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Verhandlungen in Wien: Atomstreit mit Iran erfolgreich beendet

Bei den Gesprächen für ein Atomabkommen mit dem Iran gab es am Dienstagmorgen offenbar eine Einigung. In der Nacht wurde noch um die letzten Formulierungen gefeilscht.

Einigung im Atomstreit mit dem Iran perfekt

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif zeigte am Sonntag einen Teil des Entwurfs des Atomvertrags auf dem Balkon des Palais Coburg in Wien. Seit heute morgen ist die Einigung offenbar endgültig unter Dach und Fach.

Der jahrelange Atomstreit mit dem Iran wurde am Dienstag laut einer Eilmeldung der Nachrichtenagentur Reuters erfolgreich beendet. Nach den Worten eines Diplomaten ging es zuletzt in der Nacht nur noch um letzte Formulierungen in dem voraussichtlich rund 100-seitigen Abkommen. Am Vormittag ist noch ein letztes Treffen der Außenminister angesetzt, anschließend soll es eine Pressekonferenz geben.

Ziel der Verhandlungen war ein Abkommen, das dem Iran die zivile Nutzung der Atomtechnologie erlaubt, aber die Entwicklung von Atomwaffen verhindert. Im Gegenzug sollen Sanktionen und UN-Waffenembargos schrittweise fallen. Zu den hartnäckigen Streitpunkten gehörten der Zeitplan für die Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen Teheran, die Inspektion iranischer Militäranlagen und die Laufzeit des Abkommens. Eine Einigung beendet den seit 13 Jahren schwelenden Atomstreit.

Nächtliche Gesprächsrunden

In der Nacht gab es in Wien noch einmal mehrere Verhandlungsrunden in unterschiedlicher Besetzung. Unter anderem kam die 5+1-Gruppe Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) zu einem nächtlichen Koordinierungstreffen zusammen. Äußerungen des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif hatten am Montagabend die Hoffnung auf eine Einigung am Dienstag genährt.

Auch die US-Regierung hatte erklärt, bei den Gesprächen in Wien seien "echte Fortschritte" gemacht worden. Es seien aber noch "einige Streitfragen" ungelöst, sage der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest, in Washington. Allerdings würden die "schwierigsten Themen" auch ganz am Ende behandelt. Der chinesische Außenminister Wang Yi sagte nach seinem Eintreffen in Wien vor Journalisten, es solle "keine Verzögerungen mehr" geben. Keine Einigung sei "perfekt", aber es gebe bereits die "Voraussetzungen für eine gute Vereinbarung". Sein russischer Kollege Sergej Lawrow verließ den Verhandlungsort gegen 01.35 Uhr und sagte den wartenden Journalisten, er gehe ins Bett.


Straßenfeste im Iran

Die jüngste Runde der Atomverhandlungen hatte vor mehr als zwei Wochen begonnen. Die Gespräche im Palais Coburg waren wiederholt verlängert worden. Auch das jüngste gemeinsame Zieldatum - der Montag - hatte wieder nicht gehalten werden können.

"Eine Einigung wäre ein Triumph der Diplomatie mit Gewinnern auf allen Seiten", schrieb Sarif am Montagabend im Kurznachrichtendienst Twitter. Geplant ist nach Abschluss der Verhandlungen auch eine Rede des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani in Teheran. Im Iran hat das Innenministerium Straßenfeste im Falle einer Einigung angekündigt.
 

jho / DPA / AFP / Reuters
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