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Kritik an Fälschungsvorwürfen: Donald Trump zieht mithilfe eines 16-Jährigen gegen CNN zu Felde

Donald Trump und seine Twitter-Kleinkriege sind berüchtigt. Nun legte sich der künftige US-Präsident mit dem Nachrichtensender CNN an - und bediente sich dabei des Tweets eines jugendlichen Fans.

Donald Trump Computer

Donald Trump am Computer

Donald Trump kann es nicht lassen und hat erneut zum abendlichen Keulenschlag via Twitter ausgeholt. Allerdings nicht selbst, sondern mithilfe anderer Nutzer des Kurznachrichtendiensts. Der Anlass: Weil Trump keine Beweise für seinen Vorwurf, die US-Wahlen seien massenhaft manipuliert worden, vorgelegt hatte, hagelte es Kritik. Wie viele andere Medien hatte auch der US-Nachrichtensender CNN darüber berichtet und dabei eindeutig Position bezogen. Trump sei ein "beleidigter Gewinner" und verbreite Verschwörungstheorien, sagte etwa der Washington-Korrespondent Jeff Zeleny in einem Beitrag.

Ein 16-Jähriger nimmt Donald Trump in Schutz

Da CNN unter Trump-Fans als "Hillary-Clinton-Sender" gilt, ließ die Kritik an der Kritik nicht lange auf sich warten: Twitter-Nutzer "Filibuster" störte sich an dem Beitrag und schrieb an Zeleny: "Erbärmlich. Du hast keinen hinreichenden Beweis dafür, dass Donald Trump nicht auch vom Wahlbetrug betroffen ist. Schäm Dich!" An sich keine große Sache. Lediglich eine Kritik an der Berichterstattung des Newskanals.

Der Retweet des Anstoßes:


Dann, gegen 18.20 Uhr Ortszeit, entdeckte der künftige US-Präsident den Beitrag von "Filibuster" und retweetete ihn. Auch das an sich keine große Sache, wenn der Nutzer nicht ein junger Schüler wäre, der dem Sender seine Meinung geigt. Innerhalb kürzester Zeit machte das weitergeleitete Posting die ganz große Runde: "Aha. Unser Präsident retweetet den Beitrag eines 16-Jährigen über Wahlbetrug", kommentierte etwa Nicholas Thompson, Journalist beim "New Yorker Magazine". Steven Dennis, ebenfalls Journalist, haute in die gleiche Kerbe: "Ich habe noch die einen gewählten Offiziellen erlebt, der einen 16-Jährigen dazu benutzt, um einen Reporter abzukanzeln."

Die Erwähnung durch den zurzeit wohl berühmtesten Mann der Welt bescherte dem jungen Seth, wie "Filibuster" heißt, maximale Aufmerksamkeit. "7000 Benachrichtigungen", seufzte er ungläubig nur eine Stunde, nachdem ihn Trump retweetet hatte. "Du bist jetzt ein berühmter Kerl", schrieb ein "Aaron Outlaw" an Seth/"Filibuster".

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CNN berichtete natürlich über die Beschimpfung

Donald Trumps Post zog seine Kreise und landete wieder bei CNN, die eine Geschichte darüber machten, wie der künftige Präsident via Twitter den Sender allgemein und den Reporter Jeff Zeleny im Besonderen angeht. Nicht nur mit diesem Tweet sondern gleich mit fünf. In dem Beitrag wurde auch Trumps Retweet eingeblendet, was "Filibuster" erneut auf die Palme brachte: "Das unehrliche CNN zeigt einfach meinen Tweet. Warum ist mein Alter wichtig? Ich dachte, es ist mir erlaubt, meine Bedenken frei zu äußern." Und nicht nur die Erwähnung regte ihn auf. Denn zu sehen war nicht sein Posting, sondern Donald Trumps Retweet. Und der hatte ihn um einen eigenen Kommentar erweitert. "Schlechter Reporter" fügte das künftige Staatsoberhaupt hinzu. Allerdings war die Ergänzung nicht als solche zu erkennen, sodass es wirkte, als habe "Filibuster" sie verfasst.

Der 16-Jährige - ein Donald-Trump-Fan

Dabei war es nicht so, als hätte der 16-Jährige etwas gegen diese Wertung gehabt - denn er ist Donald-Trump-Fan. In einer Antwort auf CNN-Mann Zeleny schrieb er kühl: "Schlechter Reporter, Leute." Weil sich aber die Nachfragen häuften, sah sich Seth gezwungen, eine kurze Richtigstellung zu verfassen, in der er aufklärte, dass der "schlechte Reporter" von Trump stamme und nicht von ihm.

Dieser etwas unübersichtliche Kleinkrieg ist eine weitere Episode aus dem Trump-typischen Umgang mit dem Medium. Und zeigt, wie dünnhäutig der demnächst mächtigste Mann der Welt auf Kritik mitunter reagieren kann. Im September etwa brach er mitten in der Nacht einen Twitterzoff mit der ehemaligen "Miss Universe" Alicia Machado vom Zaun, die er Jahre zuvor als "Miss Piggy" bezeichnet hatte. Es wird sicher interessant zu beobachten sein, wen und wie Trumps Tiraden treffen, wenn er im Weißen Haus sitzt.