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Gaza-Streifen: Israel beschießt UN-Hauptquartier

Schwere Kämpfe im Gaza-Streifen: Während Außenminister Frank-Walter Steinmeier sich auf einer erneuten Nahost-Mission um eine Feuerpause bemüht, dringt Israel Richtung Zentrum von Gaza-Stadt vor. Dabei hat die Armee auch das UN-Hauptquartier beschossen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist empört.

Das israelische Militär hat am Donnerstag das UN-Hauptquartier in der Stadt Gaza beschossen. Dies sagten Mitarbeiter der Vereinten Nationen in Gaza am Telefon. Die UN-Hilfsorganisationen stellten vorerst alle Tätigkeiten im Gaza-Streifen ein. Mitarbeiter berichteten von Flammen im Umfeld des Gebäudes. Der große Komplex, in dem die in Gaza aktiven UN-Hilfsorganisationen ihre Büros haben, beherbergt auch ein riesiges Treibstofflager für die Fahrzeuge der Vereinten Nationen. Ein Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA stellte im israelischen Radio nachdrücklich fest, dass zum Zeitpunkt des Beschusses keine militanten Aktivitäten im Umfeld des Hauptquartiers zu beobachten gewesen seien.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon protestierte scharf gegen den Beschuss des Hauptquartiers. Während einer Pressekonferenz mit der israelischen Außenministerin Zipi Livni sagte Ban in Tel Aviv, er habe Verteidigungsminister Ehud Barak und der Außenministerin seinen scharfen Protest und seine Empörung deutlich gemacht und eine vollständige Untersuchung gefordert. Barak habe ihm gegenüber unterstrichen, dass es sich bei dem Beschuss um einen "schweren Fehler" gehandelt habe.

Israels Bodentruppen waren zuvor massiv in Richtung des Zentrums von Gaza-Stadt vorgedrungen. Eine Granate der Armee schlug auch in einem Hochhaus ein, in dem mehrere Medienunternehmen, darunter der Fernsehsender Al-Arabija, ihre Büros haben. Laut dieser Quelle wurden zwei Mitarbeiter des emiratischen Fernsehsenders Abu Dhabi TV verletzt. Ebenfalls getroffen wurde das Al-Kuds-Krankenhaus im Stadtteil Tell al-Hawa. Dabei sei es schwer beschädigt worden, berichtete ein UN-Mitarbeiter.

Augenzeugenberichten zufolge hatte das israelische Vorrücken unter den Bewohnern Panik ausgelöst. Israels Panzer standen nur noch eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Im ganzen südlichen Stadtgebiet brannten demnach zahllose Wohnungen und Autos. Ambulanzen und Sanitäter konnten das Gebiet wegen der schweren Kämpfe nicht mehr erreichen. Während die Panzer weiter vorrückten, feuerten militante Palästinenser mindestens 16 Raketen auf Israel ab.

In die diplomatischen Bemühungen schaltete sich im Rahmen einer erneuten Nahost-Mission auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier ein. Er traf mit israelischen Spitzenpolitikern zusammen, um die Bemühungen um eine Feuerpause voranzubringen. "Wir brauchen eine humanitäre Waffenruhe, die uns Gelegenheit gibt, die Bevölkerung zu versorgen und gleichzeitig die politischen Gespräche fortzuführen", sagte Steinmeier. Sollten die Kämpfe noch lange andauern, würden die "konstruktiven Kräfte" geschwächt. Noch sei es nicht zu spät.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister Gordon Brown forderten in Berlin gemeinsam einen schnellen Waffenstillstand. "Die humanitäre Lage erfordert es, dass jetzt zeitlich Druck gemacht wird", sagte Merkel nach einem Gespräch mit Brown. Der Schlüssel zu einem Waffenstillstand sei ein Abkommen über die Unterbindung des Waffenschmuggels in den Gaza-Streifen. Sowohl Deutschland als auch Großbritannien seien zur technischen Hilfe bereit. Solange noch nicht alle Details geklärt seien, müsse man aber "zumindest im humanitären Sinne zu einer Waffenruhe kommen", so die Kanzlerin. Die dann zur Verfügung stehende Zeit müsse genutzt werden, um die Verhandlungen zu Ende bringen.

Auch Brown betonte die Dringlichkeit eines Waffenstillstands. "Wir sind schockiert angesichts der humanitären Tragödie in Gaza. Wir werden alles tun, um humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen."

DPA/AP / AP / DPA