Irak Blutbad im Morgengrauen


Bei der Explosion einer Autobombe vor dem Sitz der US-Verwaltung in Bagdad sind mindestens 20 Menschen getötet worden. Der Sprengsatz detonierte, als viele Leute auf dem Weg zur Arbeit waren.

Die "Grüne Zone" am Tigris-Ufer ist einer der am schärfsten bewachten Stadtteile von Bagdad. US-Soldaten kontrollieren jeden, der in den ehemaligen Palast der Republik gelangen will, wo die "Coalition Provisional Authority" (CPA) untergebracht ist, die amerikanische Besatzungsverwaltung. Auch der junge Iraker Omar Baschir hat sich am Sonntagmorgen vor dem Haupttor in die Warteschlange eingereiht. Er sucht Arbeit.

Mindestens 18 Tote

"Ich hatte meine Papiere fertig und bereitete mich darauf vor, durchsucht zu werden. Da hatte ich plötzlich nur noch Feuer vor den Augen." Baschir hat Glück. Er überlebt den Bombenanschlag, der mindestens 20 Menschen das Leben kostet. Sonntag ist im Irak ein Werktag. Die Explosion ereignete sich kurz nach 08.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ), als viele Leute auf dem Weg zur Arbeit waren.

Tödlich verletzt wird hingegen der Freund von Nabil Abdul Sahar, der ebenfalls in der Warteschlange stand. "Mein Freund stand hinter mir in der Reihe, als die Explosion geschah", berichtete Sahar mit zitternder Stimme. "Ich schaute nach ihm und sah, dass ihm die Kehle durchgeschnitten war. Ich rief nach Hilfe, aber niemand kam. Er starb am Boden liegend."

Wenige Meter von den Wartenden entfernt, fuhr ein Geländewagen vom Typ Land Cruiser auf das Tor zu, wie die Augenzeugen berichteten. Der Fahrer habe noch versucht, an die Spitze einer Kolonne von einfahrenden Autos zu gelangen, sagte Salah Farhan. Als sie das sahen, gingen die Soldaten an der Sperre in Deckung. Der Geländewagen explodierte, als noch etwa zwei Autos vor ihm waren. Es sei in die Luft geflogen und mit einem lauten Krach gelandet, sagte Hamid Hawwam. Sieben abgestellte Autos gingen ebenfalls in Flammen auf.

Schock und Trauer

"Die Explosion war sehr stark", berichtete Mohammed Dschabar, der im Planungsministerium arbeitet. "Wir wurden in die Luft geworfen. Leute fielen aufeinander." Nach der Explosion kümmern sich Soldaten und Iraker um die Verletzten. Viele sind schockiert und weinen.

Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak kommt es dort fast täglich zu Angriffen auf die US-geführten Besatzungstruppen. Zuletzt wurde in Bagdad zum Jahreswechsel vor einem Restaurant ein großer Anschlag verübt. Dabei starben mindestens acht Menschen, 30 wurden verletzt. Die USA machen für die Angriffe Anhänger von Saddam und moslemische Extremisten aus dem Ausland verantwortlich.

Gregor Mayer DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker