HOME
Meinung

Khashoggi-Affäre: Trumps Erklärung zu Saudi-Arabien ist selbst für seine Verhältnisse aberwitzig

Der US-Präsident steht zu Saudi-Arabien – komme, was wolle. Das verkündet Donald Trump in einem schriftlichen Statement. Die Mitteilung ist diffus, unverschämt und vor allem entlarvend.

Den saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman (l.) und US-Präsidenten Donald Trump eint die Vorliebe für Geld

Den saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman (l.) und US-Präsidenten Donald Trump eint die Vorliebe für Geld

DPA

Donald Trump hat schriftlich erklärt, warum er weiter zu Saudi-Arabien halten werde, obwohl die Regierung des Landes mutmaßlich einen Regimekritiker in einer Botschaft hat hinrichten lassen. Das klingt an sich schon wie eine sehr schwierige Aufgabe, der US-Präsident aber schafft es in seiner gewohnten Weise, noch viel krachender daran zu scheitern, als erwartet. Die Mitteilung ist ein einziges politisches Armutszeugnis.

Das geht bereits damit los, dass Trump sein Werk mit "Amerika zuerst!" überschreibt und mit "Die Welt ist ein sehr gefährlicher Ort" einleitet. Vor allem für saudische Regimekritiker, möchte man ihm entgegenhalten. Im Anschluss geht es aber zunächst gar nicht um Saudi-Arabien, sondern um den Iran. Trump holt zur vollen Breitseite gegen den in seinen Augen "weltweit führenden Sponsor des Terrorismus" aus. Die Saudis auf der anderen Seite würden sich ja sofort aus dem Jemen zurückziehen und das Land mit der nötigen humanitären Unterstützung versorgen, wenn nur die Iraner nicht dort wären. Das ist – gelinde gesagt – eine sehr einseitige Sicht auf die Dinge. 

Donald Trump: Hast du Geld, bist du unser Freund

Dann kommt Trump zu seiner eigentlichen Argumentationslinie: Die Saudis würden rund 450 Milliarden Dollar in den USA investieren. "Das ist ein Rekord-Geldbetrag", ergänzt er stolz. Zöge sich sein Land "törichterweise" aus den Deals zurück, so profitierten nur Russland und China. Es ist der erschreckendste Teil seiner Erklärung, weil er die einfache Gleichung aufmacht: Hast du viel Geld und investierst es bei uns, kannst du ansonsten machen, was du willst. Trump bemüht sich nicht einmal darum, diesen Zusammenhang zu verschleiern, er nutzt ihn offen als Argument.

Im weiteren Verlauf wird er sogar noch deutlicher. Trump führt zunächst aus, dass "es sehr gut sein könne", dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman von der Ermordung Jamal Khashoggis gewusst habe, ergänzt um den Trumpschen Satz "Vielleicht war es so, vielleicht auch nicht". Womöglich werde man das nie wissen, so der US-Präsident, der eine Tendenz dazu hat, seinen eigenen Geheimdiensten nicht zu glauben. Was allerdings ohnehin nicht von Bedeutung ist. Denn Trump sagt klar: "So oder so" werde man zu Saudi-Arabien stehen. Das muss man erst einmal auf sich wirken lassen. Der Mann, dessen Position früher gerne als "Anführer der freien Welt" umschrieben wurde, sagt: Auch wenn der Regierungschef Kritiker ermorden lässt und wir wissen, dass er das tut, der Mann hat Geld und ist unser Freund.

Eigentlich können wir Trump fast dankbar sein

Trump lässt sich sogar dazu hinreißen, in seiner Erklärung anzuführen, die Saudis hätten Khashoggi ja als "Staatsfeind" und "Mitglied der Muslim-Bruderschaft" bezeichnet, aber das habe natürlich nichts mit seiner Entscheidung zu tun. Warum in drei Teufels Namen schreibt man es dann in die Erklärung? Es ist der schamlose Versuch, das Opfer dieses Verbrechens nachträglich zu diskreditieren - und dieser Versuch wird unternommen vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. 

Gegen Ende kommt Trump dann wieder zu seinem Lieblingsthema: Deals. Die Saudis würden auf seine Bitten hin die Ölpreise immer so schön niedrig halten. "So wichtig für die Welt", schreibt er. Eigentlich muss man ihm ja fast dankbar sein. Denn viel wichtiger ist ja, was ihm eben nicht wichtig ist. Und am Ende von Trumps kruder Erklärung steht die traurige Erkenntnis: Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der man nicht einmal mehr so tun muss, als wären Menschenleben mehr wert als Geld.

Quelle: Weißes Haus

Sehen Sie im Video: "Geld vor Moral: Trump will weiter Öl- und Waffendeals mit Saudi-Arabien"