HOME

Irakkrieg: Liebesgrüße aus Moskau - an Saddam?

Ein US-Militärbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland: US-Militärgeheimnisse über die damals bevorstehende Irakinvasion seien von russischen Diplomaten an Saddam Husseins Regime verraten worden.

Russland hat dem Regime von Saddam Hussein im Irak-Krieg geheimdienstliche Informationen über US-Truppenbewegungen und Taktiken geliefert. Das geht aus irakischen Dokumenten hervor, die das Pentagon am Freitag (Ortszeit) im Rahmen einer Studie über die ersten Monate des Irak-Kriegs veröffentlichte. Danach stammten die Informationen aus "Quellen" direkt im US-Zentralkommando, das damals in Katar angesiedelt war, und wurden durch den seinerzeitigen russischen Botschafter in Bagdad übermittelt. Als Motiv werden in der Studie wirtschaftliche Erwägungen Russlands genannt.

Das mehr als 200 Seiten umfassende Papier wurde vom Vereinigten Streitkräfte-Kommando (USJFC) erstellt. Es analysiert die Vorgänge im Irak kurz vor dem Krieg bis zum Mai 2003 anhand von Interviews mit hochrangigen irakischen Militärvertretern und Zivilisten sowie durch Auswertung von hunderttausenden irakischen Akten. Dem Bericht zufolge geht die russische Unterstützung aus einem Memorandum des damaligen irakischen Außenministers an Saddam Hussein vom 2. April 2003 hervor. Danach wurden die Iraker unter anderem darüber informiert, dass die Amerikaner dabei seien, Bagdad von drei Seiten einzukesseln und sich die größte Truppenkonzentration sich bei Kerbala befinde.

Qualität des Berichts unbekannt

Weiter sei übermittelt worden, dass sich die Amerikaner auf eine Bombardierung Bagdads und der Umgebung konzentrieren würden und die Erstürmung Bagdads nicht vor der Ankunft der 4. Infanteriedivision etwa "um den 15. April herum" beginnen werde. Auf die Qualität der russischen Informationen geht der Report aber nicht ein.

BND kein Thema

Keinen Aufschluss gibt die USJFC-Studie über das Ausmaß der deutschen Zusammenarbeit mit den USA während des Irak-Kriegs. Die "New York Times" hatte Ende Februar über eine intensive Unterstützung der US-Militärplanung durch den Bundesnachrichtendienst (BND) berichtet und sich dabei auf den Report des Vereinigten Militärkommandos bezogen. Der am Freitag verbreitete Bericht geht aber mit keinem Wort auf eine derartige Hilfestellung ein.

Allerdings ist offen, ob etwaige Passagen dazu vor der Veröffentlichung aus dem Report gestrichen wurde. Die "New York Times" hatte sich in ihrem Bericht auf die seinerzeit als geheim eingestufte Studie bezogen. Der Zeitung zufolge geht daraus hervor, dass der BND den USA im Februar 2003 - kurz vor Beginn der US- Invasion - den irakischen Verteidigungsplan für Bagdad übermittelte. Die Skizze sei von zwei in Bagdad stationierten BND-Mitarbeitern beschafft worden und habe dem US-Militär bei der Einschätzung geholfen, wann und wo der damalige Diktator besonders loyale Soldaten in Stellung bringen wolle.

Kein Kommentar zu Geheimberichten

General Anthony Cucolo vom Vereinigten Streitkräftekommando (USJFC), das für die Studie zuständig ist, wollte am Freitag vor Journalisten weder bestätigen noch dementieren, dass entsprechende Angaben in der bisher geheimen Version des Reports enthalten waren. Er könne sich nicht zu Geheimberichten äußern, sagte der General.

Die Bundesregierung und der BND hatten die Darstellung der "New York Times" als falsch zurückgewiesen. Zugleich wurde betont, dass keinerlei Informationen geliefert worden seien, die für Angriffe auf Ziele hätten genutzt werden können. In Deutschland soll am 31. März vom Bundestag der BND-Untersuchungsausschuss eingesetzt werden. Das Gremium soll unter anderem den Einsatz des Bundesnachrichtendienstes während des Irak-Krieges, die Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri und die CIA-Gefangenenflüge klären.