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Irak: Weitere Festnahmen

Der ehemalige irakische Ölminister Raschid hat sich den Streitkräften gestellt. Auch der frühere Gouverneur von Basra, Walid Hamit Taufik el Tikriti befindet sich in Gewahrsam.

Das US-Hauptquartier teilte am Dienstag mit, der frühere irakische Ölminister Raschid habe sich am Vortag den Streitkräften gestellt. Der 65-Jährige war ein Berater Saddam Husseins und könnte Aufschluss über die geheimen irakischen Raketenprogramme geben. Der General gehörte der Militärindustrie-Organisation an, die für die Waffenprogramme des Iraks verantwortlich war, und war einer der Offiziellen, die direkt mit den UN-Waffeninspekteuren verhandelten.

Ein weiteres Führungsmitglied des gestürzten irakischen Regimes befindet sich nach Angaben von CNN in US-Gewahrsam. Wie der US-Fernsehsender aus Bagdad berichtete, stellte sich der frühere Gouverneur von Basra, Walid Hamit Taufik el Tikriti nach Vermittlung durch den Irakischen National-Kongress den US-Behörden. Damit haben die USA nun insgesamt 15 führende Gefolgsleute von Saddam Hussein festgenommen.

Taufik el Tikriti werden nach CNN-Angaben vor allem Menschenrechtsverletzungen bei der Unterdrückung der Schiiten im Süd-Irak vorgeworfen. Informationen über illegale Waffenprogramme würden von ihm dagegen kaum erwartet. Der Ex-Gouverneur stand auf der Liste der 55 meistgesuchten Iraker auf Platz 44 ("Kreuz 8").

Unruhen

Unterdessen kam es zu neuen Unruhen. In der irakischen Kleinstadt Falludscha haben US-Soldaten am Dienstag auf Teilnehmer einer gewaltsamen Demonstration geschossen und mindestens 15 Menschen getötet. Bei dem bislang schwersten Zwischenfall bei Demonstrationen im Irak wurden nach Angaben von Rot-Kreuz-Mitarbeitern bis zu 53 Menschen verletzt. Das US-Zentralkommando teilte mit, die Soldaten seien zuerst aus der Menge heraus beschossen worden.

Einwohner von Falludscha (50 Kilometer westlich von Bagdad) und die US-Armee machten sich gegenseitig für den blutigen Zwischenfall verantwortlich. Das Zentralkommando in Katar wies Darstellungen zurück, wonach die Soldaten "unprovoziert" in die Menschenmenge geschossen hätten. Die Soldaten seien von Irakern mit Kalaschnikows beschossen worden und hätten ihr Recht auf Selbstverteidigung ausgeübt, heißt es in einer Erklärung.

Dagegen berichteten Einwohner Falludschas dem Sender El Dschasira, dass die 200 zumeist jugendlichen Demonstranten unbewaffnet und die Proteste friedlich gewesen seien. Die Demonstranten hätten von den US-Soldaten die Räumung einer Schule verlangt, in der diese Quartier bezogen hatten. Darüber hinaus hätten sie den Abzug der Truppen aus der Stadt und dem gesamten Irak gefordert. Die US-Soldaten hätten dann das Feuer eröffnet. Am Dienstagabend verließen die Soldaten die Schule, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Der Korrespondent von El Dschasira sprach von einer sehr aufgeheizten Atmosphäre in der Stadt, die vor zwei Tagen erstmals von US-Soldaten besetzt worden war. Augenzeugen hätten berichtet, dass Steinwürfe auf die US-Soldaten oder hitzige Beschimpfungen den Zwischenfall ausgelöst haben könnten.

Bei der Beerdigung der Opfer kam es am Dienstag erneut zu Protesten gegen die US-Truppen. Mehrere tausend Iraker skandierten anti-amerikanische Losungen und schwenkten irakische Nationalfahnen. US-Kampfhubschrauber flogen über der Stadt.

Abzug der Truppen angekündigt

US-Verteidigungsminister Rumsfeld kündigte am Dienstag bei einem Besuch in Saudi-Arabien den Abzug von US-Truppen an. Zur Begründung sagte er auf der amerikanischen Prinz-Sultan-Luftwaffenbasis bei Riad, die Truppen würden dort nicht mehr gebraucht, da nach dem Ende des Irak-Krieges die Überwachung der Flugverbotszonen beendet sei.