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Fall Julian Assange: Wikileaks-Gründer will sich schwedischen Behörden stellen

Bewegung im Fall Assange: Der Wikileaks-Gründer gibt offenbar seinen Widerstand gegen eine Ausreise nach Schweden auf. Seine Bedingung: Er will eine Garantie, nicht an die USA ausgeliefert zu werden.

Im diplomatischen Tauziehen um Wikileaks-Gründer Julian Assange könnte es doch noch eine Lösung geben. Der 41-Jährige sei bereit, sich den schwedischen Behörden zu stellen, wenn er eine Garantie bekomme, nicht an die USA ausgeliefert zu werden, berichtete die Zeitung "Sunday Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Vertraute des Internetrebellen. Ein Sprecher der Enthüllungsplattform sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine solche Garantie wäre "eine gute Ausgangsbasis", um über eine Lösung des Streits zwischen Ecuador und Großbritannien zu verhandeln.

Schweden müsse aber "ohne Einschränkung" garantieren, dass Assange "niemals" an die USA ausgeliefert werde, sagte Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson. Er verwies zugleich auf die Gesprächsbereitschaft Assanges gegenüber den schwedischen Behörden. Der Australier sei "seit fast zwei Jahren" bereit, sich ihren Fragen zu stellen. Schweden habe seine Angebote, ihn persönlich in der ecuadorianischen Botschaft oder per Videoschalte zu befragen, bisher abgelehnt.

Assange, gegen den ein EU-weiter Haftbefehl aus Schweden wegen des Verdachts auf Sexualdelikte vorliegt, soll dazu in dem skandinavischen Land verhört werden. Er hatte angekündigt, am Sonntagnachmittag eine Stellungnahme vor der ecuadorianischen Botschaft in London abzugeben, in die er sich vor zwei Monaten geflüchtet hatte. Er schrieb am Vormittag im sozialen Internet-Netzwerk Twitter, er sei noch dabei, sich auf seine "öffentliche Rede" vorzubereiten. Einen Ort nannte er nicht. Ecuador hat ihm inzwischen Asyl gewährt, jedoch ist Großbritannien nicht bereit, Assange ausreisen zu lassen.

Staatenbündnis steht hinter Ecuador

Im Streit um den Botschaftsflüchtling hat die linksgerichtete Bolivarische Allianz für die Völker unseres Amerika (Alba) Ecuador Rückendeckung zugesichert. Die Außenminister des Staatenbündnisses, in dem Venezuela und Kuba federführend sind, unterstützten im ecuadorianischen Guayaquil das Recht Ecuadors, Assange diplomatisches Asyl zu gewähren. Zudem forderten sie eine Debatte in den Vereinten Nationen über die Unantastbarkeit der diplomatischen Vertretungen.

Der Allianz gehören Venezuela, Kuba, Nicaragua, Bolivien, Ecuador und drei kleinere Karibik-Staaten an. Der Präsident Ecuadors, Rafael Correa, bezeichnete die Drohgebärden der Briten als "inakzeptabel, intolerabel, taktlos und rücksichtslos". Ecuador habe "eine souveräne Regierung, die sich vor niemanden niederknie".

An diesem Sonntag kommen ebenfalls in Guayaquil die Außenminister des südamerikanischen Staatenbündnisses Unasur zusammen, um ihre Haltung im Asylstreit zu beraten. Am Freitag treffen sich in Washington die Außenminister des Kontinents auf einer außerordentlichen Sitzung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

kng/DPA/AFP / DPA