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Ehemaliger US-Präsident: Gerald Ford ist tot

Der frühere US-Präsident Gerald Ford ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren. Der republikanische Politiker war im August am Herzen operiert worden. Er war der Nachfolger von Richard Nixon, der wegen des Watergate-Skandals zurückgetreten war. Fords Präsidentschaft dauerte nur zweieinhalb Jahre.

Der frühere US-Präsident Gerald Ford ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Dies erklärte seine Frau Betty am späten Dienstagabend im kalifornischen Rancho Mirage. Ford war der 38. Präsident der Vereinigten Staaten und der einzige, der nicht durch eine Wahl ins Amt kam. Das Volk hat ihn nie zu seinem Präsidenten gewählt. In der Folge des Watergate-Skandals wurde Gerald Ford 1974 in das Amt des US-Staatsoberhaupts gespült und löste den zurückgetretenen Richard Nixon ab. In seiner zweieinhalbjährigen, auch vom Vietnam-Trauma der USA geprägten schwierigen Amtszeit konnte Ford nur wenige Akzente setzen. Die Wahl 1976 verlor der Mann aus Nebraska gegen den demokratischen Kandidaten Jimmy Carter.

Ford wurde am 9. August 1974 als 38. US-Präsident vereidigt. Sein Amt trat er mit den Worten "Unser langer nationaler Albtraum ist vorüber" an. Schon einen Monat später amnestierte er seinen Vorgänger Nixon für alle dessen Straftaten, was sich im Nachhinein als folgenschwerer Fehler herausstellen sollte. Denn nach Auffassung politischer Beobachter war dies ein entscheidender Grund dafür, dass Ford die Wahl 1976 gegen den Erdnussfarmer Carter verlor.

Eingeschränkte Handlungsfähigkeit

Ford konnte als Präsident die US-Wähler nur wenig überzeugen. Seine Amtszeit fiel in die schwierige Zeit nach Watergate und dem Vietnam-Krieg. Sie war geprägt von einer schwächelnden US-Wirtschaft, selbst wenn diese auch angesichts internationaler Faktoren wie der Ölkrise ins Trudeln kam; die Inflation stieg bis auf sieben Prozent. Hinzu kam, dass die Demokraten infolge der Watergate-Affäre bei den Kongresswahlen 1974 die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus gewannen. Dies schränkte die Handlungsfähigkeit des Präsidenten merklich ein.

Auch international setzte Ford kaum Aspekte. In seiner letzten Rede zur Lage der Nation im Januar 1977, betonte der damals schon abgewählte Ford, es sei ihm gelungen, die in Folge des Vietnam-Krieges gespaltene Nation wieder geeint und das Vertrauen in das Amt des Präsidenten nach Nixon wieder gestärkt zu haben. Experten sahen dies ähnlich und schätzten Fords Präsidentschaft höher ein als von der Bevölkerung allgemein empfunden.

Geboren wurde Ford am 14. Juli 1913 in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Er wuchs in Michigan auf und wurde schon als junger Mann national als guter Football-Spieler bekannt. 1948 gewann der studierte Jurist im ersten Anlauf einen Sitz im US-Repräsentantenhaus, den er 24 Jahre lang halten sollte. Schnell erwarb er sich den Ruf eines Mannes größter Integrität. 1973 wurde Ford von Nixon für das Amt des Vizepräsidenten nominiert.

Umtriebiger Pensionär

Mit seiner Frau Betty war Ford seit 1948 verheiratet. Längere Zeit litt sie an Alkoholismus und gründete schließlich die nach ihr benannte Klinik, in der sich bereits zahlreiche Prominente therapieren ließen. Ford selbst tummelte sich nach seiner Präsidentschaft auf mehreren Schauplätzen: So trat er mehrmals im Fernsehen auf; unter anderem spielte er sich selbst in der TV-Serie "Denver-Clan". Der Vater von drei Söhnen und einer Tochter war Mitglied des Vorstands des Filmstudios 20th Century Fox sowie der Luftfrachtgesellschaft Tiger International, Mitbesitzer von Rundfunkstationen, Teilhaber eines Einkaufszentrums und einer Grundstücksgesellschaft.

Nach dem Tod Fords sind derzeit nur noch drei frühere US-Präsidenten am Leben: Jimmy Carter, George Bush sen. und Bill Clinton.

AP/Reuters / AP / Reuters