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Geiseldrama: Irak erwägt Haftüberprüfung von Frauen

Zwei Geiseln hat die Terrorgruppe Tauhid und Dschihad bereits getötet, eine weitere Geisel ist noch in ihrer Gewalt. Der Irak überlegt jetzt offenbar, den Forderungen der Gruppe entgegenzukommen.

In der Gegend von Bagdad wurde ein Enthaupteter gefunden, wie der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf US-Angaben berichtet. Ob es sich bei dem Toten um den US-Bürger Jack Hensley handelt war zunächst unklar.

Keine unabhängige Bestätigung

Die Gruppe des Top-Terroristen Abu Mussab al Sarkawi hatte am Montag ein Video mit der Enthauptung des US-Bürgers Eugene Armstrong im Internet verbreitet. Die Entführer hatten gedroht, eine weitere Geisel zu töten, sollten nicht binnen 24 Stunden alle weiblichen irakischen Gefangenen in den Gefängnissen Abu Ghoreib und Umm Kasr freigelassen werden. Eine unabhängige Bestätigung der Internetangaben gab es zunächst nicht.

Das US-Militär hält im Irak zwei Wissenschaftlerinnen fest, die unter dem Regime von Saddam Hussein an Waffenprogrammen beteiligt gewesen sein sollen. Huda Ammasch war früher in der Biowaffenforschung tätig. Rihad Taha war Leiterin des Programms zur Entwicklung von waffenfähigen Anthraxerregern. Nach US-Angaben sind die Frauen aus Sicherheitsgründen in Haft, allerdings in keinem der von Sarkawi genannten Gefängnisse.

Irak überlegt Haftprüfung

Offenbar gibt es jetzt in Bagdader Regierungskreisen Überlegungen, die Haft der beiden Irakerinnen zu überprüfen. Das berichtet die britische Zeitung "Guardian". Gleichzeitig ist das irakische Justizministerium jedoch darum bemüht dem Eindruck entgegenzuwirken, man würde sich dem Druck der Terroristen beugen. Die Haftüberprüfung habe nichts mit den Forderungen der Geiselnehmer zu tun, so die irakischen Behörden. US-Präsident George W. Bush, der britische Premierminister Tony Blair und auch Iraks Ministerpräsident Ijad Allaui hatten bereits jegliche Verhandlungen mit den Extremisten abgelehnt.

Die Terrorgruppe hatte in der vergangenen Woche gemeinsam mit Armstrong den US-Bürger Jack Hensley und den Briten Kenneth Bigley aus einer Villa in Bagdad entführt. Die Gruppe droht, auch noch den Briten zu töten. Dessen Angehörige wandten sich in einem persönlichen Hilfsappell an den britischen Premierminister Tony Blair. Im britischen Fernsehen forderte Bigleys Sohn Craig (33): "Bitte erfüllen Sie die Forderungen, so dass mein Vater freikommt."

Kopfgeld von 25 Millionen Dollar

Nach Medienberichten hatte al Sarkawi den Kopf Armstrongs eigenhändig mit einem Messer vor laufender Kamera abgetrennt. Der US-Geheimdienst CIA teilte in Washington nach einer technischen Analyse des Videos mit, er halte die Stimme al Sarkawis auf dem Video für authentisch. Die USA haben auf die Ergreifung des jordanischen Top-Terroristen ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar (16,7 Millionen Euro) ausgesetzt. Er gilt als Drahtzieher vieler Terroranschläge mit Dutzenden von Toten. Al Sarkawi machte die US-Regierung für die Tötung Armstrongs verantwortlich, weil sie die Forderung nach der Freilassung aller inhaftierten Frauen im Irak nicht erfüllt habe.

DPA/Reuters / DPA / Reuters