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Geiselkrise Afghanistan: Vorwürfe gegen Pakistans Geheimdienst

Ein afghanischer Gouverneur erhebt schwere Vorwürfe: Der pakistanische Geheimdienst soll in die Entführung der südkoreanischen Geiseln verwickelt sein. Derweil behauptete die Taliban, dass sich niemand um die Befreiung der deutschen Geisel bemühe.

Der Gouverneur der afghanischen Provinz Ghasni hat den pakistanischen Geheimdienst beschuldigt, in die Entführung von 21 südkoreanischen Geiseln verwickelt zu sein. Die Opfer seien zwar zunächst von lokalen Taliban-Kämpfern entführt worden, nach wenigen Tagen hätten allerdings als Extremisten getarnte Geheimdienstoffiziere die Kontrolle übernommen, sagte Meradschuddin Pattan der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Südkoreaner waren vor zwei Wochen in Ghasni, das südwestlich von Kabul liegt, verschleppt worden - genauso wie einen Tag zuvor zwei deutsche Geiseln. Ursprünglich hatten die Entführer 23 Südkoreaner als Geiseln genommen. Zwei von ihnen erschossen sie. Auch ein deutscher Bauingenieur ist weiter entführt. Sein mit ihm verschleppter Kollege wurde getötet.

Afghanische Behördenvertreter beschuldigen immer wieder den pakistanischen Geheimdienst ISI, die aufständischen Taliban heimlich zu unterstützen. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.

Niemand bemühe sich um die deutsche Geisel

Derweil behauptete die radikal-islamischen Taliban, dass sich derzeit niemand aktiv um die Befreiung der in Afghanistan entführten deutschen Geisel bemühe. Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jussuf sagte am Sonntag per Telefon von einem unbekannten Ort aus, er sei überrascht, dass sich niemand aktiv um die Freiheit des Deutschen bemühe. Der Mann leide an Diabetes und könne nicht angemessen mit Medikamenten versorgt werden, sagte er. Jussuf hatte sich in den vergangenen Wochen seit der Verschleppung von zwei Deutschen in Afghanistan mehrfach zu Wort gemeldet und teilweise Falschinformationen verbreitet.

Deutsche Medienberichte über eine Freilassung des Ingenieurs Rudolf B. hatten sich am Samstag nicht bestätigt. Das Auswärtige Amt in Berlin arbeitet nach den jüngsten Angaben vom Wochenende weiter mit Hochdruck an einer baldigen Freilassung des Deutschen. Dessen Kollege Rüdiger D. wurde von seinen Entführern nach einem Schwächeanfall erschossen.

Die Bundesregierung hat mehrfach betont, sich nicht von Extremisten erpressen zu lassen. Die Taliban haben den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan gefordert, sich aber später davon distanziert. Sie fordern zudem die Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen. Bislang ist nicht geklärt, wer die Entführer sind. Die Bundesregierung geht nach früheren Angaben davon aus, dass diese nur lose Kontakt zu den Taliban haben und wirft der Gruppe vor, die Entführung zu ihrem Zwecke zu nutzen.

Reuters / Reuters