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Frankreich: Emmanuel Macron und Marine Le Pen ziehen in Stichwahl ums Präsidentenamt

Der Parteilose Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen liegen bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich vorne. Das geht aus ersten Hochrechnungen nach dem ersten Wahlgang vom Sonntag hervor.

Emmanuel Macron und Marine Le Pen

Emmanuel Macron und Marine Le Pen liegen bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich vorn.

Der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen haben die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl nach ersten Hochrechnungen gewonnen. Wie die Sender France 2 und TF1 am Sonntag berichteten, konnten der Ex-Wirtschaftsminister und die Chefin der rechtsextremen Front National (FN) sich für die Stichwahl am 7. Mai qualifizieren.

Macron lag laut France 2 mit 23,7 Prozent vor Le Pen mit 21,7 Prozent. Die Hochrechnung von TF1 sah beide Kandidaten auf Augenhöhe mit 23 Prozent. Die 48-Jährige Le Pen schnitt damit wesentlich besser ab als vor fünf Jahren, als sie im ersten Wahlgang 17,9 Prozent der Stimmen geholt hatte.

Stichwahl in Frankreich am 7. Mai

Das gute Ergebnis Le Pens ist für viele Franzosen und Europäer ein Schock. Denn die FN-Chefin will die Euro-Währung in Frankreich abschaffen und ihre Mitbürger über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Der entscheidende zweite Wahlgang am 7. Mai dürfte damit auch zu einer Abstimmung über Europa werden. Macron, Chef der politischen Bewegung "En Marche!" (Auf dem Weg), ist europafreundlich eingestellt. 

Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl in zwei Wochen wäre nach dem Brexit-Votum und dem Triumph von Donald Trump in den USA der dritte große Erfolg von nationalistischen Populisten.

Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Präsident François Hollande aufgerufen. Insgesamt wollten elf Kandidaten den Sozialisten beerben. Hollande hatte sich nicht mehr für eine weitere Amtszeit beworben. Der französische Staatschef hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert fünf Jahre.

 Geschlagene Konkurrenz ruft zur Wahl Macrons auf

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon hat seine Niederlage eingestanden und angekündigt, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. "Die Enthaltung entspricht nicht meinen Genen, vor allem wenn eine extremistische Partei sich der Macht nähert", sagte er am Sonntagabend mit Blick auf den Einzug der Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl gegen Macron. "Der Extremismus kann Frankreich nur Unglück und Spaltung bringen", sagte er. Es gebe deshalb keine andere Wahl, als am 7. Mai "gegen die extreme Rechte zu stimmen.

Zuvor hatte bereits der unterlegene sozialistische Kandidat Benoit Hamon die Wähler aufgerufen, in der Stichwahl Emmanuel Macron die Stimme zu geben.

Glückwünsche von Gabriel und Hollande

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat das Abschneiden Macrons begrüßt. "Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident", sagte Gabriel in der jordanischen Hauptstadt Amman. "Er war der einzige proeuropäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa." Macron sei ein toller Präsidentschaftskandidat, aber auch "ein ungeheuer sympathischer Mensch und ein guter Freund".

Auch der scheidende Staatspräsident François Hollande hat dem sozialliberalen Präsidentschaftskandidaten zum Erfolg bei der ersten Wahlrunde gratuliert. Hollande habe Macron nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse angerufen, berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Élyséepalast. Hollande werde bald seine Entscheidung für die zweite Wahlrunde am 7. Mai bekanntmachen. Bisher hatte sich der Sozialist aus der Wahl um seine Nachfolge herausgehalten.


che/tim/DPA