GEFANGENENINSEL »Eingefleischte Terroristen«


Sie tragen rote Overalls, ihre Augen sind von Brillen bedeckt, und während sie knien, beugen sich US-Soldaten über sie. Washington gerät wegen seiner Behandlung inhaftierter Taliban auf Kuba immer mehr in die Kritik.

Inmitten der angeheizten Debatte über die Behandlung von internierten mutmaßlichen Taliban- und El-Kaida-Kämpfern sind weitere 34 Gefangene aus Afghanistan in dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba eingetroffen. Damit ist die Zahl der Internierten in dem Gefangenenlager nach offiziellen Angaben auf 144 gestiegen. Die Neuankömmlinge waren wieder an den Beinen gefesselt. Sie trugen erneut knallorange Overalls, einen Mundschutz wie Chirurgen, geschwärzte Brillen und waren an den Händen gefesselt.

Vorwürfe zuückgewiesen

Ein Militärsprecher in Guantanamo wies die in britischen Zeitungen erhobenen Folter-Vorwürfe zurück. »Ich würde das nicht als Folter bezeichnen, eher als eine angebrachte Sicherheitsmaßnahme«, sagte Major Stephen Cox.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte vor Journalisten in Washington, die Vorwürfe stammten von Leuten, die keine ausreichenden Informationen über die Unterbringung der Gefangenen hätten. Der Minister deutete zudem an, dass den Inhaftierten wahrscheinlich vor »Militärkommissionen« in Guantanamo der Prozess gemacht werden soll. Da Guantanamo nicht auf amerikanischem Boden liegt, hätten Verurteilte keine Möglichkeit, vor einem US-Gericht Berufung einzulegen. Es sei außerdem unfair, davon zu sprechen, dass solche »eingefleischte Terroristen« inhuman behandelt würden, sagte der US-Verteidigungsminister.

»Einzigartig gefährlich«

»Meiner Ansicht nach gibt es keinen Zweifel daran, dass sie menschlich und angemessen ist und weitgehend mit der Genfer Konvention übereinstimmt.« Die Männer erhielten eine exzellente medizinische Versorgung und drei ihrer Kultur entsprechende Mahlzeiten am Tag. »Sie haben saubere Kleidung und sie sind trocken (untergebracht) und in Sicherheit«, sagte Rumsfeld weiter. US-Justizminister John Ashcroft wies die Kritik ebenfalls zurück. Dem Sender CNN sagt er: »Es sind Terroristen. Sie sind einzigartig gefährlich.«

Unterkunft in Drahtkäfigen

Die Fotos seien ersten US-Informationen zufolge kurz nach der Ankunft der Gefangenen auf Kuba aufgenommen worden, sagte ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair. Die Gefangenen werden in etwa zwei mal 2,6 Meter großen, überdachten Drahtkäfigen im Freien festgehalten, die nach US-Angaben eine Übergangslösung bis zum Bau von Gefängnisgebäuden darstellen. Eine Delegation des IKRK untersucht seit letzter Woche die Haftbedingungen. Die Ergebnisse sollen jedoch nicht öffentlich gemacht werden.

Die britische Regierung hatte die USA am Sonntag um eine Erklärung für Fotoaufnahmen gebeten, die die Häftlinge unter anderem mit Masken vor Mund und Nase und Fausthandschuhen zeigen. Ein US-Militärsprecher sagte, die Bilder seien kurz nach der Ankunft der Gefangenen auf Guantanamo entstanden. An Bord eines C-141-Frachtflugzeugs werde es sehr kalt, daher hätten die Männer auf dem Flug von Afghanistan nach Kuba Mützen und Handschuhe getragen. Die zugeklebten Schutzbrillen, die auf den Fotos zu sehen sind, begründete der Militärsprecher mit Sicherheitsaspekten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker