Folterskandal Neue Horrorbilder aus Abu Ghreib


Ein australischer TV-Sender hat neue Aufnahmen aus dem berüchtigten irakischen Gefängnis veröffentlicht. Sie zeigen wesentlich schlimmere Misshandlungen als die bisher bekannten Fotos.

Der australische Fernsehsender SBS hat Bilder und Videos ausgestrahlt, die die Misshandlungen irakischer Gefangener im US-Gefängnis Abu Ghreib in Bagdad zeigen sollen. Die bislang zurückgehaltenen Aufnahmen seien Ende 2003 zeitgleich mit den Fotos entstanden, die den Folterskandal von Abu Ghreib ausgelöst hatten, heißt beim Sender.

Zu sehen sind noch weit schlimmere Misshandlungen als auf den bislang bekannten Fotos. Unter anderem ist ein Mann mit aufgeschlitzter Kehle zu sehen, einer mit massiven Kopfverletzungen sowie ein Insasse mit schweren Verbrennungen am Arm.

Die USA haben die Veröffentlichung der Aufnahmen kritisiert. Die Veröffentlichungen würden die Situation nur weiter aufpeitschen und unnötige Gewalt in der Welt verursachen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Bryan Whitman, am Mittwoch. Die Vorfälle in dem Gefängnis seien bereits vollkommen untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen worden.

Keine Angaben zu den Quellen gemacht

Zur Quelle machte SBS keine Angaben, zeigte sich aber von der Glaubwürdigkeit der Aufnahmen überzeugt. Offenbar gehören sie zu einer Reihe von Bildern, deren Herausgabe die Amerikanische Bürgerrechtsunion (ACLU) von der US-Regierung verlangt, so der Sender. Die Beschreibung der ACLU entspreche den Inhalten der Aufnahmen.

Weil die Bilder in den USA Gegenstand eines Rechtsstreits seien, dürften sie nicht gezeigt werden, heißt es. Mitglieder des US-Kongresses seien die Aufnahmen vorgelegt worden. Sie seien "schockiert" gewesen, da die Bilder "den vollständigen Horror der Misshandlungen in Abu Ghreib darlegen", teilte der Sender mit.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte im Mai 2004 vor dem Senat erklärt, dass nicht alle bekannten Bilder des Abu-Ghreib-Skandals veröffentlicht worden seien. Dazu zählten nach seinen Angaben Bilder physischer Gewalt, die als "sadistisch, grausam und unmenschlich" beschrieben werden müsse.

SBS-Produzent Mike Carey sagte, sein Sender habe Hunderte von Aufnahmen erhalten. "Die Bilder enthüllen zusätzlich den verbreiteten Missbrauch, einschließlich Mord, Folter und sexuelle Erniedrigung." Wegen der Misshandlungen in Abu Ghreib im Jahre 2003 wurden mehrere US-Soldaten zu Gefängnisstrafen verurteilt, unter ihnen der damalige Stabsgefreite Charles Graner und die Soldatin Lynndie England.

AP/DPA AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker