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Frankreich: Die Unruhen greifen auf andere Städte über

Die Vorstädte von Paris sind zum neunten Mal in Folge das Zentrum von schweren Ausschreitungen geworden. Inzwischen werden auch aus anderen Städten Krawalle gemeldet.

Betroffen waren vor allem drei Départements vom Nordwesten bis zum Osten der französischen Hauptstadt. Mehr als 750 Autos gingen in Flammen auf, ein Kindergarten und Lagerhäuser brannten nieder. Das Innenministerium gab die Zahl der Festnahmen mit etwa 170 an. Auch aus den Städten Lille, Toulouse und Rouen wurden Ausschreitungen gemeldet.

Nach Angaben der Polizei fielen auch Schüsse. Wie es hieß, feuerten Randalierer in Sarcelles nördlich von Paris mehrere Schüsse auf einen bereits zerstörten Bus ab. In Aubervilliers am nördlichen Stadtrand von Paris setzten Gewalttäter ein Lagerhaus in Brand. In Persan nordwestlich der Hauptstadt wurde Feuer in einem unterirdischen Parkhaus gelegt, auch in Suresnes wurde ein Parkdeck in Brand gesteckt.

Randalierer gehen auf Sanitäter los

In Meaux östlich von Paris hinderten Randalierer Sanitäter daran, einen Kranken in ein Krankenhaus zu bringen. Nach Polizeiangaben schleuderten die Jugendlichen Steine auf die Sanitäter, der Krankenwagen wurde in Brand gesetzt. In Pierrefitte nordwestlich von Paris fiel der Strom aus, nachdem ein brennendes Auto einen Strommast beschädigt hatte.

In Lille gingen Autos in Flammen auf, in einem Vorort von Rouen schleuderten Jugendliche an einer Haltestelle einen Brandsatz auf einen Bus. Die Fahrgäste konnten den Bus verlassen, verletzt wurde nach Angaben der Präfektur niemand. Der Bus wurde zerstört.

Die Krawalle gingen am Freitag in die zweite Woche und griffen auf weitere Städte in Frankreich über. Der Bruder eines der Jungen, deren Tod vor acht Tagen die schweren Krawalle ausgelöst hatte, rief seine Altersgenossen zur Mäßigung auf. 30 Bürgermeister aus dem besonders betroffenen Département Seine-Saint-Denis riefen gemeinsam zur Ruhe auf. Der Bürgermeister von Rosny-sous-Bois, Claude Pernes, erklärte, es handele sich um einen regelrechten Guerillakrieg, um einen urbanen Aufstand.

DPA/AP / AP / DPA