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Irak-Konferenz in Ägypten: "Versöhnung, mit wem eigentlich?"

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat einen vollständigen Schuldenerlass für sein Land gefordert, dafür will er endlich die Sicherheitslage seines Landes verbessern. Ob es auch zu einer Aussöhnung mit den Sunniten reicht, ließ er offen.

Mit ernstem Gesicht hört US-Außenministerin Condoleezza Rice zu, als der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine Reihe der von Washington geforderten Reformen ankündigt. Zustimmend nickt sie mit dem Kopf, als der schiitische Politiker von Versöhnung spricht. Alle Blicke ruhen auf ihr, als der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki die "verfehlte Politik der Besatzungstruppen" kritisiert. Doch Rice verzieht immer noch keine Miene.

Condi Rice mit Basilikum verglichen

Der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani soll die Ministerin einmal mit Basilikum verglichen haben: "Keine schöne Blume, aber der Geruch ist sehr angenehm." Gar nicht angenehm ist dagegen der Geruch, der die Teilnehmer der bislang größten internationalen Irak-Konferenz auf dem Weg vom Flughafen Scharm el Scheich zum Konferenzzentrum begleitet. Denn, weil das Wasser hier auf der Sinai-Halbinsel knapp sei, würden die Grünstreifen und Blumen am Wegesrand mit Abwasser gegossen, erklärt ein ägyptischer Taxifahrer.

Doch der leicht faulige Geruch kann die irakischen Minister und Parlamentarier nicht stören. Sie eilen an diesem heißen Frühlingstag in gehobener Stimmung zum Konferenzzentrum von Scharm el Scheich. Denn erstens wird ihnen hier Unterstützung beim Wiederaufbau ihres Landes versprochen, das nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein zu einem Synonym für Chaos und Terror geworden ist. Zweitens ist die Reise in den ägyptischen Badeort für viele von ihnen eine willkommene Abwechslung. Anders als in Bagdad können sie hier über die Straße gehen, ohne dass sie Angst vor Autobomben und Heckenschützen haben müssen.

Überfällige Aussöhnung mit den Sunniten

"In Bagdad bezahlt man für einen Auftragsmord heute nur 100 US-Dollar, denn es gibt so viele Arbeitslose, die früher im Krieg schon Dutzende getötet haben und bei denen die Hemmschwelle deshalb äußerst niedrig ist", sagt Kamal al-Basri, der Wirtschaftsberater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Sein Chef verspricht vorne auf dem Podium gerade, dass die Regierung einen neuen Anlauf für eine nationale Versöhnung machen will, was US-Außenministerin Rice mit einem zustimmenden Nicken quittiert. Denn sowohl die USA als auch die Arabische Liga und die EU haben die von den Schiiten und Kurden dominierte Regierung wiederholt aufgefordert, sich endlich mit den Sunniten auszusöhnen, um dadurch den Sumpf des Extremismus allmählich trocken zu legen.

Doch Al-Basri fragt: "Versöhnung, mit wem eigentlich und warum? Zwischen der Versöhnung und der Gewalt besteht ohnehin kein Zusammenhang. Die Terroristen töten willkürlich Frauen und Kinder ohne Ansehen der Person." In dem dunklen, klimatisierten Konferenzsaal sitzt Al-Basri neben anderen schiitischen Politikern und einigen Kurden. Von den Anhängern des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr, die Al-Maliki die Loyalität aufgekündigt haben, oder von der sunnitischen Konsensfront, die mit ihrem Rückzug aus der Regierung gedroht hat, sitzt hier niemand. Man bleibt lieber unter sich.

Das Sicherheitsvakuum war schlimmster Fehler der USA

"Die Amerikaner haben nach ihrem Einmarsch im Irak viele Fehler gemacht. Das Schlimmste war das Sicherheitsvakuum, das sie geschaffen haben", meint Al-Basri im Flüsterton, während Mottaki in seiner Rede vor den Konferenzteilnehmern die Unterstützung des Iran für Al-Maliki betont. Al-Malikis Berater glaubt, "dass die US-Führung inzwischen aber besser versteht, was mit dem Irak los ist und wie seine Gesellschaft funktioniert."

Doch dafür stellt der Irak auch Forderungen: Nicht weniger als ein umfassender Schuldenerlass soll die internationale Gemeinschaft gewähren. Nur wenn die Gläubiger des Irak auf die noch ausstehenden Schulden von rund 50 Milliarden Dollar (37 Milliarden Euro) verzichten, könne sein Land den dringend nötigen Wiederaufbau anpacken, so al-Maliki. Quasi im Gegenzug sicherte er dafür eine zügige Umsetzung von Reformen zu, die vor allem die USA und sunnitisch dominierte Regierungen in den Nachbarländern des Iraks fordern.

Bisher flossen 13 Milliarden Euro aus der EU

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier machte vor seiner Abreise nach Scharm el Scheich in der ARD deutlich, dass es sich bei dem Treffen in Ägypten nicht um eine klassische Geberkonferenz, sondern eine "beidseitige Verabredung" handele. Die irakische Regierung bringe eine Verbesserung der Sicherheitslage sowie wirtschaftliche Reformen ein, und die internationale Staatengemeinschaft stehe mit Hilfen zur Verfügung, sagte Steinmeier. Der Minister erinnerte an die bereits in den Irak geflossenen Hilfsleistungen. So habe die Europäische Union beispielsweise seit 2003 gut 13 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

DPA/AP / AP / DPA