupt keine Steuern zu zahlen, was der mit Bemerkung konterte: "Das macht mich smart." Im Verlauf des Wahlkampfs bestritt Trump dann, diese Bemerkung je gemacht zu haben. Steuervermeidung in seiner Position erweckt doch einen falschen Eindruck. Doch nun, weitere vier Jahre später, deutet sich an: Trump hat tatsächlich kaum Abgaben gezahlt – offen ist jedoch, ob das an seiner Cleverness lag.

Donald Trump zahlte 750 Dollar Einkommensteuer

Der "New York Times" liegen Teile von Trumps Finanzunterlagen vor. Aus ihnen geht hervor, dass der US-Präsident in den Jahren 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar Einkommenssteuer auf Bundesebene bezahlt hat. Zudem hätten zahlreiche Hotels sowie Golf-Resorts hohe Verluste geschrieben. Der "New York Times" zufolge prüft das zuständige Finanzamt eine Steuergutschrift in Höhe von 72,9 Millionen Dollar, die er nach Angabe von Verlusten erhalten habe. Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass er persönlich für Schulden von 421 Millionen Dollar hafte, davon würden mehr als 300 Millionen Dollar in den kommenden vier Jahren fällig.

Donald Trump weist die Berichte als "Fake News" zurück, nennt aber selbst keine Details. Seit Beginn des ersten Präsidentschaftswahlkampfs weigert sich Trump Unterlagen über seine Finanzen zu veröffentlichen – anders als alle Kandidaten der letzten Jahrzehnte. Seine Ablehnung begründet er damit, dass die Steuererklärungen noch geprüft würden. Es gibt allerdings keine Verordnung, die ihn davon abhält, dennoch öffentliche Angaben zu machen. Schon 2015 vermutete Ted Cruz, Trumps damaliger innerparteilicher Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur, dass der New Yorker TV-Star etwas zu verbergen haben.

Gibt es Interessenskonflikte mit dem Ausland?

Dieser Vorwurf klebt seitdem an Trump wie Kaugummi am Schuh – doch der hat die Mutmaßungen bislang ausgesessen, stets mit dem Verweis, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen, sobald die Prüfung abgeschlossen sei. Kurzzeitig hatte er auch die Ausrede parat, dass die Daten außer ein paar Reportern ohnehin niemanden interessieren würden. Tatsächlich aber wollen Umfragen zufolge bis zu 70 Prozent der Amerikaner wissen, was ihr Präsident an den Fiskus überweist. Zumal der Verdacht im Raum stand (und immer noch steht), dass Trump Gelder aus dem Ausland erhält – was mögliche Interessenskonflikte nach sich ziehen könnte.

Laut der "New York Times" versteuert der US-Präsident tatsächlich Gelder in anderen Ländern. Etwa 156.824 Dollar auf den Philippinen und 145.400 Dollar in Indien. 73 Millionen Dollar stammen aus dem Ausland, darunter auch Einnahmen von Golfplätzen in Schottland und Irland. In seiner Heimat jedoch soll Trump vor 2016 in zehn von 15 Jahren wegen hoher Verluste gar keine Einkommenssteuern bezahlt haben. Trump sagte dazu: "Ich habe eine Menge bezahlt, ich habe auch eine Menge an Steuern an den Bundesstaat bezahlt, der Bundesstaat New York verlangt viel." In den USA gehen die meisten Steuern an die jeweilige Gemeinde und den Bundesstaat. Diese Abgaben können mit denen für den Bund verrechnet werden.

Eine Milliarde Dollar Steuern gespart

Die "New York Times" hatte bereits kurz vor der Wahl 2016 Details Trumps über Steuerzahlungen veröffentlicht. Oder besser gesagt Nichtzahlungen. Dem Blatt zufolge soll der damalige Kandidat 18 Jahre lang keine Einkommensteuer gezahlt haben – darunter auch nicht auf die Millionengehälter für seine TV-Sendung "The Apprentice", die ihm insgesamt mehr als 400 Millionen Dollar in die Kassen gespült haben soll. 1995 habe er in seiner Steuererklärung Verluste von 916 Millionen Dollar geltend gemacht. In der Folge habe er fast eine Milliarde Dollar Steuern einsparen können.

In den Jahren zuvor hatte Trump sich auf Pump ein Imperium zusammengekauft, das von Kasinos über eine Airline bis hin zu eigenen Feinkostartikeln reichte – und allesamt Pleite gingen. "Ich bin der König der Schulden. Niemand kennt Schulden besser als ich. Ich habe mit Schulden ein Vermögen gemacht. Schulden sind gut, nichts Dummes", sagte er im letzten Wahlkampf einmal. Es war die Deutsche Bank, die dem "Schuldenkönig" trotz vieler Konkurse auch dann noch großzügig Kredite einräumte, als die meisten US-Institute ihm keine Gelder mehr gewährten.

Trump hat wohl um die 2,5 Milliarden

Ehemalige Vertraute von Donald Trump, wie zum Beispiel sein früherer Rechtsanwalt Michael Cohen berichten, dass die Angaben über das Vermögen je nach Ziel ständig variierten. Brauchte der Unternehmer frische Kredite, plustere er seine Einkünfte auf, ging es an die Steuer, rechnete er sein Eigentum herunter. Teilweise gab er sein Vermögen mit bis zu zehn Milliarden Dollar an. Tatsächlich liegt es wohl deutlich darunter. Das US-Magazin "Forbes", das regelmäßig ein Reichenranking aufstellt, schätzt es auf 2,5 Milliarden Dollar.

Die Veröffentlichung der Finanzdetails kratzt erneut am Image des US-Präsidenten. Der verkauft sich gerne als erfolgreicher und geschickter Selfmademan. Tatsächlich aber hatte er von seinem Vater viele Hunderte Millionen geerbt, nebst einer Reihe von Apartmentblocks. Auch mit seinem angeblichen Geschäftssinn scheint es nicht weit her zu sein. Die von der "New York Times" jetzt genannten Zahlen führen Verluste auf, die nicht nur mit Steuerminimierung, sondern auch durch schlechtes Wirtschaften zu erklären sein könnten. In der Vergangenheit war sein Unternehmen auch mit Tricksereien aufgefallen: So wurden politisch motivierte Spenden über seine karitative Stiftung abgewickelt, was illegal ist.

Quellen: "New York Times", DPA, AFP, "The Guardian", "Forbes", CNBC.com, "Telepolis", "Politico", "NZZ", Deutsche Welle, "Die Welt"


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