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Flüchtlingsdramen: Ertrinken für den Traum vom besseren Leben

Immer wieder kommt es zu dramatischen Unglücken bei Überfahrten von Flüchtlingen, die versuchen aus Nordafrika mit "Nussschalen" übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Spanien appelliert nun an die EU.

Spanien sieht angesichts der jüngsten Flüchtlingsdramen vor den Kanarischen Inseln die gesamte Europäische Union (EU) in der Pflicht. "Das ist ein Problem der gesamten EU", sagte Spaniens Innenminister José Antonio Alonso Suàrez zum Auftakt eines Treffens der Innenminister der sechs größten EU-Staaten in Heiligendamm an der Ostsee. Auf dem Seeweg von Mauretanien auf die Kanarischen Inseln waren in den vergangenen Tagen mindestens zwei Dutzend Afrikaner ertrunken. Nach EU-Schätzungen warten noch tausende Flüchtlinge in Mauretanien auf die Weiterreise.

Er sei sicher, dass informelle Treffen wie das in Heiligendamm dazu beitragen, eine Lösung zu finden, sagte Alonso. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will als Gastgeber des Ministertreffens eine engere Zusammenarbeit der nationalen Lagezentren für illegale Migration vorschlagen. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex soll nach deutschen Vorstellungen gemeinsame Einsätze an den EU-Außengrenzen führen, einen Austausch von Grenzschützern organisieren und Lageanalysen erstellen.

"Es dürfen keine neuen Mauern errichtet werden"

Im vergangenen Herbst waren bereits erschütternde Bilder vom Ansturm hunderter Afrikaner auf Spaniens nordafrikanische Besitzungen Ceuta und Melilla um die Welt gegangen. An Italiens Südküsten kommen schon seit Jahren Flüchtlinge aus Afrika an, die sich über Libyen eingeschifft haben. Bei den gefährlichen Überfahrten auf kaum seetüchtigen Booten kommen immer wieder Menschen ums Leben.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth warnte vor einer Aushöhlung des Asylrechts in der EU durch kaum überwindbare Zugangsbarrieren. "Es dürfen keine neuen Mauern errichtet werden", sagte Roth. "Die sechs Innenminister müssen garantieren, dass es weiter einen Zugang zum Asylrecht in der EU gibt." Das von den EU-Staaten wiederholt aufgestellte Ziel, vorrangig die Fluchtursachen zu bekämpfen, dürfe nicht zum Lippenbekenntnis werden, sagte Roth. "Um an den Ursachen anzusetzen, brauchen wir unter anderem eine viel konsequentere Entwicklungszusammenarbeit", so die Grünen-Chefin.

DPA / DPA