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Afroamerikanische Studien Erzkonservatives Machtwort: Floridas Gouverneur DeSantis verbietet neues Fach an Highschools

Floridas Gouverneur Ron DeSantis
Floridas Gouverneur Ron DeSantis
© Giorgio VIERA / AFP
Es ist Ron DeSantis' nächste Schlag gegen das aus seiner Sicht allzu woke Bildungssystem in Florida. Auf Drängen des republikanischen Gouverneurs sind afroamerikanische Studien an Highschools verboten. Die verstießen "unerklärlicherweise" gegen das Gesetz, so die Begründung.

Ron DeSantis hat in Sachen Bildung (erneut) ein erzkonservatives Machtwort gesprochen. Der republikanische Gouverneur (und möglicher Trump-Herausforderer bei der nächsten Präsidentschaftskandidatur) hat ein geplantes, landesweites Pilotprojekt zumindest für Floridas Highschools noch vor Start ausgeschlossen. Dass afroamerikanische Studien an Schulen als neuer Leistungskurs (Advanced Placement Course) angeboten werden soll, verstoße nicht nur "unerklärlicherweise" gegen staatliches Recht, sondern habe auch "keinen pädagogischen Wert", heißt es in einem Schreiben des Bildungsministeriums an das zuständige College Board vom 12. Januar. Gegen welches konkrete Gesetz der Kursinhalt verstoße, darauf wird nicht eingegangen. Gegenüber dem US-Sender CNN sagte DeSantis-Sprecher Bryan Griffin, dass der Kurs "große, zweideutige Lücken hinterlässt, die mit zusätzlichem ideologischem Material gefüllt werden können, was wir nicht zulassen werden." 

Sollten die Initiatoren in Zukunft "mit rechtmäßigen, historisch korrekten Inhalten" an den Verhandlungstisch zurückkehren wollen, sei das Ministerium dem gegenüber offen, heißt es im Schreiben weiter. Die A.P.-Kurse ermöglichen es High-School-Schülern, Leistungsnachweise für das College zu erhalten.

Dabei sollte der neue Kurs zunächst an nur 60 Highschools in den USA (mindestens eine davon in Florida) und erst ab 2024/25 an allen Schulen angeboten werden. In dem interdisziplinären Fach sollten nicht nur Geschichte, sondern auch Bürgerrechte, Politik, Literatur, Kunst und sogar Geografie von US-Amerikanern afrikanischer Abstammung behandelt werden.

Wie alle neuen Leistungsfächer durchliefen auch die diese Kurse eine "strenge, mehrjährige Pilotphase, in der Feedback von Lehrern, Schülern, Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern gesammelt wird", so das College Board in einer Erklärung.

Ron DeSantis geht rigoros gegen "woke" Bildung in Florida vor

Das neue Verbot ist lediglich der nächste Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, mit denen DeSantis Schulunterricht über Ethnien, Sexualität und Geschlechtsidentität einen Riegel vorschiebt. Bei seiner Vereidigung (der 44-Jährige hatte die Wiederwahl zum Gouverneur zuletzt mit großem Vorsprung gewonnen) versprach DeSantis, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass Florida "das Land der Freiheit und das Land der Vernunft" werde. 

Im April 2022 unterzeichnete derr Topstar unter den Republikanern ein Gesetz, das unter dessen Befürwortern "Stop Woke Act" genannt wird. Damit schränkte der Gouverneur den schulischen Diskurs über Rassismus erheblich ein. Laut "New York Times" verbietet es "unter anderem den Unterricht, der den Schülern Verantwortung oder Schuldgefühle für die vergangenen Taten anderer Mitglieder ihrer Ethnie vermitteln könnte".

Nur einen Monat zuvor hatte DeSantis mit einem weiteren umstrittenen Gesetz für Aufsehen gesorgt. Mit der von Kritikern "Don't say gay"-Gesetz genannten Richtline untersagte die Regierung Pädagogen, vom Kindergarten bis zur dritten Schulklasse mit Kindern über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu sprechen.

Laut Medienberichten hat die DeSantis-Administration zudem alle Universitäten des Bundesstaats aufgefordert, Anzahl und Alter aller Studenten bekanntzumachen, die sich wegen Geschlechtsdysphorie behandeln lassen, bereits eine Hormontherapie begonnen oder sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen haben. Warum DeSantis all dies offenbar wissen will, ist unklar.  

Quellen: "New York Times"; "Guardian"; CNN

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