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Iran-Krise: "Sie bekommen jeden Schlag doppelt zurück"

Der Iran hat den USA für den Fall eines Angriffs mit massiver Vergeltung gedroht, die sich gegen jegliche US-Ziele weltweit richten könne. Vor Ablauf des Ultimatums traf sich eine iransiche Delegation mit der IAEO.

Der oberste iranische Führer, Ajatollah Ali Chamenei, hat den USA im Falle eines Angriffs mit massiver Vergeltung gedroht. "Wenn sie uns angreifen, dann wird ihren Interessen überall in der Welt geschadet. Sie bekommen jeden Schlag, den sie uns zufügen, doppelt zurück", sagte Chamenei am Mittwoch im staatlichen iranischen Fernsehen. Iran sei immer für den Frieden eingetreten und habe in den vergangenen 27 Jahren niemanden angegriffen: "Aber wir sind keine Nation, die auf einen Militärschlag nicht zurückschlägt."

An diesem Freitag läuft das Ultimatum des Weltsicherheitsrates an Teheran ab, die Urananreicherung einzustellen. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Atomforschung heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Erneute Gespräche

Wenige Stunden vor Ablauf der Frist traf am Mittwochnachmittag in Wien eine hochrangige iranische Delegation zu Gesprächen mit der Führung der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO zusammen. Der Leiter der iranischen Atombehörde Gholam-Reza Aqazadeh und sein Stellvertreter Mohammed Saidi hatten um das Gespräch mit dem Vize- Chef der UN-Atombehörde, Ollie Heinonnen, und IAEO-Chef Mohammed al Baradei gebeten. Das Treffen endete jedoch bereits nach einer Stunde offenbar ergebnislos. Beide Seiten verließen das Gespräch ohne Kommentar.

Beobachter hielten es für möglich, dass Teheran der UN-Atombehörde in letzter minute bisher noch fehlende dokumente über das jahrzehntelang geheime iranische Atomprogramm übergeben wollte. Es wurde jedoch nicht damit gerechnet, dass dies den vermutlich überwiegend negativen Inhalt des Baradei-Berichts an die UN entscheidend beeinflussen wird.

Ahmadinedschad betrachtet Weltsicherheitsrat als "illegitim"

IAEO-Chef Mohammed al Baradei wird dem UN-Sicherheitsrat am Freitag seinen Bericht über die atomaren Aktivitäten Teherans übergeben. Der Sicherheitsrat hatte Teheran Ende März aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen alle Arbeiten an der Urananreicherung einzustellen. Dies hat die Führung in Teheran schroff zurückgewiesen. Insbesondere die USA drohen Teheran mit Sanktionen, falls es die Pläne zur Urananreicherung nicht aufgibt.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete inzwischen jede Entscheidung des Weltsicherheitsrates als "illegitim", solange nicht das Recht seines Landes auf zivile Nutzung der Kernenergie anerkannt werde. Teheran werde "keine rechtswidrigen Entscheidungen unter dem Deckmantel des UN-Sicherheitsrates oder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO" anerkennen, sagte Ahmadinedschad in Teheran. Der iranische Präsident bekräftigte seine Drohung, aus der IAEO und dem Atomwaffensperrvertrag auszutreten, falls der Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen sein Land verhängt.

Bisher wurden keinerlei Details aus dem Inhalt des al Baradei-Berichts bekannt. Beobachter erwarten mit Spannung, ob die IAEO- Inspekteure iranische Angaben bestätigen, wonach Wissenschaftler im Atomzentrum Natans Uran bis zum für Brennstoff nötigen Grad von 3,5 Prozent angereichert haben. Zur Herstellung von Atomwaffen muss Uran auf bis zu 90 Prozent des spaltbaren Urans 235 konzentriert werden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters