Irak "Himmelschreiende Kriegs-Geschäftsmacherei"


Die Verquickung von Wirtschaftsinteressen und globaler Machtpolitik wird nirgends so deutlich wie im Fall Irak. Zu offensichtlich versucht die Bush-Regierung, US-Firmen bei der Vergabe von Aufträgen im Irak zu bevorzugen.

Der Wiederaufbau im Irak verspricht zu einem Milliardengeschäft zu werden, und US-Konzerne haben die besten Startpositionen für die Ausbeutung der Bonanza an Euphrat und Tigris. Für Firmen aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern, die gegen den Krieg waren, werden dagegen nach Einschätzung von Diplomaten in Bagdad mittelfristig keine großen Fische zu angeln sein.

Milliarden in die Ölindustrie

Besonders in der Ölindustrie, die Ziel zahlreicher Sabotageakte war, müssen in den nächsten Jahren Milliarden investiert werden. Momentan ist der Irak, das Land mit den drittgrößten Ölreserven der Welt, aber auf Benzinimporte aus der Türkei angewiesen, weil die maroden irakischen Raffinerien nicht genug produzieren können. Dies wird von vielen Irakern als Schmach empfunden. Sie argwöhnen, dass die Amerikaner die Industrie nur nach ihren eigenen Bedürfnissen auf Vordermann bringen wollen.

Die US-Regierung hatte die ersten Aufträge bereits im Frühjahr ausschließlich an US-Unternehmen vergeben - "aus Sicherheitsgründen", hieß es damals. Mit dem Fuß in der Tür und besten Kontakten haben sie gute Chancen, auch in Zukunft im Irak dick im Geschäft zu sein. Außerdem sind die Ausschreibungen für Großaufträge nach Einschätzung westlicher Handelsexperten oft auf US-Firmen zugeschnitten.

Haliburton hat Aufträge von 1,7 Milliarden Dollar

Die Ölfirma Halliburton, bis 2000 vom jetzigen Vizepräsidenten Richard Cheney geleitet, hat sich über Tochterunternehmen Aufträge im Umfang von mehr als 1,7 Milliarden Dollar im Irak gesichert. Dazu gehören neben Wiederaufbauaufgaben auch Militäraufträge zur logistischen Unterstützung der Truppen. Die kalifornische Baufirma Bechtel ist ebenfalls mit dreistelligen Millionensummen im Geschäft.

Der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat will ganz im Sinne Washingtons 100-prozentige Töchter ausländischer Unternehmen zulassen. In Bagdad fürchten irakische Geschäftsleute und europäische Diplomaten, dass die im September verabschiedeten neuen Rahmengesetze für Investitionen, Import, Banken, und Steuern das Land zu einem "Selbstbedienungsladen" für die Besatzungsmächte und ihre Partner, vor allem die Türkei und Kuwait, machen könnten.

Vorbild für den Nahen Osten

"Wir versuchen, dem Irak zu helfen, ein kapitalistisches Land und Vorbild im ganzen Nahen Osten zu werden", sagte US-Geschäftsmann Joe Allbaugh kürzlich der "New York Times". Der 51-Jährige, der vor drei Jahren den Wahlkampf von George W. Bush koordinierte, hat mit anderen engen Bush-Vertrauten in Houston (Texas) die Beraterfirma "New Bridge Strategies" gegründet. Die Firma will ihren Kunden bei Geschäften im Nahen Osten helfen.

Auch die neue Anwaltskanzlei "Iraqi International Law Group" steckt in den Startlöchern. Sie dient sich Kunden als Wegbereiter in den irakischen Markt an. Marketingpartner der "Iraqi International Law Group" ist der US-israelische Anwalt Marc Zell. Er war bis vor zwei Jahren Partner von Douglas Feith, der inzwischen die Nummer Drei im Pentagon ist.

"Skandalöse Unterstützung der Bush-Regierung"

Die engen Verbindungen dieser Berater zur US-Regierung haben in den USA Empörung ausgelöst. "Zu dem wachsenden Unmut in manchen Kreisen und der Empörung in anderen trägt die himmelschreiende Kriegs-Geschäftsmacherei von Firmen mit guten politischen Beziehungen bei - Geschäftemacherei, die mit der skandalösen Unterstützung und Duldung der Bush-Regierung stattfindet", wetterte Kommentator Bob Herbert in der "New York Times".

Der Widerwille zahlreicher Länder, unter diesen Umständen Geld zu spenden, hat Washington jetzt zu einer Konzession gezwungen: Das Geld aus dem Ausland soll von der Weltbank und den Vereinten Nationen verwaltet werden und nicht der US-Besatzungsbehörde. Dabei kämen Firmen aus aller Welt gleichermaßen zum Zuge.

Christiane Oelrich und Anne-Beatrice Clasmann DPA

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