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Irak-Aufbau: Erste Annäherung zwischen Putin und Blair

Blair schlug einen Drei-Stufen-Plan für die Nachkriegsordnung im Irak vor, der für Russland nach den Worten Putins "annehmbar" schien.

Das erste Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem britischen Premierminister Tony Blair seit Beginn des Irak-Krieges hat eine Annäherung der Positionen gebracht. Blair schlug am Dienstag in Moskau einen Drei-Stufen-Plan für die Nachkriegsordnung im Irak vor, der für Russland nach den Worten Putins "annehmbar" schien.

Sowohl Putin als auch Blair sprachen sich für eine Beteiligung der Vereinten Nationen an den Ereignissen im Irak aus, wenn auch mit unterschiedlichen Vorstellungen von der Rolle der UN. Putin bekräftigte die Forderung nach einer Führungsrolle der Vereinten Nationen bei der Nachkriegsordnung im Irak, während Blair von einer engen Zusammenarbeit der UN und der Alliierten sprach.

Der von Blair vorgeschlagene Drei-Stufen-Plan sieht in der ersten Etappe den Wiederaufbau im Lande, die Stabilisierung der Lage und humanitäre Hilfe vor. Danach könne eine Interims-Regierung eingesetzt werden, ehe in der dritten Stufe eine neue Verfassung verabschiedet und eine neue Führung in Bagdad eingesetzt werden könnten. "Diese Nachkriegsordnung sollte in Zusammenarbeit zwischen den Koalitionskräften und der Vereinten Nationen hergestellt werden", sagte Blair.

Putin wertete diesen Vorschlag als "für Russland annehmbar". "Dies ist eine gute Grundlage für eine Erörterung des Problems und eine Annäherung der Positionen", sagte Putin. Er betonte, dass die Vereinten Nationen unbedingt an einer Friedenslösung im Irak beteiligt werden müssten. "Denn eine Nachkriegsordnung kann ohne Beteiligung der UN kaum langfristig, effektiv und gerecht sein."

Der russische Staatschef forderte eine schnelle Rückkehr der UN- Waffeninspekteure in den Irak. "Russland hat seine Bereitschaft erklärt, ihre Tätigkeit aktiv zu unterstützen", sagte er. Zugleich schlug er vor, die Arbeit der unabhängigen Inspekteure von UN- Blauhelmen abzusichern.

Gesprächsbereitschaft deutete Putin bei einer Entschuldung des Iraks an, doch müsse diese Frage im Pariser Klub der staatlichen Gläubiger gelöst werden. Die gestürzte irakische Führung von Saddam Hussein schuldet Russland etwa acht Milliarden US-Dollar (8,76 Milliarden Euro).

Blair bekräftigte zum Abschluss der eintägigen Gespräche, dass er trotz der noch bestehenden Differenzen wie geplant Ende Mai zu dem 300-jährigen Stadtjubiläum von St. Petersburg kommen wird. Dort werden die Befürworter des Irak-Krieges, Bush und Blair, genauso erwartet wie die Kriegsgegner mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem französischen Staatschef Jacques Chirac.