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Nominierungsrede "Sozialismus", "Anarchie", "Zerstörung": Trump holt zum Rundumschlag gegen Biden aus – und bricht ein Tabu

Donald Trump während seiner Nominierungsrede vor dem Weißen Haus
Donald Trump während seiner Nominierungsrede vor dem Weißen Haus
© Brendan Smialowski / AFP
Donald Trump hat die Nominierung zum US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner offiziell angenommen. Seine Rede nutze der Amtsinhaber für einen Rundumschlag gegen Herausforderer Joe Biden – und brach dabei ein Tabu.

US-Präsident Donald Trump hat in seiner Nominierungsrede vor einer Zerstörung des Landes durch eine "sozialistische Agenda" gewarnt und seinen Herausforderer Joe Biden scharf attackiert. "Joe Biden ist nicht der Retter von Amerikas Seele – er ist der Zerstörer von Amerikas Jobs", sagte Trump am Donnerstagabend in seiner Ansprache am Weißen Haus. "Und wenn er die Chance bekommt, wird er der Zerstörer der amerikanischen Großartigkeit sein."

"Wichtigste Wahl der Geschichte"

"Das ist die wichtigste Wahl in der Geschichte unseres Landes", sagte der republikanische Amtsinhaber weniger als 70 Tage vor der Präsidentschaftswahl am 3. November. Nie zuvor hätten die Bürger eine eindeutigere Wahl zwischen "zwei Parteien, zwei Visionen, zwei Philosophien oder zwei Agenden" gehabt: "Die Wahl wird darüber entscheiden, ob wir den amerikanischen Traum retten oder ob wir zulassen, dass eine sozialistische Agenda unsere hochgeschätzte Bestimmung zerstört."

Es gehe darum, ob "Millionen hochbezahlte Jobs" geschaffen oder ob die US-Industrie zerstört und Millionen Jobs ins Ausland geschickt würden, sagte Trump. Die Wähler hätten darüber zu entscheiden, ob "gesetzestreue Amerikaner geschützt" würden, oder ob "gewalttätige Anarchisten, Agitatoren und Kriminelle, die unsere Bürger bedrohen", freie Hand bekämen.

In der Rede nahm Trump seine erneute Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei offiziell an. Er pries die Bilanz seiner ersten Amtszeit – und auch seinen Umgang mit der Corona-Pandemie. Seine Regierung habe die "größte nationale Mobilisierung seit dem Zweiten Weltkrieg lanciert". Noch in diesem Jahr würden die USA einen sicheren Impfstoff verfügbar haben und das Virus "vernichten".

In den USA wurden bereits mehr als 5,86 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt, mehr als 180.000 Menschen starben an den Folgen der Infektion. Das sind die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit. Trump ist für sein Krisenmanagement massiv in die Kritik geraten. In Umfragen für die Wahl am 3. November liegt er auch deswegen derzeit hinter Biden.

Donald Trump bricht mit Tabu

Der Rechtspopulist versucht, mit den Themen Wirtschaft und innere Sicherheit zu punkten. Seit Wochen schon zeichnet Trump das Schreckensszenario eines Landes, das bei einem Wahlsieg Bidens in Chaos und Anarchie versinken würde. Vor Trumps Rede hatte New Yorks früherer Bürgermeister Rudy Giuliani in einer Videoansprache vor einem drastischen Anstieg der Kriminalität gewarnt, sollte Biden die Wahl gewinnen. Deswegen müsse Trump wiedergewählt werden: "Herr Präsident, machen Sie unser Land wieder sicher", sagte Giuliani.

Nominierungsrede: "Sozialismus", "Anarchie", "Zerstörung": Trump holt zum Rundumschlag gegen Biden aus – und bricht ein Tabu

Trumps Nominierungsrede bildet den Abschluss des viertägigen Parteitags der Republikaner, der wegen der Corona-Pandemie überwiegend virtuell abgehalten wurde. Die Wahl des Weißen Hauses als Ort der Ansprache war ein höchst umstrittener Traditionsbruch: Für gewöhnlich sind Wahlkampfveranstaltungen am Amtssitz des Präsidenten tabu. Trump setzte sich aber über alle Bedenken auch aus den eigenen Reihen hinweg.

Zu der Rede kamen rund 1500 Gäste auf dem Rasen auf der Südseite des Amtssitzes des Präsidenten zusammen. Trotz der Corona-Krise standen die Stühle dicht beieinander, nur wenige Gäste trugen Schutzmasken.

Fabian Erik Schlüter / AFP / wue

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