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Irak IS-Extremisten richten 67 Männer hin


Die Terrororganisation Islamischer Staat richtet bei ihrem Vormarsch ein neues Massaker an. Der irakische Regierungschef antwortet mit Luftangriff.

Nach ihrem weiteren Vormarsch im Norden des Landes haben Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat 67 junge Männer mit Schüssen hingerichtet. Bei den Opfern aus der Stadt Sindschar habe es sich um Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden gehandelt, berichteten Augenzeugen am Montag. Sie hätten sich geweigert, zum Islam überzutreten. Die kurdische Nachrichtenagentur Bas News meldete, 88 junge Männer seien hingerichtet worden.

IS-Extremisten hatten am Wochenende große Gebiete nördlich und westlich der Stadt Mosul von kurdischen Einheiten erobert. Die Region gilt als Hauptsiedlungsgebiet der kurdischen Jesiden, Angehörige einer monotheistischen Religion. Viele Muslime betrachten sie als "Ungläubige" und "Teufelsanbeter". Nach Angaben der UN sind rund 200.000 Menschen auf der Flucht vor den IS-Extremisten. Die meisten Flüchtlinge sind Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden.

Auswärtiges Amt rät von militärischem Eingriff ab

Die Bundesregierung rät, den IS-Vormarsch im Irak nicht militärisch zu beenden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes räumte zwar am Montag in Berlin ein, mit der Eroberung weiterer Gebiete durch die Terroristen der Gruppe Islamischer Staat (IS) habe sich die Lage am vergangenen Wochenende weiter dramatisiert. Eine dagegen gerichtete Aufrüstung kurdischer Truppen wäre aber die falsche Antwort auf diese Entwicklung, sagte sie.

Vielmehr müssten sich die Parteien in Bagdad auf die Bildung einer Regierung unter Beteiligung aller ethnischen und religiösen Gruppen verständigen. Der beste Weg, IS zu schwächen sei es, dafür zu sorgen, dass die Sunniten den Terroristen keine Rückendeckung mehr gewährten.

Ein Teil der sunnitischen Zivilbevölkerung hatte den Vormarsch der sunnitischen IS im Juli begrüßt. Die Regierungstruppen hatten sich zuletzt aus dem Kampf gegen die vorrückenden IS-Terroristen in mehreren Gebieten im Norden weitgehend herausgehalten. Vielerorts waren es vor allem kurdische "Peschmerga"-Truppen, die sich den Fanatikern entgegenstellten.

Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki reagierte auf den Vorstoß der IS mit einem Luftangriff. Die Luftwaffe solle die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im autonomen Kurdengebiet unterstützen, sagte Armeesprecher Kassem Atta.

Tausende Menschen fliehen

Nach ihrem Rückzug aus großen Gebieten im Norden des Iraks haben kurdische Kämpfer eine Offensive gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) begonnen. Kurdische Peschmerga-Einheiten hätten einen kleinen Ort nördlich der Stadt Mossul zurückerobert, berichtete das kurdische Nachrichtenportal Rudaw am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Webseite hatte zuvor heftige Angriffe der Peschmerga auf die Extremisten gemeldet.

Die Terrorgruppe IS hatte am Wochenende nach blutigen Kämpfen mit den Peschmerga-Einheiten große Gebiete im Norden und Westen von Mossul unter ihre Kontrolle gebracht. Unter anderem nahmen IS-Kämpfer den größten Staudamm des Iraks, die Mossul-Talsperre und zwei Ölfelder ein. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 200.000 Menschen vor den Extremisten geflohen. Die meisten Flüchtlinge sind Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden, einer monotheistischen Religion.

sof/DPA DPA

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