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Irak: Aufständische richten Blutbad an

Bei einer koordinierten Serie von Anschlägen im Irak wurden in der Stadt Balad bis zu 75 Menschen getötet. US-Präsident George W. Bush rechnet wegen der anstehenden Verfassungsabstimmung mit einer weiteren Gewaltwelle.

Bei einer Anschlagserie mit drei Autobomben sind am Donnerstagabend in der irakischen Stadt Balad mindestens 75 Menschen getötet worden, 100 weitere Personen erlitten nach Polizeiangaben Verletzungen. Balad liegt rund 80 Kilometer nördlich von Bagdad und ist vorwiegend von Schiiten bewohnt. Bei Anschlägen und Schießereien in der Hauptstadt selbst kamen mindestens 16 Iraker ums Leben. Zudem töteten Aufständische im Westirak fünf US-Soldaten. Wie die US-Armee berichtete, war am Mittwoch in Ramadi ein Sprengsatz neben ihrem Militärfahrzeug explodiert. Ramadi gehört zu den Hochburgen der Aufständischen im Irak. Seit Wochenbeginn wurden im Irak mehr als 140 Menschen getötet.

Minutiöse Planung

Einwohner der vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadt Balad berichteten, die Anschläge hätten sich im Abstand von rund 15 Minuten ereignet. Nach ihren Angaben sprengte sich zuerst ein Attentäter auf einer Geschäftsstraße in die Luft. Als die Menschen von dort in Panik flohen, fuhr ein zweiter Attentäter mit seiner Autobombe mitten in die Flüchtenden und zündete seinen Sprengsatz. Die dritte Bombe explodierte auf dem Bab al-Sur Markt in der Nähe des Grabes des Imams Mohammed bin Ali al-Hadi, der von den irakischen Schiiten verehrt wird. Die Verletzten wurden auf mehrere Krankenhäuser der Region verteilt. Der Arzt Chaled al Asawi vom Krankenhaus in Balad sagte, viele der Verletzten, unter denen sich auch der Polizeichef der Stadt befinde, hätten schwere Verbrennungen und Verstümmelungen erlitten.

Im Raum Balad, wo sich ein Militärstützpunkt befindet, hat es in der Vergangenheit wiederholt Anschläge von Aufständischen gegeben. Vor knapp zwei Wochen waren bei der folgenschwersten Anschlagsserie seit Jahresbeginn in der Hauptstadt Bagdad rund 150 Menschen getötet worden. Zu den Attentaten hatte sich der irakische Ableger der Terrorgruppe El Kaida bekannt.

US-Präsident George W. Bush rechnet im Zusammenhang mit der Verfassungsabstimmung im Oktober und den Wahlen im Dezember mit einer neuen Welle von Gewalt im Irak. Das sei das übliche Muster, die Aufständischen wollten den demokratischen Prozess torpedieren, sagte Bush am Mittwoch (Ortszeit). Das werde ihnen aber nicht gelingen.

"Nächste 75 Tage entscheidend"

Der Befehlshaber der Koalitionstruppen, General George Casey, betonte in Washington, trotz einer erwarteten Gewaltwelle hielten die USA an der geplanten Truppenreduzierung im Irak fest. Der genaue Zeitplan hänge vom politischen Prozess im Irak ab. "Die nächsten 75 Tage sind entscheidend", sagte Casey bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuss des Senats. Der US-General räumte ein, der Aufbau der Streitkräfte und der Polizei im Irak werde von Unterwanderung durch Aufständische und deren Unterstützern behindert. Im Irak sind insgesamt gut 130.000 US-Soldaten stationiert. Wie viele genau abgezogen werden sollen, wird aus taktischen Gründen nicht gesagt. Die US-Strategie sieht vor, mit dem Abzug der amerikanischen Truppen zu beginnen, wenn die Iraker nach und nach in der Lage sind, den Kampf gegen die Rebellen selbst zu führen.

AP/DPA / AP / DPA