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Irak: Blutigster Tag seit 2003

Bei der tödlichsten Anschlagsserie seit Kriegsbeginn sind mehr als 150 Menschen bei Bombenanschlägen und Granatenangriffen im Bagdader Schiiten-Vorort Sadr-City ums Leben gekommen. Die Attentate wurden im Viertelstundentakt ausgeführt.

Die bislang tödlichste Anschlagsserie seit Kriegsbeginn hat im Bagdader Stadtteil Sadr City mindestens 150 Menschen in den Tod gerissen. Bei drei Selbstmordattentaten mit Autobomben sowie zwei Mörserangriffen wurden ferner rund 240 Menschen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die fünf Angriffe erfolgten im Viertelstundentakt beginnend auf einem belebten Gemüsemarkt. Mit weiteren Todesopfern wurde gerechnet.

Erneut Gesundheitsministerium beschossen

Aufgebrachte Bewohner des überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteils rannten auf die Straßen und richteten lautstarke Flüche gegen die Sunniten, die sie für die Anschläge verantwortlich machten. Sie rächten sich umgehend, indem sie zehn Mörsergranaten auf die sunnitische Abu-Hanifa-Moschee abfeuerten, das höchste Heiligtum der Sunniten in Bagdad. Mindesten eine Person wurde getötet, 14 weitere Menschen wurden verletzt.

Sadr City ist die Hochburg der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr. Seine Anhänger errichteten Straßensperren und verweigerten allen Fremden den Zutritt zu dem Stadtteil. Die Behörden wiederum verhängten von 20.00 Uhr an ein Ausgehverbot über ganz Bagdad.

Ranghohe Politiker kamen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über die schlechte Sicherheitslage zu beraten. Kurz vor den tödlichen Anschlägen war es in Sadr City zu einer Offensive der amerikanischen und irakischen Streitkräfte gegen Aufständische gekommen. Dabei wurden vier Iraker getötet und acht weitere verletzt. Es gab fünf Festnahmen. In Sadr City explodierten in den vergangenen Monaten immer wieder Autobomben und andere Sprengsätze, hunderte Menschen kamen dabei ums Leben oder wurden verletzt.

Im Norden Bagdads versuchten etwa 30 mutmaßlich sunnitische Angreifer das Gesundheitsministerium zu stürmen. Sie beschossen das Gebäude mit Mörsern und lieferten sich heftige Kämpfe mit Wachleuten, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Mindestens sieben Wachleute wurden verletzt. Nach etwa drei Stunden wurden die Angreifer in die Flucht geschlagen, nachdem US-Hubschrauber und irakische Panzerfahrzeuge eingetroffen waren. Die Mitarbeiter des Ministeriums konnten das Gebäude, an dem leichter Sachschaden entstand, unversehrt verlassen.

Das Weiße Haus wies unterdessen Berichte zurück, wonach sich US-Vizepräsident Dick Cheney am Donnerstag in Bagdad aufhielt. Cheneys einziger geplanter Besuch in der Region sei eine bereits angekündigte Reise nach Saudi-Arabien am Freitag, sagte Sprecher David Almacy in Washington. Das irakische Fernsehen hatte zuvor berichtet, Cheney sei in Bagdad - vermutlich um amerikanische Soldaten zum Thanksgiving-Fest zu besuchen.

AP / AP