Geschützt vom Secret Service Barack Obamas neues Leben


Das Leben des künftigen US-Präsidenten Barack Obama hat sich binnen weniger Tage rasant verändert. Langsam aber sicher senkt sich eine gläserne Schutzglocke über den Alltag des demnächst mächtigsten Mannes der Welt. Das merkt vor allem seine Familie - und auch Obamas Friseur in Chicago.

Der Wahltag ist erst zehn Tage her, bis zur offiziellen Amtseinführung am 20. Januar dauert es noch gut zwei Monate. Noch lebt und arbeitet der designierte US-Präsident Barack Obama in Chicago, noch meidet er Washington. Aber das Leben der Obamas, Amerikas künftiger First Family, hat sich bereits jetzt drastisch verändert: Langsam aber sicher senkt sich jene Glasglocke, die den mächtigsten Mann der Welt von der latent gefährlichen Außenwelt abschirmen soll. Hatte der Secret Service ihn schon während des Wahlkampfs bewacht, greifen nun alle Vorkehrungen, die für einen künftigen Präsidenten nötig sind. "Für Obama ist das eine Phase mit gewaltigen Veränderungen auch im persönlichen Leben", zitiert die "New York Times" einen seiner angeblich engen Freunde. "Die kleinen Dinge - ins Fitness-Studio oder ins Kino gehen, ein Abendessen mit seiner Frau - all das wird nie mehr das Gleiche sein."

Mit dem Friseur-Besuch ist Schluss

Nein, nichts wird mehr das Gleiche sein. Da wäre zum Beispiel die Sache mit dem Friseur. Vor der Wahl stand ein besonderes Ritual für Obamas Bodenständigkeit: Der regelmäßige Besuch bei Zariff im "Hyde Park Hair Salon". Obama saß immer im selben Stuhl, zahlte immer 21 Dollar, und atmete immer ein wenig echtes Leben. 14 Jahre soll das so gegangen sein. Seitdem klar ist, dass Obama demnächst nach Washington zieht, als vermeintlich mächtigster Mann der Welt, ist's vorbei mit dem schönen Ritual. Dem Secret Service, der sich um Obamas Sicherheit kümmert, ist die Visite offenbar zu heikel. Aus Sicherheitsgründen: Der Salon hat nur normale Scheiben, kein Panzerglas, davor gaffen Touristen. Für jeden Leibwächter ist das ein Albtraum. Deshalb traf der Secret Service in der vergangenen Woche eine drastische Entscheidung: Der erste Friseur des Landes muss das Haupt des President-Elect nun woanders pflegen, nämlich in der Privatwohnung eines Freundes Obamas.

Auch in der Umgebung des Wohnortes Obamas haben sich die Verhältnisse drastisch gewandelt. Schon während des Wahlkampfs war das Haus der Obamas im Chicagoer Viertel Hyde Park-Kenwood von den Sicherheitsleuten abgesichert worden - auch mit Betonpollern. Seit dem Wahltag wurden die Maßnahmen noch einmal verschärft, das stattliche Haus wurde in eine Bastion verwandelt. Der umliegende Sicherheitsgürtel wurde erweitert, die Straßen rund um das Heim des Präsidenten in spe für den Verkehr geschlossen. Anwohner müssen spezielle Ausweise haben, um durchgelassen zu werden. Künftige Nachbarn der Obamas müssen sich einem genauen Sicherheits-Check unterziehen. Spürhunde sind im Einsatz, Polizisten und Agenten sind ohnehin überall in der näheren Umgebung jenes Hauses, das die Obamas erst 2005 gekauft hatten.

