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Irak: "Geduld der Regierung bald erschöpft"

In Bagdad ist der Vizegouverneur der Stadt ermordet worden und im Westen des Irak steht eine Offensive bevor. Zwar sucht Ministerpräsident Ijad Allawi den Dialog mit den Rebellen, doch seine Geduld scheint am Ende.

Der Vizegouverneur von Bagdad ist am Montag einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Hatim Kamil sei auf dem Weg zur Arbeit von vorbeifahrenden Männern erschossen worden, teilte Gouverneur Ali al Haidari mit. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, zwei Leibwächter Kamils seien bei dem Überfall verletzt worden.

Der Anschlag ereignete sich im Stadtviertel Dura im Süden von Bagdad. Irakische Rebellen haben in den vergangenen Monaten wiederholt Anschläge auf Politiker und Regierungsbeamte verübt, um das Land zu destabilisieren.

15 Iraker bei Angriff auf Hotel getötet

Bei einem Mörserangriff auf ein Hotel in der irakischen Stadt Tikrit sind am Sonntagabend 15 Iraker getötet worden. Wie die irakische Polizei in Tikrit weiter erklärte, wurden neun Menschen bei dem Angriff verletzt. In dem Hotel in der Heimatstadt des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein sind Arbeiter aus dem Südirak untergebracht. Zuvor waren nach Medienberichten bei Gefechten zwischen US-Soldaten und Aufständischen in Ramadi bis zu zehn Iraker getötet und 15 verletzt worden.

Die US-Luftwaffe bombardierte am Samstag und Sonntag erneut Ziele in der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha. Das amerikanische Militär erklärte am Sonntag in Bagdad, es sei ein Gebäude getroffen worden, in dem die Rebellen Mörsergranaten gelagert hätten.

Die USA und der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi planen eine Offensive auf die Rebellenhochburg. Wann sie beginnt, ist bislang allerdings unklar. Ein Sprecher des US-Militärs sagte, die US-Streitkräfte testeten zunächst weiter die Abwehrbereitschaft der sunnitischen Rebellen.

In Bagdad wurden die letzten Soldaten einer 3700 Mann starken Brigade der US-Nationalgarde erwartet, womit sich die amerikanische Truppenpräsenz in der irakischen Hauptstadt bis Montag auf 40.000 Mann erhöht. Zugleich wurde die geplante Rückkehr von Einheiten verzögert, so dass sich insgesamt 142.000 US-Soldaten im Irak befinden. Das ist der höchste Stand seit Sommer vergangenen Jahres.

Allawi sagte, dasss sich seine Regierung immer noch um eine friedliche Lösung für die Sicherheitsprobleme in den Städten Falludscha und Ramadi bemühe. "Allerdings ist die Geduld der Regierung bald erschöpft".

Streit zwischen Allawi und al Jawer

Über die bevorstehende militärische Lösung ist zwischen Ministerpräsident Ajad Allawi und Staatspräsident Ghasi al Jawer ein offener Streit entbrannt. Jawer sagte am Montag der kuwaitischen Zeitung "Al Kabas", er stimme absolut nicht mit jenen überein, die eine Militäroffensive für notwendig erachteten. "Die Art, wie die Koalition die Krise bewältigt, ist falsch", sagte er der Zeitung. "Das ist so, als ob man seinem Pferd in den Kopf schießt, weil eine Fliege darauf sitzt. Die Fliege fliegt weg und das Pferd ist tot."

Die nach US-Schätzungen rund 5000 Aufständischen wollten nichts anderes als "eine militärische Lösung, die Fortsetzung des Blutvergießens unter Irakern", sagte Jawer weiter. US-Kommandeure haben gesagt, der endgültige Befehl für einen Angriff auf Falludscha werde von Allawi kommen.

Der Aufstand der Rebellen im "sunnitischen Dreieck" westlich der Hauptstadt soll nach dem Willen der USA und der irakischen Übergangsregierung bis zu den Wahlen am 31. Januar kommenden Jahres eingedämmt werden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters