Hilfslieferung für Palästinenser Nächstes Schiff hält Kurs auf Gaza


Trotz der blutigen Erstürmung des Gaza-Hilfskonvois Anfang der Woche will ein weiteres Schiff die israelische Seeblockade vor der Küste des Gaza-Streifens durchbrechen. Aktivisten von "Free Gaza" berichten allerdings, dass der Funkverkehr zum dem Schiff abgebrochen ist - und wittern israelische Sabotage.

Im Mittelmeer zeichnet sich ein neues Kräftemessen zwischen pro-palästinensischen Aktivisten und der israelischen Armee ab. Der unter irischer Flagge fahrende Frachter "Rachel Corrie" sei mit voller Fahrt auf dem Weg zur Küste des Gaza-Streifens und wolle die von Israel verhängte Seeblockade brechen, sagte die Mitbegründerin der Organisation "Free Gaza", Greta Berlin, am Freitag in Larnaca (Zypern). Das Schiff solle noch im Laufe des Freitags oder Samstag vor Ort sein.

Eine Sprecherin von "Free Gaza" teilte mit, dass zur Zeit der Kontakt zu dem Schiff abgebrochen sei. "Wir vermuten, dass es sich um einen Sabotageakt der Israelis handelt", sagte die Sprecherin in Jerusalem. Sie hoffe, dass die Verbindung rechtzeitig wieder hergestellt werden könne, um die Besatzung über einen geplanten Zwischenstopp zu informieren. Das Schiff solle möglichst in einen Hafen umgeleitet werden, damit Journalisten zur Begleitung an Bord kommen könnten. Auf diese Weise solle jeder Angriff gegen den Frachter und seine Passagiere verhindert werden.

"Das stimmt im Augenblick nicht"

Eine israelische Armeesprecherin dementierte, dass die Marine das Hilfsschiff abgefangen hat. "Das stimmt im Augenblick nicht", sagte sie. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor angekündigt, dass Israel eine Verletzung der verhängten Seeblockade vor dem Gaza-Streifen nicht tolerieren werde. Allerdings stellte Netanjahu Lockerungen der bisherigen Sanktionen in Aussicht. Israel hat den pro-palästinensischen Aktivisten außerdem angeboten, ihre Fracht im Hafen von Aschdod zu löschen.

An Bord der "Rachel Corrie" sind 15 Menschen, darunter Gaza-Aktivisten aus Irland und Malaysia. Unter ihnen ist eine Nobelpreisträgerin und ein ehemaliger ranghoher UN-Vertreter. Am Donnerstagnachmittag war der Frachter laut Organisation rund 400 Kilometer von dem Ort entfernt, wo am Montag israelische Soldaten sechs Schiffe der "Free Gaza"-Flotte mit Gewalt gestoppt hatten. Neun Menschen sind dabei getötet worden, mehr als 40 wurden verletzt.

Türkische Ermittler sammeln Beweise für ein Strafverfahren

Der irische Frachter hat rund 1200 Tonnen Ladung an Bord. Darunter auch 560 Tonnen Zement. Israel lässt bislang keinen Zement in den Gaza-Streifen passieren. Als Grund gibt die Regierung in Jerusalem an, dass die im Gaza-Streifen herrschende radikal-islamische Hamas damit ihre militärischen Strukturen neu aufbauen könnte. Zementmangel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen eines der größten Hindernisse beim Wiederaufbau des 2008/2009 zerstörten Gaza-Streifens.

Indes sammeln türkische Ermittler Beweise für Strafverfahren gegen die Verantwortlichen des israelischen Angriffs auf die mit Hilfsflotte. Die Staatsanwalt in Ankara habe Aussagen von verletzten Aktivisten angefordert, berichteten türkische Medien am Freitag. Außerdem gebe es medizinische Untersuchungen, die Hinweise auf große Brutalität ergeben hätten. Die türkischen Ermittler gehen dem Verdacht auf Entführung, Totschlag und Freiheitsberaubung nach.

Als Konsequenz aus dem Angriff will die Türkei ihre Zusammenarbeit mit Israel einschränken. Der türkische Vize-Ministerpräsident Bülent Arinc erklärte am Freitag, sämtliche Kooperationsprojekte würden überprüft. "Wir nehmen diese Sache sehr ernst. Neue Kooperationen werden nicht aufgenommen werden, und die Beziehungen zu Israel werden eingeschränkt werden." Als Beispiele nannte Arinc die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit mit Jerusalem.

DPA/AFP/AP AP DPA

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