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Irak-Konflikt: USA wollen hart gegen Aufständische durchgreifen

Angesichts anhaltender Anschläge im Irak wollen die US-Besatzer Härte demonstrieren und drohen mit drastischen Gegenmaßnahmen. In einem Stadtteil von Bagdad erschoss ein US-Soldat einen Bürgermeister.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes am Straßenrand sind in der südirakischen Hafenstadt Basra am Dienstag mindestens vier Iraker getötet worden. Das berichteten irakische Polizisten vor Ort dem arabischen Fernsehsender El Dschasira. Zwei Autos wurden zerstört. Drei Opfer saßen in einem Auto. Weitere Einzelheiten zu der Explosion, bei der nach Polizeiangaben auch mehrere Menschen verletzt wurden, lagen zunächst nicht vor. In Basra sind vor allem britische Soldaten stationiert.

Außerdem explodierte vor einem Gerichtsgebäude in Bagdad ein weiterer Sprengsatz. Dabei seien neun Menschen verletzt worden, darunter auch ein US-Soldat, berichteten Augenzeugen der dpa.

US-Soldat tötet Bürgermeister

Härte demonstrieren allerdings auch die US-Besatzer: In dem Bagdader Stadtteil Sadr City hat amerikanisches Militär den von den USA eingesetzten Bürgermeister Mohannad Ghasi al Kaabi getötet. Wie die US-Armee am Montagabend in Washington mitteilte, widersetzte sich der Politiker Anweisungen der Soldaten und wurde handgreiflich. Daraufhin wurde er von einer Kugel getroffen und starb wenig später an seinen Verletzungen. In dem Stadtteil war es bereits mehrmals zu Auseinandersetzungen zwischen US-Streitkräften und der einheimischen Bevölkerung gekommen.

US-Besatzung kündigt drastische Maßnahmen an

Der Befehlshaber der US-Truppen im Nahen Osten, General John Abizaid, forderte von der irakischen Bevölkerung auf, Angriffe auf die Besatzungstruppen zu verhindern. Anderenfalls kündigte er drastische Gegenmaßnahmen an. zeigen sich die USA zunehmend zu hartem Durchgreifen entschlossen. Er äußerte sich am Wochenende vor einer Versammlung von Stammesführern und Bürgermeistern des so genannten sunnitischen Dreiecks, das Zentrum des Widerstands gegen die Besatzungstruppen ist. Die USA hätten die Möglichkeiten und die Ausrüstung, um zu harten Maßnahmen zu greifen, wird der General zitiert.

US-Regierung demonstriert Härte

Die US-Regierung bekräftigte unterdessen ihren Irak-Kurs. Amerika müsse für die Sicherung Iraks "einen Preis zahlen", erklärte Außenminister Colin Powell am Montag in New York. Er sei aber vom Sieg überzeugt. US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagte in Washington zum verlustreichen Einsatz in Irak: "Nichts von Wert ist jemals ohne Opfer gewonnen worden." Bei den Anschlägen im Irak handele es in ihren Augen um einen Aufstand in Verbindung mit Terrorismus. Dabei machten Mitglieder des alten Regimes des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein gemeinsame Sache mit ausländischen Kämpfern.

Japan verschiebt Entscheidung über Truppenentsendung

Die anhaltende Gewalt im Irak lässt die japanische Regierung allerdings nicht kalt. Japan will erst nach Beginn der neuen Sitzungsperiode am 19. November über eine mögliche Truppenentsendung entscheiden, wie japanische Zeitungen am Dienstag berichteten. Das japanische Parlament hatte im Juli einer Entsendung von Truppen zugestimmt; die Pläne wurden nach der Gewalteskalation wieder auf Eis gelegt.

Amerikaner stellen Sinn des Irak-Einsatzes zunehmend in Frage

Immer mehr US-Bürger stellen unterdessen den Sinn des Krieges in Irak in Frage. In einer Anfang November durchgeführten und am Montag veröffentlichten Umfrage erklärten 49 Prozent, der Krieg sei das Ergebnis nicht wert gewesen. Nur 48 Prozent unterstützten die Militäroffensive noch, wie aus der Befragung des Annenberg Public Policy Centers hervorging. Im Oktober hatten noch 52 Prozent erklärt, die Lage in Irak sei es wert gewesen, den Krieg geführt zu haben. 43 Prozent waren gegenteiliger Ansicht. Mit der Politik von Präsident George W. Bush in dieser Frage waren 46 Prozent zufrieden, 50 Prozent waren es nicht.