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Endspurt in Cancún: Deutschland hofft auf Einlenken Boliviens

Bolivien zeigt sich bei den Verhandlungen in Cancún unnachgiebig. Die deutsche Delegation hofft auf ein baldiges Einlenken Boliviens, um einen Kompromiss verabschieden zu können.

Ein Staat gegen rund 190 andere, so lautet der Showdown am Samstagmorgen in Cancún. Der bolivianische UN-Botschafter Pablo Solón droht die von vielen Delegierten als "Sternstunde des Multilateralismus" gelobte Konferenz zu torpedieren.

Solón bekräftigte seine Kritik. "Wir lehnen diesen Entwurf ab", sagte er. "Bolivien hat niemanden ernannt oder mandatiert, diesen Text auszuarbeiten." Er bezeichnete das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, als inakzeptabel. Sein Land fordere weitergehende Anstrengungen. Zudem sei in den Vorschlägen unklar, wie hoch die Zusagen der Industriestaaten zur Senkung des Treibhausgasausstoßes am Ende wirklich sein würden.

Klimadiplomatie in der Zielgeraden

Sollten die Zusagen, die im Rahmen der Kopenhagener Vereinbarung bislang unverbindlich abgegeben wurden, die Grundlage sein, sei dies nicht ausreichend. "Wir sind nicht hierher gekommen, um den Kyoto-Staaten einen Blanko-Scheck auszustellen", sagte er. Kritik übte er zudem an der Struktur des geplanten Klimafonds.

Die mexikanische Präsidentschaft hatte am Freitagabend (Ortszeit) zwei Vorschläge vorgelegt. Sie beziehen sich auf die beiden Verhandlungsstränge der Klimadiplomatie: auf die Verhandlungen der Kyoto-Staaten und auf die Klimarahmenkonvention, der alle 194 Staaten angehören. In seiner Kritik bezog sich Solón auf den Text zur Klimarahmenkonvention. Zuvor hatte er im Plenum bereits heftige Kritik an dem anderen Papier geübt.

Zwei-Grad-Ziel

Die deutsche Delegation hofft beim UN-Klimagipfel in Cancún auf ein baldiges Einlenken Boliviens, um den als sehr positiv bewerteten Kompromissvorschlag verabschieden zu können. "Auch bei der Artenschutzkonferenz in Nagoya hat Bolivien letztlich den Widerstand aufgegeben", hieß es am frühen Samstag aus der Delegation. An einem einzelnen Land dürfe eine Einigung nicht scheitern. Bolivien immer wieder mit einer Totalblockade gedroht, teils weil sich die Delegation schlecht behandelt fühlte.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, wenn die vorliegenden Papiere so verabschiedet würden, sei das ein sehr großer Erfolg. Die mexikanische Präsidentschaft des Gipfels habe einen Schuss freigehabt, "und der hat gesessen". Die Präsidentin des Klimagipfels, Patricia Espinosa, hatte zuvor zwei Kompromisspapiere vorgelegt. Das erste umfasst die Fortführung des Kyotoprotokolls, das zweite auch die Klimaziele der USA und der Entwicklungsländer. Beide Papiere könnten zusammen zu einem neuen Weltklimavertrag führen.

100 Milliarden Dollar Klimahilfsgeld

In der Präambel eines der beiden Textentwürfe bekennen sich 194 Länder dazu, dass die Erde sich um nicht mehr als zwei Grad erwärmen dürfe. Es seien "große Einschnitte" im Treibhausgasausstoß nötig. Zudem soll im Zeitraum 2013 bis 2015 geprüft werden, ob es nicht ein 1,5-Grad-Ziel geben muss. Das hatten die kleinen Inselstaaten vehement gefordert. Zudem soll mit Hilfe der Weltbank ein Grüner Klimafonds etabliert werden, um arme Länder etwa bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Insgesamt sehen es die Länder nach dem Entwurf als nötig an, dass bis 2020 jährlich rund 100 Milliarden Dollar (75 Mrd. Euro) Klimahilfsgeld zusammenkommt.

tib/DPA/AFP/DAPD / DPA