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US-Wahl 2016: Trump behauptet, "Millionen" hätten "illegal" abgestimmt

Kurz vor der geplanten Neuauszählung der US-Präsidentschaftswahl in drei Bundesstaaten stellt deren Sieger Donald Trump das Wahlsystem der USA in Frage: "Millionen Illegale" hätten in einigen Landesteilen gewählt.

Donald Trump Hillary Clinton

Donald Trump vs. Hillary Clinton, zweite Runde: Kann die Demokratin im Nachhinein doch noch siegen?

"Verlogene" Medien, "fürchterliche" Kandidatinnen und "manipulierte" Wahlen - im Wahlkampf nahm Donald Trump kein Blatt vor den Mund, um seine Gegner und sogar das gesamte Wahlsystem zu diskreditieren. In einer TV-Debatte ließ er sogar offen, ob er das Wahlergebnis überhaupt akzeptieren werde. Später präzisierte er: Nur, wenn er gewinnen würde. Was er auch tat. Jetzt, drei Wochen später, soll die Abstimmung in drei Bundesstaaten neu ausgezählt werden - und der "President-elect" stellt erneut das Wahlverfahren infrage.

Donald Trump beklagt Millionen "illegaler" Wähler

Der designierte Amtsinhaber griff zu seinem Lieblingsmedium Twitter und echauffierte sich darüber, dass "Millionen Menschen" illegal an der Wahl am 8. November teilgenommen hätten - und sein Sieg noch überzeugender ausgefallen wäre, wenn dies nicht geschehen wäre. Trump reagierte damit auf die erste anstehende Neuauszählung in Wisconsin, wo er seine demokratische Rivalin Hillary Clinton knapp besiegt hatte. In einer anderen Nachricht sprach er von "ernsthaftem Wahlbetrug" in den Bundesstaaten Virginia, New Hampshire und Kalifornien, die seine Gegnerin Hillary Clinton gewonnen hatte.

Trumps Reaktionen auf Twitter:

Den ersten "Recount" in Wisconsin hatte die - bei der Wahl völlig chancenlose - Grünen-Bewerberin Jill Stein beantragt. Sie will auch Neuauszählungen in den Staaten Pennsylvania und Michigan mit ebenfalls knappen Ergebnissen zugunsten von Trump. Das Clinton-Lager hatte am Wochenende mitgeteilt, dass es die Vorstöße der Grünen unterstütze. Zugleich machte es aber klar, dass es keine Änderung des Wahlausgangs durch die Neuauszählungen erwarte. Eigene Überprüfungen in den vergangenen Wochen hätten keine Unregelmäßigkeiten aufgezeigt. Deshalb habe man auch nicht selbst Neuauszählungen beantragt.

Hillary Clinton landesweit deutlich vorn

Landesweit hatte Clinton rund zwei Millionen mehr Stimmen bekommen als Trump. Aber der Republikaner kam auf mehr Stimmen im Wahlgremium, das letztlich den Präsidenten wählt und daher entscheidend ist. Hätte Clinton in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan gewonnen, wäre sie und nicht Trump der Gesamtsieger geworden. Zusammen sind es aber immer noch mehr als 100.000 Stimmen, die Clinton bei Neuauszählungen hinzugewinnen müsste. Die meisten Experten glauben, dass ein nachträglicher Sieg sehr unwahrscheinlich sei.

Hintergrund für die Neuauszählungen sind Hinweise von Computer-Experten, nach denen die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürfen. Die favorisierte Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, deutlich schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war. Ein IT-Fachmann hatte deswegen die Vermutung geäußert, dass die Maschinen gehackt worden sein könnten.

"Ich hätte auch landesweit gewonnen"

Donald Trump schoss sich im Laufe des Sonntags dann in einer ganzen Serie von Tweets zunehmend auf das Clinton-Lager ein. Er habe nicht nur das Electoral College - das Wahlmännergremium - in einem Erdrutschsieg gewonnen, sagte Trump. Wäre zur Präsidentenwahl die Mehrheit aller Amerikaner nötig, hätte er in zwei, drei großen Staaten Wahlkampf gemacht, wie etwa im traditionell demokratischen Kalifornien und New York, und hätte noch deutlicher gewonnen, so Trump jüngst.

nik/DPA/AFP