EU-Kommission Buttiglione sorgt für neuen Wirbel


Nach seinen umstrittenen Äußerungen über Homosexualität hat der Kandidat für den Posten des EU-Kommissars für Inneres, Rocco Buttiglione, neuen Ärger verursacht.

Italienischen Medien zufolge soll sich Rocco Buttiglione, Kandidat für den Posten des EU-Kommissars für Inneres, abfällig über allein erziehende Mütter geäußert haben. "Kinder, die keinen Vater haben, sondern nur eine Mutter, sind Kinder von Müttern, die nicht sehr gut sind", wurde Buttiglione am Samstag zitiert. Der wies die Berichte empört zurück und warf Journalisten vor, seine Worte verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.

Tatsächlich habe er am Freitagabend bei einer Konferenz in Saint Vincent im Nordwesten Italiens über die Beziehungen zwischen den USA und Europa gesprochen und dabei Mütter, Väter und Kinder nur in einem Vergleich erwähnt, erklärte Buttiglione in einer schriftlichen Stellungnahme. Er habe gesagt, "dass es das Beste sei, wenn Europa und die Vereinigten Staaten weiter Seite an Seite stünden, damit ihre Kinder (die Völker) eine Mutter und einen Vater haben." Weiter erklärte Buttiglione: "Ich muss dieses Verhalten von Teilen der Presse verurteilen, indem durch Weglassen und Zusammenfügen einiger Passagen Dinge berichtet werden, die ich nie gesagt habe." Allein erziehende Mütter hätten seinen vollen Respekt, fügte er hinzu.

Bestürzung über angebliche Äußerung

Die für Gleichstellungsfragen verantwortliche Ministerin im italienischen Kabinett, Stefania Prestigiacomo, hatte zuvor bestürzt auf die angebliche Äußerung reagiert: "Es erscheint mir unmöglich, dass er so etwas gesagt haben könnte", sagte sie der Zeitung "Corriere della Sera".

Verheugen nimmt Buttiglione in Schutz

Der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen nahm Buttiglione unterdessen gegenüber seinen Kritikern in Schutz. In Europa habe jeder das Recht auf seine Meinung und darauf, sein Leben nach bestimmten Wertvorstellungen zu gestalten, sagte Verheugen dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einem Vorabbericht aus der am Montag erscheinenden Ausgabe. Zwar dürfe ein Kommissionsmitglied persönliche Wertvorstellungen nicht über das europäische Regelwerk stellen, sagte Verheugen. Dies habe Buttiglione aber auch ausdrücklich zugesichert. "Ich habe in den letzten Jahren auch manches gegen persönliche Überzeugungen tun müssen", fügte Verheugen hinzu, der bisher für die Erweiterung der EU zuständig ist und nun Industriekommissar werden soll.

Der gläubige Katholik Buttiglione hatte bei seiner Anhörung als Kandidat für den Posten Inneres und Justiz im europäischen Parlament gesagt, Homosexualität sei eine Sünde. Für Frauen sei die Ehe da, um Kinder zu bekommen und von ihrem Mann beschützt zu werden. Daraufhin war er vom Innenausschuss des Parlaments mehrheitlich abgelehnt worden, hatte aber die Unterstützung des Rechtsausschusses erhalten. Die Sozialisten im EU-Parlament drohten mit einer Ablehnung der gesamten neuen Kommission, falls Buttiglione nicht andere Aufgaben bekommt.

Reuters Reuters

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