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Flugzeug-Attentat von Detroit: USA ermitteln gegen bekannten Islamistenprediger

Nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit hat US-Präsident Barack Obama vorläufige Untersuchungsergebnisse erhalten und Konsequenzen angekündigt. Die Ermittler verdächtigen einen bekannten radikalen Islamisten, Kontakt zum Täter gehabt zu haben.

Nach dem vereitelten Flugzeug-Attentat von Detroit will US-Präsident Barack Obama an diesem Dienstag auf höchster Ebene Konsequenzen beraten. Auf der Konferenz in Washington werde er mit den Spitzen der verantwortlichen US-Behörden verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, einen verbesserten Austausch von Geheimdienst- Informationen und Anti-Terror-Maßnahmen zur Sprache bringen, teilte Obama am Silvestertag von seinem Urlaubsort auf Hawaii mit. Die Ergebnisse einer von ihm angeordneten Überprüfung der Arbeit der Geheimdienste vor dem versuchten Anschlag und der Sicherheitssystemen wolle er über das Wochenende studieren.

Der Präsident hatte im Laufe des Silvestertages vorläufige Resultate der Prüfung erhalten und mit seinem Spitzenberater für Anti-Terror-Fragen, John Brennan, sowie Heimatschutzministerin Janet Napolitano Gespräche geführt. Die Ministerin will nun Beamte ihres Hauses auf alle Kontinente zu entsenden, damit sie Sicherheitssysteme und - technologie dort in Augenschein nehmen. Ziel sei, die Sicherheit von Flügen mit Ziel USA zu gewährleisten, teilte sie mit.

Bei der vom Obama angeordneten Untersuchung geht es um die Frage, weshalb die Geheimdienste verschiedene Informationen und Warnsignale über den Attentäter Umar Farouk Abdulmutallab nicht miteinander in Verbindung brachten. Obama hatte den Behörden eine heftige Rüge erteilt und "eine Mischung aus menschlichen Fehlern und Systemfehlern" dafür verantwortlich gemacht, dass das Flugzeug mit knapp 300 Menschen am ersten Weihnachtstag mit einer an Bord geschmuggelten Bombe beinahe zum Absturz gebracht worden wäre.

Gegen Prediger wird ermittelt

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge rückt derweil ein in den USA geborener, radikal-islamischer Prediger immer stärker ins Zentrum der Ermittlungen. Es gebe zunehmend Belege, dass Anwar al- Awlaki mit dem aus Nigeria stammenden Attentäter in Verbindung stand.

Der im Jemen lebende Al-Awlaki hatte auch Kontakt zu dem Amokläufer auf der US-Militärbasis Fort Hood in Texas. Der muslimische Major Nidal Malik Hasan hatte Anfang November dabei 13 Menschen erschossen. US-Geheimdienste haben dem Bericht zufolge Al- Awlaki, der bis 2002 in einer Moschee im Norden des US-Bundesstaates Nord-Virginia predigte, bereits seit Jahren im Visier. Die genaue Art und der Umfang des Kontakts zwischen dem Prediger und Abdulmutallab sei allerdings unklar, berichtete die Zeitung weiter.

Ein im Jemen ansässiger Zweig des Terrornetzes al Kaida hatte sich zu dem Anschlagsversuch bekannt. Der Attentäter hatte zum mehrere Monate in dem arabischen Land zugebracht. Laut US-Medien wurde der Sprengsatz von einem Tom-Bombenbauer von al Kaida hergestellt.

Details über Pannen

Unterdessen werden immer mehr Details bekannt, wie US- Geheimdienste verschiedene Informationen im Vorfeld des Anschlages vom ersten Weihnachtstag nicht miteinander in Verbindung gebracht hatten. Laut "New York Times" war es US-Agenten schon lange vor der missglückten Attacke bekannt, dass ein Nigerianer im Jemen auf einen Anschlag vorbereitet werde. Entsprechende Diskussionen von El-Kaida- Führern im Jemen habe die auf die Kommunikationsüberwachung spezialisierte Agentur NSA schon vor vier Monaten abgefangen. Allerdings sei es versäumt worden, dies mit anderen Informationen - insbesondere den Warnungen des Vaters des späteren Attentäters - abzugleichen, hieß es. Obama hatte den Sicherheitsbehörden schwere Fehler vorgeworfen.

Die Ergebnisse der NSA-Abhöraktion seien übersetzt und auch innerhalb des Geheimdienstnetzwerks weitergegeben worden, berichtete die "New York Times" weiter. Experten im Nationalen Anti- Terrorzentrum in Washington hätten die Informationen dann aber nicht mit den Warnungen des Vaters von Abdulmutallab in Verbindung gebracht, der Mitte November in der US-Botschaft in Nigeria vor der Radikalisierung seines Sohnes durch Islamisten gewarnt hatte. Sein 23-jähriger Sohn hatte am ersten Weihnachtsfeiertag versucht, in einem voll besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta kurz vor der Landung in Detroit einen in seiner Unterhose versteckten Sprengsatz zu zünden, war dabei aber von Passagieren überwältigt worden.

In US-Regierungskreisen rückt dem Zeitungsbericht zufolge nun das Nationale Anti-Terrorzentrum in Washington ins Zentrum der Kritik. Es war drei Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur besseren Auswertung und Einschätzung der Terror-Erkenntnisse der verschiedenen US-Geheimdienste geschaffen worden.

DPA / DPA