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Russland-Affäre: Paul Manafort - der Mann, der Trump gefährlich werden könnte

Paul Manafort hat für Diktatoren gearbeitet, für den früheren ukrainischen Präsidenten und als Wahlkampfchef für Donald Trump. Nun wurde er als erster Verdächtiger in der Russland-Affäre angeklagt. Wer ist der umtriebige Politikberater?

Paul Manafort kann man getrost einen Diktatoren-Versteher nennen. Auf der Kundenliste des amerikanischen Politikberaters standen veritable Autokraten wie Ferdinand Marcos (Philippinen), Ibrahim Babangida (Nigeria), Siad Barre (Somalia). Viktor Janukowitsch, bis zu den Maidan-Protesten 2014 Präsident der Ukraine, verhalf er vier Jahre zuvor ins Amt. Zyniker schmunzelten also nicht schlecht, als Donald Trump eben diesen Paul Manafort im März 2016 zu seinem Wahlkampfleiter machte. Kein halbes Jahr später war er wieder weg. Wegen des Ukraine-Jobs. Und wegen dieses Ukraine-Jobs könnte Manafort, 68, aus Connecticut für längere Zeit hinter Gitter landen.

Vorwurf: Verschwörung, Geldwäsche, Falschaussagen

Der umtriebige Lobbyist ist der erste Verdächtige, gegen den im Zuge der FBI-Ermittlungen in der Russland-Affäre Anklage erhoben wurde. Ihm werden unter anderem Verschwörung gegen die USA und Geldwäsche vorgeworfen. Die Bundespolizei hatte ihn aufgefordert, sich den Behörden zu stellen, was er am Montagmorgen auch tat. Laut des US-Sonderermittlers Robert Mueller umfasst die von einem Geschworenengericht erhobene Anklage insgesamt zwölf Punkte. Dazu gehören auch mutmaßliche Falschaussagen und das Verbergen von ausländischen Bankkonten.

Manaforts Dienste für den früheren ukrainischen Präsidenten bringen ihn nun mehrfach in Schwierigkeiten. Da wären zum einen die Millionenbeträge, die er von Janukowitsch erhalten haben soll. 12,7 Millionen Dollar sollen ihm nach Angaben der Anti-Korruptionsbehörde in Kiew zwischen 2007 und 2012 gezahlt worden sein. Dass Gelder geflossen seien, streitet der Lobbyist auch nicht grundsätzlich ab. Darauf angesprochen sagte er dem US-Sender NBC: "Die Unterstellung, ich hätte Bargeld angenommen, ist albern und unsinnig." Alle Zahlungen, die an ihn gerichtet worden waren, "gingen an das gesamte Team: Wahlkampf, Umfragen und TV-Werbung", so Manafort kurz nach seinem Abgang aus dem Trump-Team.

Paul Manafort sollte im Team aufräumen

Das Metier des politischen Kampfes beherrschte Manafort tatsächlich - wenn auch nicht immer erfolgreich. 1976 hatte er den damaligen Präsidentschaftskandidat der Republikaner Gerald Ford im Wahlkampf unterstützt. Allerdings verlor Ford gegen den Demokraten Jimmy Carter. Später unterstützte er die konservativen Präsidentschaftsanwärter George Bush, Bob Dole und Jack Kemp, von denen zumindest Bush Senior am Ende ins Weiße Haus einzog. Es war sicher auch diese Art von Erfahrung, von der sich Donald Trump und sein Umfeld erhofften, dass sie etwas Zug in das chaotische Wahlkampfteam bringen sollte. Was sie auch tat, wie sich im November 2016 herausstellen sollte.


Da allerdings war Manafort schon längst nicht mehr im Boot. Es waren seine zu guten Verbindungen zu Viktor Janukowitsch, die ihm den Posten gekostet haben. Zum einen wegen der undurchsichtigen finanziellen Verstrickungen, die das FBI schon zwei Jahre zuvor auf ihn aufmerksam gemacht hatten und zum anderen wegen der Nähe Janukowitschs zu Moskau. Zufall oder nicht: Anfang Juni vergangenen Jahres war es Paul Manafort, der zusammen mit Trump-Sohn Donald Jr. und Schwiegersohn Jared Kushner einen Termin mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaya wahrgenommen hatte. Bei dem Gespräch soll es um Informationen gegangen sein, die Trumps Kontrahentin Hillary Clinton hätten beschädigen sollen. Später hieß es aus dem Trump-Team, das Treffen sei die Zeit nicht wert gewesen.

"Tausende Mails mit Dreck"

Wie sich nun herausstellt, war das offenbar nicht die einzige Verbindung des Trump-Teams mit Russen, die angeblich "Dreck" gegen Clinton in der Hand gehabt haben wollen. Laut den Ermittlungsakten des FBI hat ein Wahlkampfberater Trumps, George Papadopoulos, eingeräumt, dass ein "Professor mit engen Beziehungen zum Kreml" bereits im April 2016 "tausende E-Mails" angeboten habe, die die Demokratin hätten belasten können. Obwohl Papadopoulos mehrfach versucht habe, ein Treffen einzufädeln, sei es nie dazu gekommen, so die "New York Times" in Bezug auf die FBI-Akten.

Welche Rolle Manafort bei diesem Kontaktversuch gespielt hat, ist nicht klar. Aber hinderlich wird er eher nicht gewesen sein. Gerüchten zufolge soll er auch für einen nicht näher genannten russischen Milliardär gearbeitet haben, der wiederum Russlands Präsident Wladimir Putin unterstützt haben soll. Diesen Anschuldigungen widerspricht Manafort allerdings. Seine offenkundig guten Verbindungen nach Russland aber haben für das FBI ausgereicht, den Politikberater abzuhören - im Wahlkampf und auch noch danach.


Und was sagt Donald Trump dazu?

Welche Rolle der 68-Jährige genau gespielt hat und ob der Verdacht zutrifft, dass es Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland gegeben hat, wovon die Geheimdienste ausgehen, werden die Gerichtsverhandlungen zeigen. Donald Trump jedenfalls gibt sich angesichts der Festnahme seines Ex-Mitstreiters kämpferisch: Die mutmaßlichen Verfehlungen seien "Jahre her" so Trump auf Twitter - bevor er seinem Team angehört habe. Was nicht ganz stimmt: Die Vorwürfe der Geldwäsche und Falschangaben gegenüber den Behörden schließen durchaus auch jenen Zeitraum ein, in dem Manafort für Trump tätig war.