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Festnahme von Miguel Treviño Vom Autowäscher zum Drogenbaron


Auf seinen Kopf waren fünf Millionen Dollar ausgesetzt, sein Name stand für Morde und Zerstückelungen: Nun wurde Miguel Treviño, Chef des Drogenkartells der Zetas gefasst - ohne dass ein Schuss fiel.
Von Alexander Sturm

Miguel Angel Treviño, genannt "Z-40", hätte ebenso gut die Hauptrolle in einem Mafia-Streifen aus Hollywood spielen können - die Klischees über Drogenbosse erfüllte er allemal: Steinreich, bis an die Zähne bewaffnet, umgeben von Komplizen einer ehemaligen Elite-Einheit pflegte Treviño eine Leidenschaft für Pferdewetten und Autorennen. Auf seinem Anwesen in seiner Heimatstadt Nuevo Laredo an der amerikanischen Grenze hielt er Raubtiere, die er aus Afrika einfliegen ließ.

Doch leider ist Treviño keine erfundene Filmfigur, sondern einer der berüchtigtsten Verbrecher Mexikos, der mit dem Drogenkartell der "Zetas" die gesamte mexikanische Golfküste von Guatemala bis zur US-Grenze terrorisierte. Mit der Organisation, die von desertierten Soldaten einer Eliteeinheit gegründet wurde, mischte er im Drogenhandel mit, erpresste Schutzgeld von Hotels, Restaurants und Kasinos und verschleppte Migranten auf dem Weg in die USA: Wer kein Lösegeld herbeibrachte und nicht für die Zetas arbeiten wollte, wurde umgebracht und zerstückelt.

Armee findet bei Festnahme zwei Millionen Dollar

Nun wurde Treviño, dem unter anderem Mord, organisierte Kriminalität und Geldwäsche vorgeworfen werden, gefasst. Nach übereinstimmenden Berichten von US-Behörden und mexikanischen Drogenfahndern gelang der Zugriff am frühen Morgen per Hubschrauber auf einer Landstraße nahe seinem Heimatort. Mexikanische Marinesoldaten überraschten den 40-jährigen Drogenboss in einem Pritschenwagen, begleitet von einem Leibwächter - und bargen acht Waffen, 500 Schuss Munition und zwei Millionen Dollar in bar. Treviño war offenbar derart überrumpelt, dass kein einziger Schuss fallen musste, um ihn zu überwältigen.

Die Festnahme ist ein erster großer Erfolg des neuen mexikanischen Präsidenten Enrique Pieto, der den Kampf gegen den Drogenhandel zum Schwerpunkte seiner Amtszeit erklärt hat. Im mexikanischen Drogenkrieg, dem seit 2006 mehr als 70.000 Menschen zum Opfer fielen, liefert sich das Zetas-Kartell einen blutigen Kampf mit der konkurrierenden Sinaloas-Bande. Treviños Kartell gilt als straff organisiert: Die amerikanische Anti-Drogen-Behörde DEA bezeichnete die Zetas als die "raffinierteste, technisch fortschrittlichste und gewalttätigste Organisation" des Landes. Ihre Gründer, die sich 1999 von einer Spezialeinheit der mexikanischen Armee abspalteten, sind diszipliniert und gut geschult in Geheimdiensttätigkeiten - und berüchtigt für ihre Brutalität. Während die Sinaloas in Teilen der Bevölkerung beliebt sind, weil sie Schulen und Kirchen bauen, werden die Zetas als Verbrecher geächtet, die einzig und allein nach Profit streben.

Steile Karriere bei den Zetas

Treviño brachte es in dem Drogenkartell zu einer bemerkenswerten Karriere: Als einer der wenigen Zetas-Mitglieder gelang ihm ohne militärische Erfahrung der Aufstieg bis in die Führungsspitze. Bereits als Teenager arbeitete er in seiner Heimatstadt in einer Drogengang und machte rasch Karriere. Vom Autowäscher stieg er erst zum Botenjungen und dann zum Drogenschmuggler auf, der Rauschgift über die amerikanische Grenze brachte. Als die Bande vom Golf-Kartell, die einst den Zetas nahe stand, geschluckt wurde, arbeitete sich Treviño weiter hoch.

Schon bald machten Geschichten von seinen Gräueltaten die Runde: Zu einer seiner beliebtesten Foltermethoden zählte laut der britischen Zeitung "Guardian" der "Guiso", zu Deutsch "Eintopf", mit der Treviño Feinde bei lebendigem Leib in einem Fass kochte. Andere ließ er mit Holzbrettern zu Tode prügeln. "Wer zu einem Gespräch mit Treviño eingeladen wurde, kam nicht lebend heraus", sagt ein US-Strafverfolger. Seinem Aufstieg dürfte sein Ruf als Folterknecht nicht geschadet haben.

Zerstückelung als Markenzeichen

Zu seinem grausamen Markenzeichen aber wurden brutale Exekutionen: Zur Abschreckung pflegte Treviño Widersacher zu köpfen und zerstückeln. Ihm wird ein Massaker im Norden Mexikos zugeschrieben, wo im Mai 2012 49 Menschen geköpft und mit abgetrennten Händen und Füßen am Straßenrand gefunden wurden. Auch den Mord an 265 Migranten vor drei Jahren soll er befohlen haben. "Er ist sadistischer als alle anderen", sagt US-Autor George Grayson, der ein Buch über die Zetas geschrieben hat.

Selbst vor den eigenen Bandenmitgliedern soll der Drogenboss nicht zurückgeschreckt haben: Als im Oktober 2012 der damalige Zetas-Boss Heriberto Lazcano bei Gefechten mit Soldaten starb, machten Gerüchte die Runde, Treviño habe seinen Chef ans Messer geliefert. Nun macht er selbst Platz für einen neuen skrupellosen Anführer.

Mit Reuters/DPA DPA

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