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Präsidentschaftswahlkampf in den USA Nixon schwitzte, Reagan scherzte und Bush patzte: Denkwürdige Momente vergangener TV-Duelle

Ronald Reagan, George W. Bush, Richard Nixon (v.l.n.r.)
US-Präsidenten und ihre TV-Duelle: Ronald Reagan, George W. Bush, Richard Nixon (v.l.n.r.). Am Dienstagabend sind Donald Trump und Joe Biden an der Reihe.
© Lennox Mclendon / Ron Sachs / Picture Alliance / DPA
Mit Spannung wird das erste TV-Duell von US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden am Dienstagabend erwartet. Bei diesen Auftritten kann einiges schiefgehen, wie die Vergangenheit zeigt.
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US-Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden treten am Dienstagabend (Ortszeit), fünf Wochen vor der Wahl am 3. November, in einem ersten Fernsehduell gegeneinander an. In den vergangenen Jahrzehnten sorgten die TV-Debatten der Präsidentschaftskandidaten immer wieder für denkwürdige Momente, auch wenn der tatsächliche Einfluss auf den Wahlausgang meist begrenzt ist.

1960: Nixon gegen Kennedy

Es ist das erste TV-Duell zweier Politiker in der US-Geschichte: Nach einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Knieverletzung, von einer Grippe geschwächt und mit Bartschatten im Gesicht, tritt der republikanische Vizepräsident Richard Nixon gegen John F. Kennedy an. Nixon schwitzt im heißen Scheinwerferlicht und wirkt in der Schwarz-Weiß-Übertragung düster und ausgezehrt – ein scharfer Kontrast zu dem jungen, gut aussehenden und dynamischen Senator. Der Vizepräsident kann den schlechten Eindruck später nicht mehr korrigieren und verliert die Wahl knapp.

1976: Ford gegen Carter

Während der TV-Übertragung fällt der Ton aus. Die Kandidaten warten rund eine halbe Stunde vor laufender Kamera darauf, dass es weitergeht. Dann verblüfft Präsident Gerald Ford die Nation mit seiner Bemerkung, dass es "keine sowjetische Dominanz über Osteuropa" gebe – eine fragwürdige Aussage zur Zeit des Kalten Kriegs. Für seine Wahlniederlage gegen den Demokraten Jimmy Carter machen Experten allerdings eher die Nachwehen der Watergate-Affäre verantwortlich.

1980: Carter gegen Reagan

Der Herausforderer und frühere Hollywoodschauspieler Ronald Reagan gewinnt in einem bis dahin knappen Rennen gegen Jimmy Carter die Oberhand, indem er zum Schluss des Duells die pointierte rhetorische Frage an die Wähler stellt: "Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren?" Damit trifft er angesichts einer schweren Wirtschaftskrise ins Schwarze. Carter verliert.

1984: Reagan gegen Mondale

Mit 73 Jahren nimmt Präsident Ronald Reagan den Anspielungen auf sein hohes Alter die Spitze, indem er in der Debatte mit Walter Mondale ironisch bemerkt: "Ich werde Altersfragen in dieser Kampagne nicht thematisieren. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Opponenten nicht politisch ausschlachten."

1988: Dukakis gegen Bush sen.

Der Demokrat Michael Dukakis wird in seiner Debatte mit George Bush senior vom Moderator mit der Frage konfrontiert, ob er den Tod des Täters wünschen würde, sollte seine Frau vergewaltigt und ermordet werden. Dukakis gibt daraufhin ein trockenes Statement gegen die Todesstrafe ab, das wie abgelesen wirkt – und bestätigt damit sein Image als "Mann aus Eis". Er verliert die Wahl.

1992: Bush sen. gegen Clinton und Perot

Präsident George Bush Senior lässt während der Fernsehdebatte mit dem Demokraten Bill Clinton und dem Parteilosen Ross Perot die Wähler seine Ungeduld spüren, indem er auf seine Armbanduhr schaut. Eine Frage aus dem Publikum kann er dann nur schlecht beantworten. Dies verstärkt den Eindruck, Bush sei ein arroganter Reicher, der sich wenig um die Probleme der kleinen Leute schert. Clinton gewinnt die Wahl vor allem mit dem Versprechen, die US-Wirtschaft wieder fit zu machen.

2000: Gore gegen Bush jun.

Mit Kopfschütteln und wiederholtem Seufzen wirkt Vizepräsident Al Gore im ersten TV-Duell mit dem Republikaner George W. Bush herablassend. Bei den folgenden Debatten versucht Gore, mehr zu lächeln – doch den Ruf eines arroganten Intellektuellen wird er nicht mehr los. Er verliert die Wahl in einem äußerst knappen Rennen.

2004: Bush jun. gegen Kerry

Diesmal hat George W. Bush sein Mienenspiel nicht im Griff und wirkt im Vergleich zu seinem Gegner John Kerry gestresst und reizbar. Bush gerät ins Stocken, blickt finster und verwechselt Osama bin Laden und Saddam Hussein. Die Wahl gewinnt er trotzdem.

2008: McCain gegen Obama

Der Republikaner John McCain macht einen wenig sympathischen Eindruck, als er mit dem Finger auf Barack Obama zeigt und ihn als "That one" ("Dieser da") tituliert, statt ihn beim Namen zu nennen. Obamas Demokraten drehen den Spieß um und verwandeln die abschätzige Aussage nach der Debatte in einen Wahlkampfslogan. Im Internet verkaufen sie T-Shirts und Aufkleber mit dem Schriftzug "That one".

2012: Romney gegen Obama

Durch Syrien habe der Iran Anschluss ans Meer. Mit dieser These stellt Herausforderer Mitt Romney seine geografischen Kenntnisse nicht gerade unter Beweis. Auch wenn er zumindest militärstrategisch Recht hat. Bei der Debatte gegen Amtsinhaber Barack Obama hat der Republikaner wohl vergessen, dass der Iran zwar an zwei Meere grenzt, nicht aber an Syrien. Obama wird wiedergewählt.

2016: Trump gegen Clinton

Donald Trump und die Demokratin Hillary Clinton liefern sich in ihren drei TV-Duellen harte Wortgefechte. Noch heute hallt Trumps Satz nach, unter ihm als Präsident säße seine Rivalin wegen einer E-Mail-Affäre "im Gefängnis". Und der Republikaner erklärt ungeniert, die Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen Clintons Mann Bill seien viel schlimmer als seine frühere Äußerung, er könne Frauen ungefragt in den Schritt greifen. Clinton beklagt: "Ich habe das Gefühl, dass ich am Ende des heutigen Abends für alles verantwortlich gemacht werde, was jemals passierte." Trump entgegnet: "Warum nicht?" und gewinnt am Ende die Wahl.

mad AFP DPA

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