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Front National-Chefin Wie Le Pen die Massen für sich gewinnt


Ihr Ziel, zweitstärkste Partei im Land zu werden, hat Marine Le Pen nicht erreicht. Dennoch hat die Chefin der rechtsextremen Front National allen Grund zur Freude: Mit Tiraden gegen Globalisierung und Europa konnte sie ein historisches Wahlergebnis von 17,9 Prozent erreichen. Jetzt kämpfen andere um die Gunst ihrer Wähler.

Ihr erklärtes Ziel hat Marine Le Pen nicht erreicht. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich verfehlte die Chefin der rechtsextremen Front National (FN) den zweiten Platz und kam damit nicht in die Stichwahl am 6. Mai. Trotzdem konnte die Tochter des Parteigründers Jean-Marie Le Pen mit Recht von einem "historischen" Ergebnis sprechen.

Sie verschaffte der FN mit 17,9 Prozent der Stimmen einen Rekord. Damit überholte die 43-Jährige ihren Vater, der 2002 mit einem niedrigeren Ergebnis überraschend auf Platz zwei kam und damit ins Stechen gegen den Konservativen Jacques Chirac einzog. Weit mehr als sechs Millionen Franzosen stimmten am Sonntag für die Tochter. Diese Zahl sei ein "absoluter Rekord", betont die Pariser Politologin und FN-Expertin Nonna Mayer.

Die Rechtsaußen-Kandidatin habe von der Wirtschaftskrise profitiert. Vor allem in Regionen mit besonders hoher Arbeitslosigkeit habe sie mit ihren Tiraden gegen Globalisierung und Europa, dem Ruf nach dem Ausstieg aus der Euro-Zone, dem Abriegeln der Grenzen und dem Slogan "Frankreich zuerst" punkten können.

Größte Wahlerfolge im Osten und Norden

Besonders gut schnitt die redegewandte blonde Anwältin in krisengeschüttelten Orten im Osten und Norden Frankreichs ab, wo sie offenbar zahlreiche Stammwähler der Linken überzeugen konnte. Rekordergebnisse fuhr sie auch in traditionellen Hochburgen der Rechtsextremen ein, etwa im Elsass oder im Südosten Frankreichs.

Le Pens Strategie, die FN zu "entdämonisieren", sie als respektable und salonfähige Partei zu präsentieren, trage Früchte, meint der Politologe Jean-Yves Camus. Die Tochter sei "geschickter" als der Vater, der wiederholt wegen rassistischer Äußerungen verurteilt wurde, sagt auch Mayer. So gebe sich die frühere Anwältin als "Demokratin" und überzeugte Laizistin, die gegen "intolerante" und "antisemitistische" Islamisten kämpfe.

Zudem hätten mehrere Skandale um Parteispenden und Schmiergelder im Umfeld des amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy bei vielen Franzosen Politikverdrossenheit hervorgerufen. Bei ihnen habe Le Pen mit ihrer Kritik an "Eliten und Privilegierten" und dem Ruf nach einem "sauberen Frankreich" den richtigen Nerv getroffen.

Front National: Keine Empfehlung für Sarkozy

Der Erfolg der Rechtsextremen ist umso beachtlicher, als die FN vor fünf Jahren stark geschwächt erschien. Jean-Marie Le Pen erlebte damals bei der Präsidentschaftswahl mit zehn Prozent der Stimmen eine Schlappe, bei der anschließenden Parlamentswahl scheiterte die FN an der Fünf-Prozent-Hürde. Damals habe Sarkozy der FN mit einem "scharfen Rechtskurs" Stimmen abgejagt, sagt der Straßburger Politologe Richard Kleinschmager. Dieses Mal sei dies nicht gelungen, obwohl der Präsident "noch weiter nach rechts gerutscht" sei.

Sarkozy, der am Sonntag in der ersten Runde dem Sozialisten François Hollande unterlag, muss nun versuchen, möglichst viele FN-Wähler zu überzeugen. Auf Unterstützung von Marine Le Pen kann er dabei kaum zählen. Sie deutete bereits an, dass sie ihren Wählern keine Stimmempfehlung abgeben will.

Ohnehin hat die 43-Jährige bereits die Parlamentswahl vom 10. und 17. Juni im Auge. Sie hofft auf den Einzug mehrerer FN-Kandidaten in die Pariser Nationalversammlung und den Fraktionsstatus für ihre Partei. Le Pen selbst wird in ihrer Hochburg Pas-de-Calais im Norden Frankreichs kandidieren, wo ihr gute Chancen eingeräumt werden. Am Sonntag kam sie dort mit mehr als 25 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter Hollande.

Der Anfang einer langen Karriere?

Die zweifach geschiedene Mutter von drei Kindern, die vor gut einem Jahr die Zügel der FN übernahm, hat vor allem einen Trumpf in der Hand: Mit nur 43 Jahren kann sie auf eine lange politische Karriere hoffen. Die Wahlen in diesem Jahr seien für sie "nur zum Warmlaufen", meint Camus. So sieht das auch Marine Le Pen: "Die Schlacht um Frankreich hat erst begonnen", kündigte sie am Sonntagabend an.

fle/AFP AFP

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