Eine kleine Flucht mit Michelle

Wenn Obama nun unterwegs ist, wird er auch in einer gepanzerten Limousine gefahren, begleitet von einer Motorrad-Escorte. Rote Ampeln sind kein Hindernis mehr für ihn. Seit Richard Nixon ist Obama der erste gewählte Präsident, der in einer städtischen Umgebung wohnt, nicht auf dem Land, wo allein stehende Anwesen leichter und besser abzusichern sind. Nixon lebte bei seiner Wahl in einer Wohnung in New York City, verkaufte die Immobilie jedoch bald. Die Obamas, heißt es, wollen ihr Zuhause in Chicago jedoch behalten.

Hin und wieder gelingt es Obama nach wie vor, in die echte Welt zu entschlüpfen. Am vergangenen Samstag, berichtet die "New York Times", sei er mit seiner Frau Michelle in einem italienischen Vier-Sterne-Restaurant gewesen. Aber auch hier ist nichts mehr so, wie es früher war. Wie drastisch sich das Leben der Obamas verändert hat, belegt eine Aussage des dortigen Kochs, den die "New York Times" zitiert: "Es sind immer nur die beiden", beschreibt er die Gepflogenheit von Michelle und Barack Obama, in dem Restaurant zu dinieren. "Aber jetzt sind es eben nur die beiden - und die 30 Agenten des Secret Service."

Öffentlich ist von Obama derzeit wenig zu sehen - abgesehen von dem Besuch in Washington Anfang der Woche, den er aber gezielt kurz hielt. Der designierte Präsident scheint derzeit bewusst unterzutauchen, so, als ob er noch einmal Kraft tanken wolle vor dem Auftritt auf der ganz großen Bühne, vor dem offiziellen Beginn seiner Präsidentschaft. Zu sehen sei er, berichtet die "New York Times", derzeit nur sporadisch. Immer dann, wenn er seine Töchter zu Schule bringe oder in ein Fitness-Studio in der Nähe seines Hauses zum Trainieren gehe. Der Familie widme er sich derzeit besonders. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit den Töchtern Malia und Sasha begleitet er die Töchter bisweilen zur Schule, danach geht er zum Trainieren. Später erst fährt er in jene Büros in einem Regierungsgebäude, in denen der Aufbau seiner Regierung organisiert wird.

Cool, gut organisiert, systematisch

Die Lebensumstände haben sich geändert, Obamas Führungsverhalten, berichtet die "New York Times", ist offenbar gleich geblieben sei: Er sei cool, gut organisiert, geht systematisch vor - bei der Wahl seiner Kabinettsmitglieder ebenso wie bei der Abwicklung seines Sitzes im US-Senat. Am Sonntag wolle er sein Mandat abgeben, um sich voll auf die Organisation des Übergangs in der Regierung konzentrieren zu können, verlautete am Donnerstagabend.

Obama spart sich so auch die Sitzungen der Kammer in der kommenden Sitzungswoche, wenn wichtige Vorhaben wie ein Konjunkturprogramm und ein Rettungspaket für die Autobranche auf der Tagesordnung stehen. Für Wirbel sorgten am Donnerstag und Freitag lediglich Meldungen, für die Mitarbeiter Obamas als Quellen angegeben wurden, wonach Hillary Clinton als mögliche Außenministerin im Kabinett Obamas gehandelt wird. Sollte sich dies bestätigen, würde es eine weitere spannende Wende im Verhältnis Obamas zu seiner ehemaligen Konkurrentin bedeuten.

Wie sich Obamas privates Leben gewandelt hat, belegt die "New York Times" übrigens mit einem Zitat des Frisörs Zariff. Der sehe jetzt viel präsidentieller aus, berichtet der 44-Jährige demnach, und er gehe auch anders. Und er vermisse es, durch sein Viertel streifen zu können. Allerdings gibt es erste Anzeichen dafür, dass sich auch im Leben Zariffs etwas wandeln könnte. Zwar kriegt er für einen Obama-Cut nach wie vor nur 21 Dollar - aber nach eigenen Angaben überlegt Zariff, demnächst eine Filiale in Washington zu eröffnen.

fgüs

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