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Großbritannien: Bombenauto voll mit Benzin und Nägeln

Ein Auto vollgestopft mit Gas- und Benzinkanistern sowie Nägeln: Diese Bombenkonstruktion hätte in London ein Blutbad anrichten können. Doch der funktionstüchtige Sprengsatz wurde noch rechtzeitig entschärft. Der neue Premier Brown rief zur Wachsamkeit auf.

Bombenalarm im Herzen Londons: Fast zwei Jahre nach den verheerenden Terroranschlägen in der britischen Hauptstadt hat die Polizei am Freitagmorgen eine Autobombe in der Innenstadt entschärft. Die belebte Gegend um den Piccadilly Circus wurde mitten in der Hauptverkehrszeit gesperrt. Es habe sich um einen "potenziell funktionstüchtigen Sprengsatz" gehandelt, teilte Scotland Yard mit. Eine Explosion des Sprengsatzes hätte zahlreiche Verletzte oder Tote zur Folge haben können, sagte der zuständige Anti-Terror-Chef. Nach Polizeiangaben war der Mercedes mit Gas- und Benzinkanistern sowie zahlreichen Nägeln beladen.

Anti-Terror-Ermittlungen wurden eingeleitet. Es kam zu einem Chaos im Berufsverkehr. Verletzt wurde niemand. Der Vorfall ereignete sich kurz nachdem die neue britische Regierung unter Gordon Brown angetreten war.

Den Türstehern des Nachtclubs Tiger fiel ein seltsam fahrender Mercedes Kombi auf, der gegen vier Uhr nachts die Straße The Haymarket befuhr. Als er in mehrere Mülltonnen krachte, riefen sie die Polizei. Der Fahrer rannte davon. Seitdem ist die Straße im Herzen des Londoner West Ends abgesperrt. Zeugen erzählten der BBC, sie hätten gesehen, wie Gas-Propan-Zylinder aus dem Auto entfernt wurden.

Aus Polizeikreisen verlautete, es habe eine "erhebliche Gefahr" bestanden. Es habe sich um eine "große Menge" Sprengstoff gehandelt. Offiziell wurden diese Angaben zunächst nicht bestätigt. Andere Quellen, darunter die Zeitung "The Guardian" und die BBC, sprechen jedoch von einer amateurhaft fabrizierten Sprengvorrichtung, deren Wirkung bis zu diesem Zeitpunkt fraglich sei. Inzwischen ist die "möglicherweise funktionierende" Bombe entfernt und an einem dafür vorgesehen Ort unter Aufsicht zur Sprengung gebracht worden.

Brown ruft zur Wachsamkeit auf

Großbritannien sei "einer ernsten und andauernden Gefahr" ausgesetzt, sagte der neue Premierminister Brown. Die Öffentlichkeit müsste "zu jeder Zeit wachsam" sein. Verteidigungsminister Des Browne betonte, es handle sich um einen "sehr ernsten Vorfall". Brown hatte das Regierungsamt erst am Mittwoch nach zehn Jahren von Tony Blair übernommen. Die neue Innenministerin Jacqui Smith kam am Mittag mit der Notfall-Kommission des britischen Kabinetts, COBRA, zusammen.

Der zentrale U- Bahnhof Piccadilly Circus wurde bis auf weiteres gesperrt. Es kam zu massiven Behinderungen, tausende Pendler kamen nicht voran, Staus verstopften die Straßen. Anwohner klagten, nicht mehr in ihre Häuser zu kommen. Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Haymarket liegt mitten im Geschäfts- und Touristenviertel Londons, wenige Gehminuten von der Einkaufsstraße Regent Street und Attraktionen wie dem Trafalgar Square und Leicester Square entfernt.

Das Geschehen rief Erinnerungen an die Terroranschläge vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn und einen Bus wach. Damals waren 52 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.

Am Freitag sollte auch ein Prozess gegen mutmaßliche Terroristen enden. Sechs Männer stehen vor Gericht, weil sie zwei Wochen nach dem 7. Juli einen weiteren Anschlang auf das Londoner U-Bahnsystem geplant haben sollen.

cf/Reuters/DPA / DPA / Reuters