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Irak-Konflikt: Tony Blair stimmt die Truppen auf einen Krieg ein

Die britische Regierung will nach Worten von Premierminister Tony Blair Vorbereitungen für den Fall treffen, dass ein Angriff gegen den Irak unvermeidbar wird.

Die britische Regierung will nach Worten von Premierminister Tony Blair Vorbereitungen für den Fall treffen, dass ein Angriff gegen den Irak unvermeidbar wird. Auch die Armee müsse auf einen solchen Fall vorbereitet sein, sagte Blair am Freitag dem Armeesender "British Forces Broadcasting Service". Derzeit sei aber noch nicht klar, ob der Irak gegen die Resolution der Vereinten Nationen verstoßen habe.

Vorbereitet sein

Wenn sich aber herausstellen sollte, dass der Irak nicht mit den UN-Inspekteuren zusammengearbeitet habe, dann habe Großbritannien stets klar gemacht, dass man sich wieder an den UN-Sicherheitsrat wenden werde. Dann werde man darauf vorbereitet sein, Gewalt anzuwenden, um sicherzustellen, dass der Irak keine chemischen, biologischen und potenziellen Atomwaffen mehr besitze. Derzeit sei es entscheidend, dass Amerikaner und Briten entsprechende Kapazitäten in der Region aufbauten, "damit wir in der Lage sind, die Mission durchzuführen, wenn sie uns zufällt".

Angst im Grenzgebiet


Angesichts dieser Entwicklungen wächst an der türkischen Grenze zum Irak die Angst vor einem Krieg. Im Falle einer US-Offensive fürchten die Bewohner einen möglichen irakischen Giftgaseinsatz. Zugleich hoffen sie, das sich nach einem Sturz Saddam Husseins der Handel mit dem Nachbarland endlich wieder normalisiert.

"Mit Chemikalien duschen"


Heybet Bulduk ist so beunruhigt, dass sie die Fenster ihres Hauses notdürftig mit Plastikfolien und Lehm versiegeln will. In ihrer Nachbarschaft in der Stadt Silopi lebt Abdullah Ergun. Beim Golfkrieg 1991 floh er aus der Gegend. Nun fürchtet er, nicht genug Geld für eine Flucht zusammen zu bekommen, wenn es abermals zu Kämpfen kommt. "Ich versuche, meine Familie und mich damit zu beruhigen, dass Saddam Hussein uns 1991 verschont hat", sagt er. "Aber ich fürchte, diesmal wird er uns mit Chemikalien duschen."

Die Angst spiegelt sich auch in Aufrufen der Regierung in Ankara wider, den Konflikt friedlich zu lösen. Sie kommt ebenso in den Vorbehalten Ankaras gegenüber dem amerikanischen Wunsch zur Nutzung türkischer Militärstützpunkte zum Ausdruck. Dahinter steckt allerdings nicht allein die Sorge um das Wohl der Bürger. In der Grenzregion des Landes im Südosten leben vor allem Kurden. Und die könnten mehr Autonomie von Ankara verlagen, wenn in Folge eines Irak-Krieges die Kurden in Nordirak nach Unabhängigkeit streben.

Belebung des Handels


Die Menschen im Südosten der Türkei haben nicht nur Angst vor einem Krieg, sie setzen zugleich auch Hoffnungen in einen erfolgreichen Militärschlag gegen Irak. Nach einem Sturz Saddam Husseins, so glauben sie, würden die Sanktionen der Vereinten Nationen endlich aufgehoben. Eine Belebung des Handels mit Irak könnte der verarmten Region wieder auf die Beine helfen.

"Der Job ist erst halb erledigt"

Nicht zuletzt ist Saddam Hussein unter den türkischen Kurden verhasst. "Er ist ein Mörder", sagt Enver Karakan. Er wohnt in dem Dorf Duruklu und kann die schneebedeckten Berggipfel in Nordirak sehen. "Wenn Hussein weg ist, kehrt die Normalität zurück." Der irakische Präsident hat Giftgas gegen die kurdische Bevölkerung im Norden seines Landes eingesetzt. 1991, als sich die alliierten Soldaten über die Türkei aus Irak zurückzogen, protestierten kurdische Einwohner: "Vielen Dank", riefen sie. "Aber der Job ist erst halb erledigt."