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FRANKREICH: Protestwelle gegen Le Pen

Frankreich steht vor einer weiteren Protestwelle gegen den rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Jean-Marie Le Pen. In einem Interview regte der 73-Jährige unterdessen die Einrichtung von »Durchgangslagern« an.

Die Protestwelle gegen gegen den rechtsextremistischen Präsidentschaftskandidaten Jean-Marie Le Pen in Frankreich geht auch am Samstag weiter. Rund 60 Verbände und Organisationen haben zu landesweiten Demonstrationen zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen.

Die größte Kundgebung wird am Nachmittag in Paris erwartet. Aber auch in Straßburg, Marseille, Rouen, Toulon oder Lyon sollen die Franzosen nach dem Willen der Grünen, der Kommunistischen Partei, Schülerverbänden und zahlreichen Menschenrechtsorganisationen ihre Ablehnung von Rassismus und Antisemitismus auf der Straße deutlich machen. Für den Sonntag haben jüdische Organisationen zu einer Kundgebung in der Hauptstadt aufgerufen.

Le Pen fordert »Durchgangslager« für Ausländer

Gut eine Woche vor der Stichwahl gegen den neogaullistischen Staatschef Jacques Chirac schlug Le Pen wieder schärfere Töne gegen Ausländer an. In einem Fernsehinterview regte er die Einrichtung von »Durchgangslagern« an. Dort könnten Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung »relativ komfortabel« darauf warten, in ihr Heimatland zurückzukehren. Im Gespräch mit der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigte sich Le Pen zuversichtlich, bei der Stichwahl am 5. Mai deutlich mehr als 30 Prozent zu erreichen.

Ein niedrigeres Ergebnis wäre für ihn kein Erfolg. Chirac rief dazu auf, den »alten Dämonen der extremistischen Versuchung« zu widerstehen. Am 5. Mai müsse das republikanische Ideal verteidigt werden, sagte der Neogaullist. Der im ersten Wahlgang gescheiterte sozialistische Premierminister Lionel Jospin rief seine Anhänger indirekt dazu auf, bei der zweiten Runde für Chirac zu stimmen. Dem Rechtsextremismus müsse eine klare Absage erteilt werden.

Parteien bekommen Zulauf

Nach dem Wahlerfolg Le Pens sind offenbar immer mehr Franzosen bereit, sich parteipolitisch zu engagieren. Die Sozialisten berichteten von von mehr als 2.600 Mitgliedsanträgen, die Grünen von 650. Größter Nutznießer des Le-Pen-Erfolgs ist aber offenbar dessen Partei Nationale Front. Dort war von 15.000 Mitgliedsanträgen seit Sonntag die Rede.