Gaslieferungen Georgien und Armenien vor Energiekrise


Gezielte Anschläge auf Strom- und Gasleitungen in Südrussland haben Georgien und Armenien von der Energieversorgung abgeschnitten. Was Moskau als "Sachbeschädigung" wertet, ist für Georgien ein Terrorakt.

In der georgischen Provinz sowie in einigen Teilen der Hauptstadt Tiflis brach bei Minustemperaturen am Sonntag die Gasversorgung zusammen. Auch Armenien erhielt kein russisches Gas mehr. In der georgischen Hauptstadt Tiflis sprach Präsident Michail Saakaschwili von "Sabotage gegen das Energiesystem" seines Landes, wie russische Agenturen berichteten. Er forderte von Russland die Einhaltung der Lieferverträge.

Russland nennt es "Sachbeschädigung"

In der russischen Teilrepublik Nordossetien hatten Unbekannte in der Nacht zum Sonntag mit kleinen Sprengsätzen zwei Gaspipelines zerstört, die nach Georgien führen. Jede Bombe habe die Sprengkraft von 700 bis 800 Gramm Dynamit gehabt, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Nikolai Schepel. Am Sonntagmittag wurde ebenfalls im russischen Nordkaukasus die Hauptstromleitung nach Georgien durch eine Bombe unterbrochen. Die russische Justiz werte die Anschläge nicht als Terror, sondern als Sachbeschädigung, meldete die Agentur Interfax. Wahrscheinlich seien "extremistische Gruppierungen" für die Zerstörungen verantwortlich.

"Das war ein Terrorakt", sagte das georgische Regierungsmitglied Georgi Chaindrawa dem Radiosender "Echo Moskwy". Die Täter seien "Feinde Russlands und Georgiens", die einen Keil zwischen die Nachbarstaaten treiben wollten. In Tiflis protestierten etwa 200 Menschen vor der russischen Botschaft gegen die Anschläge.

Ausfall zum ungünstigsten Zeitpunkt

Sowohl in Georgien, als auch in Armenien herrscht bitterer Frost. Für die kommende Woche werden allein in den Hauptstädten Tiflis und Eriwan Temperaturen zwischen minus 5 und minus 19 Grad erwartet. Beide Länder sollen nur noch Gas-Vorräte für einen einzigen Tag haben. Da auch Strom größtenteils in Gaskraftwerken erzeugt wird, kann die Situation kritisch werden.

Zwar hat sich der Nachbar Aserbaidschan bereit erklärt, zusätzlichen Strom zu liefern, aber bevor eine Pipeline zwischen Baku und Tiflis den Betrieb aufnehmen kann, werden einige Tage vergehen. In Tiflis gibt es lange Schlangen, um Gasflaschen und Brennholz zu kaufen, Schulen und Universitäten bleiben ab Montag geschlossen. Russland schickte Strom über eine leistungsschwache Ausweichleitung nach Georgien. Die Reparatur der Gaspipelines werde etwa vier Tage in Anspruch nehmen, erklärte der örtliche Gasversorger Kawkastransgas. Bei der Stromleitung gingen die Ingenieuren von einer Woche Arbeit aus.

mit DPA

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